Familien haben wenig Stellenwert und Lobby

Streik der Erzieher und Sozialarbeiter. Seit Wochen bzw. Monaten beobachte ich die Berichterstattung über Gehaltsverhandlungen der Erzieher und Sozialarbeiter und den nunmehr fristlosen Streik. Was mir dabei immer mehr auffällt: Bei den Lokführer-Streiks haben sich ganz schnell Politik und Wirtschaft zu Wort gemeldet und auf die „Millionen-Ausfälle“ hingewiesen.

Wo sind denn diese Stimmen nun beim Streik der Erzieherinnen? Wo ist denn die Wirtschaft, die die Millionen-Ausfälle beklagt, obwohl diese sicherlich auf Grund von Urlaub, vielleicht auch Krankheit der Eltern durch die ausfallende Kinderbetreuung auch entstehen? Ist Kindererziehung immer noch Privatsache? Wo sind denn die Stimmen der Politiker (auch in Gladbeck), die die Bildung ganz oben im Programm stehen haben? Mir stellt sich dabei immer mehr die Frage, welchen Stellenwert Kinder und Familien in der Politik und Wirtschaft haben.

Alle beklagen den Fachkräftemangel, der aber nicht dadurch verhindert wird, dass Pädagogen streiken. Die Kinder haben nur eine Chance, wenn sie in den Einrichtungen betreut werden. Augenscheinlich wirkt die Wirtschaft wohl nicht durch ihre Lobby darauf hin, dass Eltern wieder „in Ruhe“ arbeiten können.

Ich habe jede Menge Hochachtung für die Leistungen der Erzieherinnen und Sozialarbeiter, die auch entsprechend bezahlt werden müssen. Der Hinweis auf die klammen Haushalte der Kommunen ist m. E. nicht gerechtfertigt, da genug Geld im System ist. Im Zweifel muss der Bund die Kosten übernehmen.

Die Krönung fand ich dann im Gladbecker WAZ-Teil. Wie kann es denn sein, dass andere Kommunen keine rechtlichen Zweifel haben, ihre Kitas den Eltern zur Verfügung zu stellen und unsere Gladbecker Verwaltung schon?

Auch in Gladbeck, finde ich, haben Familien wenig Stellenwert und Lobby. L. Bähr, Gladbeck