EU rügt zu hohe Schadstoffwerte an der B 224

Der Verkehr und vor allem der Schwerlastverkehr gilt als Hauptverursacher der hohen Schadstoffwerte.
Der Verkehr und vor allem der Schwerlastverkehr gilt als Hauptverursacher der hohen Schadstoffwerte.
Foto: WAZFotoPool
Was wir bereits wissen
Mahnschreiben mit Ankündigung eines Vertragsverletzungsverfahrens an den Bund erreicht auch Gladbeck. Stickstoffdioxid-Obergrenze wird überschritten.

Es war nur eine kurze Mitteilung des Bürgermeisters am Ende der Ratssitzung, doch sie lässt aufhorchen: Die EU-Kommission rügt zu hohe Stickstoffdioxidwerte (Abgase hauptsächlich aus Dieselkraftfahrzeugen) in Gladbeck an der B 224. So steht es in einem hochoffiziellen Schreiben der Europäischen Union an den Bundesaußenminister, das auf dem Schreibtisch von Dr. Dieter Briese, Leiter des Gladbecker Umweltreferats, gelandet ist. Natürlich geht es darin nicht ausschließlich um Gladbeck: Die Mahnung und das damit eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren stehen vielmehr im Zusammenhang mit einer Reihe von Verstößen in ganz Deutschland gegen die mit der EU vereinbarten Luftqualitätsrichtlinien. Beim gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxid – der Schadstoff kann Lungenkrebs, Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen verursachen – liegt die vereinbarte Höchstgrenze bei 40 Mikrogramm/je Kubikmeter.

Mit 44 mg knapp darüber

Die kleine Messstelle, ein so genannter Passivsammler, an der Grabenstraße in Höhe der Brücke über die B 224, hat in den vergangenen sechs Jahren jedoch regelmäßig Werte darüber gemessen. Es bessert sich zwar, „wir lagen 2014 mit 44 mg nur noch knapp drüber“, sagt Dr. Briese mit Blick auf frühere Werte, die nahe 50 mg lagen. Aber knapp darüber ist eben nicht gut genug aus EU-Sicht, die diese Schwachstelle im Bezirk Essen ausdrücklich benennt

Die Bezirksregierung Münster hat das Schreiben an Gladbeck weitergeleitet. „Zur Kenntnisnahme“ - viel mehr kann auch nicht passieren. Das Vertragsverletzungsverfahren wird auf höchster Ebene behandelt, im schlimmsten Fall muss der Umweltsünder Deutschland, der nicht genug Maßnahmen zur Senkung der schädlichen Abgaswerte ergreift, Strafe zahlen.

Verkehrlicher Hotspot

Denn Gladbeck ist gegen die Verursacher dieser seit langem bekannten Umweltbelastung machtlos. „Die B 224 ist ein verkehrlicher Hotspot“, umschreibt Peter Schütz, Pressesprecher des Landesumweltamts LANuV, das Problem. Vor allem die dicken Brummis, also mit Diesel betriebene Lkw, zählten zu den Hauptverursachern der schädlichen Abgase. So lange für Kraftfahrzeuge keine strengeren Abgasnormen gelten, sei das Problem nicht zu beseitigen.

Nicht zu lösen? Nun, da sind nicht nur A 52-Gegner im Bürgerforum, sondern auch die Stadt Gladbeck anderer Ansicht. 2013, nach dem ersten runden Tisch mit Verkehrsminister Groschek, schickte die Stadtverwaltung einen umfangreichen Maßnahmen-Forderungskatalog ans Land zur Verbesserung der Verkehrssituation auf der B 224. „Alles wurde abgelehnt“, erinnerte Bürgermeister Roland am Ende seiner Mitteilung über die EU-Mahnung. Sowohl die Einbeziehung der B 224 in die Umweltzone – die die Feinstaubbelastung auf Werte unter die Höchstgrenze gedrückt hat – als auch die Bitte um eine Temporeduzierung wurden zurückgewiesen.

Umweltausschuss beschäftigt sich Ende August

Und nun? Auch wenn die Gladbecker Meinung im fernen Brüssel womöglich kaum gehört wird, wird sich der Umweltausschuss Ende August damit beschäftigen.