Ergreifende Kantatenmesse

Die Generalprobe zum Jubiläumskonzert des Städtischen Musikvereins.
Die Generalprobe zum Jubiläumskonzert des Städtischen Musikvereins.
Foto: FUNKE FotoServices
Was wir bereits wissen
Sehr gut besucht war das Jubiläumskonzert des Städtischen Musikvereins in der Stadthalle. Hauptwerk des Abends war Mozarts Messe in c-moll.

Gladbeck..  Der Marsch für Orchester von Johann Sebastian Bachs Festkantate „Auf, schmetternde Töne der muntern Trompeten“ (BWV 207) beginnt mit einem kräftigen Wirbel an Paukenschlägen in den die Blechbläser fanfarenhaft einfallen. Ein wahrhaft feierlicher Start in das sehr gut besuchte Jubiläumskonzert des Gladbecker Musikvereins in der Mathias-Jakobs Stadthalle am Samstagabend.

Chorleiter und Dirigent Zdenko Sojcic führt das Ensemble des Sinfonieorchesters Ruhr dynamisch durch die tänzelnden Barockklänge. „Freut Euch alle, singt mit Schalle“ ertönt es aus 68 Kehlen, ein imposantes Chorbild der hiesigen Sängerinnen und Sängern, unterstützt durch 26 Mitglieder der Kantorei der Evangelisch-Lutherischen Inselkirche Norderney.

Anspruchsvolle Musikliteratur

Nach dem glänzenden Auftakt schenkt Sojcic den über 300 Gästen eine herrliche Interpretation der Sinfonie in g-moll von Wolfgang Amadeus Mozart. Von Beginn an mit dem bekannten Streicher-Thema untermauern die vier Sätze die Qualität der Musiker. Nach der Pause dann das Hauptwerk des Abends, Mozarts Messe in c-moll, die Unvollendete, vom Musikverein in Urfassung einstudiert.

Das vierstimmige Kyrie eleison mit den chromatischen Abwärtsbewegungen der Männerstimmen geht unter die Haut, vor allem der strahlende Sopran von Rosemarie Weissgerber schmiegt sich einfühlsam ein.

Auch die anderen Solisten Katharina Bach (Mezzosopran), Nedialko Peev (Tenor) und Manfred Bühl (Bass) zeigen im Verlauf der Kantatenmesse in Duetten und Terzetten ihre Extra-Klasse. Das herausragende Werk des Salzburger Wunderkindes ist höchstanspruchsvolle Musikliteratur für alle. Der Chor meistert die komplizierten Fugen im Gloria und beeindruckt mit dem doppelchörigen „Qui tollis“.

Atemberaubende Passage

Der Schmerz der Welt wogt von einem Ende zum anderen, der Satz gilt laut Musikwissenschaftlern „ als eine der atemberaubendsten Passagen Mozarts überhaupt“ – heute vom Gladbecker Musikverein ergreifend interpretiert. Ein weiterer Glanzpunkt gegen Ende das „Hosanna in excelsis“.

Ebenfalls im Doppelchor mit rasanten Fugen strahlen die Stimmen und schenken der Stadthalle die weihevolle Atmosphäre einer Kathedrale. Die Besucher danken mit viel Applaus in Anerkennung der außerordentlichen Leitung des Gladbecker Musikvereins, der einmal mehr unter der Leitung von Zdenko Sojcic einen kulturellen Höhepunkt gesetzt hat.

Gemeinsam mit den Sängern von der Nordseeinsel ging es nach dem überwältigenden Konzert ins Brauhaus zu der Jubiläumsfeier. Stolz blickt man dort auf stattliche 95 Jahre städtischer Musikverein zurück. Die aktuelle Kooperation mit einem anderen Chor zeigt wie lebendig und zukunftsorientiert die Schar auch heute ist. „Fremde Menschen verstehen sich auf Anhieb dank der Musik“, sagt ein Chormitglied. Oder poetischer ausgedrückt mit den Worten der Festkantate zu Beginn des Konzertes „Hört der Töne hellen Klang, wie der fröhliche Gesang, wie die zarte Melodie, uns vereint in Harmonie“.