Familie verschleppt Frau aus Gladbeck - Polizei stürmt Haus

In Gladbeck wurde eine junge Frau von Famlienangehörigen entführt. Sondereinsatzkräfte der Polizei konnten sie aus einem Haus in Süddeutschland befreien. Das Foto ist ein Symbolbild.
In Gladbeck wurde eine junge Frau von Famlienangehörigen entführt. Sondereinsatzkräfte der Polizei konnten sie aus einem Haus in Süddeutschland befreien. Das Foto ist ein Symbolbild.
Foto: Matthias Graben/WAZ FotoPool (Symbolbild)
Was wir bereits wissen
Ein Familienstreit hat dazu geführt, dass eine 23-Jährige aus Gladbeck in einen Ort bei Freiburg verschleppt wurde. Sondereinsatzkräfte befreiten sie.

Gladbeck/Freiburg.. Eine 23-jährige Frau ist am Wochenende von Familienangehörigen aus Gladbeck in ihren Heimatort bei Freiburg verschleppt worden. Grund ist nach Einschätzung der Polizei ein Familienstreit. Die Frau lebte seit längerem bei ihrem Freund im Gladbecker Stadtteil Brauck.

Mit zwei Autos hatte sich die Familie der 23-Jährigen vom Ort Efringen-Kirchen im Markgräfler Land an der deutsch-schweizerischen Grenze auf die 560 Kilometer lange Fahrt ins Ruhrgebiet begegeben. Man vermutete die junge Frau in einer Wohnung in Gladbeck, berichtete die Polizei. Dort haben man ihren gleichaltrigen Freund geschlagen und mit einer Waffe bedroht, um den genauen Aufenthaltsort der Frau zu erfahren. Am Samstag um 10 Uhr hätten dann mehrere Männer die Frau aus der Wohnung des Freundes gezerrt, in der sie sich versteckt hatte. Sie wurde in ein Auto verfrachtet und sei dann begleitet von mehreren Männern zurück nach Süddeutschland gebracht worden.

23-Jährige sollte wohl zwangsverheiratet werden

"Nach den polizeilichen Erkenntnissen ist die in Efringen-Kirchen wohnhafte Familie gegen die Beziehung der 23-Jährigen mit dem jungen Mann", teilte die zuständige Staatsanwaltschaft Essen am Dienstagmorgen mit. Noch am Samstag wurde das Polizeipräsidium Freiburg von der Gladbecker Polizei über die Entführung informiert. Eine Person aus dem Umfeld des 23-jährigen Freundes der jungen Frau habe die Beamten alarmiert, so das zuständige Polizeipräsidium Recklinghausen.

Die Freiburger Polizei sei dann "sofort tätig geworden", heißt es in der Mitteilung. Am Sonntagmorgen um 4 Uhr stürmten Kräfte eines Polizei-Sondereinsatzkommandos das Haus der Familie und befreiten die 23-Jährige. Sie war laut Staatsanwaltschaft ebenfalls in dem Haus und unverletzt.

Tatverdächtige sind wieder auf freiem Fuß

Drei Tatverdächtige wurden anschließend festgenommen, sind aber mittlerweile wieder auf freiem Fuß; vorläufig. Insgesamt schätzt die Polizei, waren sechs oder sieben Personen an der Verschleppung beteiligt. Die Ermittlungen liegen nun in den Händen der Staatsanwaltschaft Essen. Dort wollte man am Dienstag keine weiteren Details nennen.

Nach Einschätzung der Polizei hatte die Familie der 23-jährigen einen Ehepartner für sie ausgewählt und eine Hochzeit vorgesehen. Sei hielt dagegen an ihrer Beziehung zu dem 23-Jährigen in Gladbeck fest.

Für das für Gladbeck zuständige Polizeipräsidium Recklinghausen sind Zwangsheiraten, so eine Pressesprecherin, "keine alltäglichen Geschichten". Es komme aber immer mal wieder zu Einsätzen in solchen Fällen. Der vorliegende Fall habe allerdings eine etwas andere Dimension angenommen. "Zumal der SEK-Einsatz bei der Familie der jungen Frau im ländlichen Raum viel Aufsehen erregt hat."