Es ist wichtig, dass es weiter geht
19.12.2007 | 14:18 Uhr 2007-12-19T14:18:00+0100
Kunden hat die Tafel mehr als genug, Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder aber sind rar. Kassierer, Schriftführer, Revisor und nun auch die stellv. Vorsitzende sind zurückgetreten.
Das Gedränge vor den Türen ist groß. In dicken Mänteln warten die Leute darauf, ihre leeren Plastiktüten und Jutebeutel füllen zu können. Auch im Inneren des Gebäudes an der Bülserstraße steigt die Anspannung. Die ehrenamtlichen Helfer der Gladbecker Tafel wappnen sich für den großen Ansturm. Mit flinken Fingerbewegungen füllen sie die blauen Köre der Kunden mit Orangen, Bananen, Brot, Milch, Joghurts und Plunderteilchen. Nahrungsmittel, die von den Bedürftigen gebraucht werden. Nahrungsmittel, die nun nicht mehr gekauft werden müssen und so ein wenig mehr Geld für Weihnachtsgeschenke übrig lassen. Seit 8 Uhr morgens sind die Tafel-Helfer im Einsatz, haben die Tische und Auslagen mit den von Geschäften gespendeten Lebensmitteln gefüllt. Es dauert dann allerdings nicht einmal halb so lange, bis sich die Regale wieder leeren. Qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel an Bedürftige zu geben, Menschen in Not Hoffnung spenden – das hat sich die Tafel zur Aufgabe gemacht. Doch steckt der Gladbecker Verein selbst in Schwierigkeiten. In finanziellen und in personellen. Wobei Letztgenannte derzeit weitaus gravierender sind. Denn der Vorstand des Vereins ist zusammengeschrumpft. Erst waren die Ämter des Hauptkassierers, stellv. Kassierers, Schriftführers und Revisors verwaist. Nun scheint auch die zweite Vorsitzende aufgegeben zu haben, nachdem der Vorsitzende Alfred Müller für den 5. Januar eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt hat, weil er das Vertrauen in seine Stellvertreterin verloren hatte. Was das für die Tafel bedeutet? „Wenn wir keine neuen Mitstreiter für den Vorstand finden, sind wir nicht mehr geschäftsfähig. Das würde bedeuten, das wir den Verein eventuell auflösen müssen”, sagt Alfred Müller. Für Kunden und Mitarbeiter eine Hiobsbotschaft. „Das wäre schlimm für uns. Immerhin haben wir durch die Tafel den ganzen Monat lang genug zu essen. Ohne die Tafel hatten wir sonst nur am Monatsanfang frische Lebensmittel”, sagt Miriam Tasch, die zusammen mit Sohn Nikolas ihre Tüten füllt. „Es ist einfach wichtig, dass die Tafel weiter besteht. Wir haben immer mehr Kunden, immer mehr Rentner und Kinder mit Familien – diese Leute könnten sich ohne die Tafel nicht mehr ausreichend ernähren”, glaubt auch Helferin Britta Spillmann. Natürlich weiß Alfred Müller, dass „man einen Vorstand nicht so einfach aus dem Boden stampfen kann. Aber vielleicht gibt es ja Menschen in Gladbeck, die unsere Arbeit unterstützen wollen und Erfahrung in der Vorstandsarbeit mitbringen.” Doch kommen Probleme meist im Doppelpack. Das Gebäude, in dem die Tafel die Lebensmittel ausgibt, war bis Ende März vom Getränkehändler Udo Terdin gepachtet. Die Tafel zahlte diesem als Untermieter lediglich 250 Euro Miete, den Rest sponserte Terdin. Doch hat dieser nun das Lager aufgegeben und der Gebäudebesitzer, die Gladbecker Wohnungsgesellschaft (GWG), führt es nun als Gewerbeimmobilie. Ein Umstand, der die Miete in die Höhe drückt. 1400 Euro soll die Miete nun kosten, plus rund 800 Euro Nebenkosten. Und auch wenn die GWG angeboten hat, monatlich 1000 Euro des Mietbetrags zu erlassen, so bleibt immer noch ein eklatanter Unterschied zu den einst gezahlten 250 Euro. „Den Mietvertrag der GWG haben wir nicht unterschrieben. Da bräuchten wir zusätzliche Sponsoren. Aber ohnehin können wir über die Zukunft der Mietzahlungen erst entscheiden, wenn auch die Zukunft der Tafel gesichert ist, wir also mit einem Vorstand wieder geschäftsfähig sind”, so Müller. Dass dies passiert, hofft nicht nur Mitarbeiterin Christiane Schultz: „Natürlich wünschen wir uns alle, dass es weiter geht. Die Leute brauchen diese Einrichtung!”
09:15
Die GWG sollte der Tafel ein Weihnachtsgeschenk machen und erst einmal für ein Jahr die Miete bei 250, Euro lassen. Das wäre Hilfe.