Erinnerungen, wie die Maloche so war aufm Pütt

Erinnerungen beim Bergmannsfrühstück: Ehemalige Kumpel der Zeche Graf Moltke.
Erinnerungen beim Bergmannsfrühstück: Ehemalige Kumpel der Zeche Graf Moltke.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Ex-Bergleute treffen sich regelmäßig zum Bergmannsfrühstück und erzählen von früher. Das Kohlemachen auf Graf Moltke lebt in Erinnerungen weiter.

Einmal im Monat treffen sie sich zum Bergmannsfrühstück – die Kumpel des Geschichtsvereins Zeche Graf Moltke. „Wir erzählen von der Maloche und wie es früher so war aufm Pütt“, erklärt Ex-Moltkeraner Walter Hüßhoff, „wie damals nach der Schicht.“

Einer von ihnen ist Manfred Basner, Führer der einzigen Schremmmaschine, die es auf Moltke je gab. „Die Kumpel nannten sie Ramona“, weiß Basner noch genau. Mit „Ramona“ wurde die Kohlegewinnung im Flöz effizienter. Kern der Schremmmaschine war eine Walze (80 cm breit, 150 cm hoch), mit der das Schwarze Gold quasi aus der Flözschicht geschält wurde. „Ramona war die einzige Schremmmaschine, ansonsten waren Hobel im Einsatz“, erläutert Walter Häusler, der Unter-Tage-Steiger auf Moltke war.

In den besten Zeiten wurde in bis zu acht Revieren gleichzeitig Kohle gewonnen, erinnert sich Hüßhoff. „Der erste Hobel kam 1959 zum Einsatz“, weiß Basner noch genau, der auch als Hobelbegleiter tätig war. Der Hobel setzt einen 1,40 Meter hohen Schnitt auf einer Länge von 200 bis 250 Metern. Wobei die Mächtigkeit des Kohleflözes in der Regel 2,20 bis 2,50 Meter stark war, so Häusler. „Es gibt sogar Flöze, die waren vier Meter mächtig.“

Alles in allem war das „Kohlemachen“ aber auch mit diesen Techniken eine staubige Angelegenheit, auch wenn es eigentlich eine Wasser-Bedüsung geben sollte, „doch die versagte oft“. Heute sei das Standard, und zwar vollautomatisch, erklärt Bernard Brokamp, einziger Kumpel am Tisch, der - weil jünger - nicht auf Moltke war, sondern biszuletzt auf Hugo (2000). Allerdings, berichtet Willi ter Haar,, gab es früher auch noch das „Tränken“: Da wurden Löcher in den Flöz gebohrt und unter Druck Wasser hineingepresst, damit die Kohle vor dem Hobeln angefeuchtet wurde.

Ede Geinowski und Rolf Wegner nicken und bekräftigen die Berichte. Beide waren auch unter Tage, aber nicht in der Kohlegewinnung. Geinowski reparierte als Elektriker vor Ort Maschinen. Wegner war Schlosser und war ebenso in der Grube im Einsatz, „die Maschinen wurden oft ab- und aufgebaut.“ Eine Maschine war in drei bis vier Flözen im Einsatz, die je 800 bis 1200 Meter lang waren, „dann kamen sie nach über Tage, wo sie gewartet wurden.“

Heinrich Neumann war Ausräuber: Wenn die Kohlenhauer fertig waren, „hab’ ich alles aus dem Streb und der Strecke rausgeholt“. Vieles im Pütt wurde immer wieder neu verwendet, „was auch sinnvoll war.“ Hüßhoff, der als Maschinenhauer vor Kohle war, berichtet, dass der Hauptabbau zwischen der 5. und 6. Sohle stattfand. Zwischen der 6. und 7. Sohle wurde nur ein Flöz („Gustav“) abgebaut. „Die gewonnene Kohle wurde aber zur 6. Sohle hochgezogen und kam erst von dort zum Schacht.“ Bis zu mehr als 1000 Meter tief war am Ende das Grubengebäude von Moltke.

Alle Kumpel, die beim Bergmannsfrühstück zusammensaßen (bis auf Brokamp), waren dabei, als 1971 Schicht am Schacht war. „Rund 70 % der Belegschaft wechselten nach Hugo.“ Mit Schuld am Aus war ein langjähriger Brand im Flöz Gustav, der über eine lange, lange Zeit, so Neumann, mit Stickstoff bekämpft wurde.