Ergreifende Bilder vom Leben mit Demenz

Christuskirche: Fotograf (roter Pulli) Zoltan Jokay führt durch seine Ausstellung „FRAU RAAB WILL NACH HAUSE“.
Christuskirche: Fotograf (roter Pulli) Zoltan Jokay führt durch seine Ausstellung „FRAU RAAB WILL NACH HAUSE“.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit Sonntag zeigt der Fotograf Zoltan Jokay in der Christuskirche seine Fotos von Menschen, die an Demenz erkrankt sind.

Gladbeck..  „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann“, sagte einst der deutsche Schriftsteller Jean Paul. Doch was ist, wenn diese Erinnerung zunehmend verblasst und leise verschwindet?

„Frau Raab will nach Hause“

In der Christuskirche ist seit Sonntag eine Ausstellung zum Thema Demenz zu sehen, die genau diese Frage zu beantworten versucht. Zoltàn Jókay, Fotograf und Demenzbetreuer in Teilzeit aus München, lädt zum Besuch der Ausstellung „Frau Raab will nach Hause“, die nun mit Hilfe der Stiftung Stellwerk nach Gladbeck geholt wurde und fortan bis zum 1. Februar besucht werden kann.

Facettenreiche Fotos

Fotografieren und Demenz – wie passt das zusammen? „Stets muss die Fotografie auf das verweisen, was nicht zu sehen ist. Und sie darf nicht alles zeigen, was zu fotografieren ist. Denn sonst würde hinter dem Offensichtlichen das Eigentliche verloren gehen“, sagte Zoltán Jókay selbst vor drei Jahren. Seit 2009 sind nun mehr als 64 Fotos entstanden, die das mal langsame, mal schnelle Vergessen seiner Patienten zeigen. Da gibt es etwa den alten Mann, der nach dem Mittagessen im Altersheim die Rechnung zahlen möchte. Die Fotos wirken mitunter verstörend, so deutlich ist in manchen Augen das Bewusstsein über das Sterben zu sehen.

Und doch sind es tagtägliche Erfahrungen, die Jókay auf den Bildern teilt: Es sind facettenreiche, gleichzeitig unverblümte Fotos von Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben. Begleittexte auf Englisch erklären dazu die Stücke. „Die Fremdsprache schafft Distanz zu den Gefühlen, die beim Betrachten entstehen. Diese Kombination von Bild und Text schützt vor bloßem Sentiment, das Kunst in Kitsch kippen lässt“, heißt es im Ausstellungsheft.

„Ich denke oft darüber nach, warum meine Arbeit so gar nicht sozialkritisch ist“, fragt sich Zoltán Jókay selbst. Dabei würde man dem Künstler an dieser Stelle gerne widersprechen. Sie ist dann sozialkritisch, wenn der Betrachter anfängt sich, beim Anblick auf das Foto Fragen zu stellen. „Möchte ich selbst meinen Lebensabend in einem Heim verbringen?“, oder „möchte ich, dass mich jemand so sieht?“ „Wissen Sie“, so sagt Jókay, „keiner der Pfleger möchte in einer dieser Einrichtungen leben. Für alle Menschen, die an diesem System beteiligt sind, ist es Tag für Tag schwer.“ Denn der Pfleger leidet ebenso unter der Ökonomisierung des Gesundheitssystems, wie der Patient. Auch das ist in den sensiblen Aufnahmen durchaus zu sehen.