Enkel erlebt Stolperstein-Verlegung in Gladbeck mit

Künstler Gunter Demnig verlegte die 27 neuen Stolpersteine, hier in Höhe WAZ-Leserladen. Willi Hennecke half tatkräftig mit.
Künstler Gunter Demnig verlegte die 27 neuen Stolpersteine, hier in Höhe WAZ-Leserladen. Willi Hennecke half tatkräftig mit.
Foto: Funke Foto Services
Bewegender Augenblick bei der Stolperstein-Verlegung: Enkel Manfred Zielke (67), eigens aus Hamburg angereist, sagte den Gladbeckern „Danke!“

Gladbeck..  Zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten kehrte Manfred Zielke (67) jetzt nach Gladbeck zurück: Für seinen Großvater Karl Otto Zielke wurde an der Horster Straße 19 am Mittwoch ein Stolperstein verlegt – und der Enkel reiste dafür eigens aus Hamburg an und war höchstpersönlich bei diesem Ereignis dabei.

Bewegende Augenblicke an der Horster Straße 19: Schüler des Riesener Gymnasiums stellten das Schicksal von Karl Otto Zielke vor, der 1940 zusammen mit seiner Frau Maria von Nachbarn denunziert und verhaftet wurde, weil er ausländische, also „feindliche“ Sender abhörte.

Maria wurde später freigelassen und überlebte glücklicherweise die Nazi-Zeit; Karl Otto Zielke kam in die KZ Sachsenhausen und Groß-Rosen und wurde dann zum Euthanasie-Opfer, das im Jahr 1942 in Bernburg ums Leben kam.

Wie hat Enkel Manfred Zielke vom Schicksal seines Großvaters erfahren? Schon als Kind im Alter von etwa zehn Jahren sprach er die Großmutter darauf an, damals lebte er im Marthaheim an der Hermannstraße, weil die Eltern seine Erziehung nicht leisten konnten. Sonntags besuchte er die Großmutter, die wieder geheiratet hatte und auch zu diesem Zeitpunkt noch an der Horster Straße 19 wohnte, und fragte sie auch nach dem Leben und Schicksal ihres ersten Mannes.

So erfuhr der Enkel Stück für Stück von der Verhaftung und vom Tod des Großvaters in der Nazi-Zeit. Auch in einem eigenen Blog im Internet hat Manfred Zielke wichtige biographische Stationen aus dem Leben seines Großvaters dokumentiert. „Mich hat sein Leben einfach nicht mehr losgelassen“, schilderte Manfred Zielke gegenüber der WAZ. Es sei sein Herzenswunsch gewesen, dass sein Großvater einen Stolperstein in Gladbeck erhält – und dieser Herzenswunsch sei nun in Erfüllung gegangen.

Aktion läuft seit dem Jahr 2009 - ein deutliches Zeichen der Erinnerung

Den zahlreichen Teilnehmern der Stolperstein-Verlegung in der Innenstadt rief Manfred Zielke ein „Danke“ zu. Die Teilnehmer der Aktion belohnten seine Visite in Gladbeck wiederum mit viel Applaus.

26 weitere Stolpersteine wurden im Stadtgebiet verlegt. Familien, die einst mitten in der Stadt wohnten, wurden damit geehrt.

„Ich bin dankbar dafür, dass wir seit 2009 in Gladbeck Stolpersteine verlegen“, würdigte Bürgermeister Ulrich Roland vor Ort nochmals die Aktion, die nun mit 97 Stolpersteinen im gesamten Stadtgebiet präsent ist und die so ein deutliches Zeichen der Erinnerung setzt.

Von Familie Friedmann bis Arnold Goldenhar

Die neu verlegten Stolpersteine erinnern an die Schicksale von 27 Gladbeckern – Verfolgung, Verhaftung, Tod im KZ, manchmal auch die geglückte Flucht und das Überleben im Ausland und teils sogar in Übersee – das sind die gemeinsamen biographischen Stationen dieser Menschen.

Familie Friedmann zum Beispiel lebte an der Rentforter Straße 16, wo die Verlegung mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig um 9 Uhr in der Frühe begann. Sechs Stolpersteine wurde hier verlegt für Etli, Mendel, Minna, Max, Berta und Moses David. Fünf dieser Familienmitglieder gelang die Flucht nach Palästina bzw. ins spätere Israel. Ein Gladbecker Familienschicksal in der NS-Zeit, an das nun für alle Passanten unübersehbar erinnert wird.

Erinnert wird auch an Rosalia Cahn-Bieker aus der Gladbecker Kaufhaus-Familie; an Hugo Cahn, Werner Cahn und Günther Cahn (alle Horster Straße 8).

Gleiches gilt für Rubin und Fanny Mingelgrün (Horster Straße 2) sowie die Familien Lewin, Seelig und Scheiner, die an der Uhlandstraße 10 bzw. an der Horster Straße 229 zuhause waren. Die Stolperstein-Verlegung endete an der Herbertstraße 32, wo die Familie Endel und auch Arnold Goldenhar wohnten.

Die Horster Straße – da war in der NS-Zeit die Hermann-Göring-Straße. Auch daran wurde erinnert. „Jetzt werden hier weitere Stolpersteine verlegt für all jene Menschen, die damals aus ihrem Leben gerissen wurde“, erklärte Pfarrerin Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup, die sich zusammen mit Roger Kreft vom Bündnis für Courage über die beachtliche Teilnehmerzahl bei dieser Verlegungs-Aktion freuen konnte.

Besonders bemerkenswert: Auch viele Schülerinnen und Schüler waren erfreulicherweise wieder dabei – teils sogar mit Rosen in der Hand, die sie später an den frisch verlegten, glänzenden Stolpersteinen ablegten. Ein Schüler: „Wir finden es richtig, dass wir so eine Aktion in Gladbeck haben.“

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