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Eltern greifen zum Rotstift

25.06.2009 | 07:00 Uhr

Auf der Seite "schulradar.de" bewerten Eltern Schulen und Lehrkörper. Lobhudelei und vernichtende Urteile

Beliebtheit „gut”, Motivation „befriedigend”, fachliche Kompetenz „sehr gut”– in Zeiten des Internets bekommen auch die Lehrer Kopfnoten. Immer mehr Schüler nehmen den Rotstift zur Hand und nutzen virtuelle Schulhöfe wie spickmich.de wahlweise zur Pädagogenschelte oder zur ultimativen Lobhudelei. Seit einem Jahr haben die Macher von „spickmich” eine weitere Zielgruppe im Visier: die Eltern. Auf schulradar.de können nun auch sie Zensuren verteilen.

Ein Klick auf das Gladbecker Satellitenfoto, schon blinkt das Ergebnis auf. 3,1: Das ist befriedigend, aber eben nicht gut. Die Leistung der Freien Waldorfschule Gladbeck, sie scheint verbesserungswürdig. Das Schulprofil zeigt die Schwächen: Es sind vor allem die schlechten Essensmöglichkeiten (Note 3,4), die den Durchschnitt der Schule auf „spickmich” nach unten drücken. Hübsches Schulgebäude und wenig Unterrichtsausfall (beides Note 1,9) schön und gut, aber wenn's vor Ort nicht schmeckt, ist eben kein „gut” drin.

Die vier Eltern, die unter „schulradar” abgestimmt haben, sehen das anders: Da gibt es eine glatte 1,0 für die Lehrkräfte – „Die Lehrer sind aus Berufung und mit dem Herzen dabei”, schreibt ein Elternteil –, eine 1,2 für die „engagierte” Schulleitung und eine gute 2 für das „ausgesprochen gute” Schulklima.

Geschäftsführer Wilfried Bialik lacht: „Das war nicht anders zu erwarten.”, meint er. „Die Eltern wissen, wie es an öffentlichen Schulen aussieht. Außerdem sind bei uns die Eltern zugleich die Schulträger. Und wer würde sich selbst schon schlecht bewerten?”

Auch am Heisenberg-Gymnasium sind die Schüler die „strengeren Lehrer”. Denn während sie ihre Penne mit einer 2,9 bewerteten, gaben die Eltern die Note 2,5. Allerdings schätzen die Schüler die Gourmetqualitäten ihrer Schule sehr: Dank schuleigener Cafeteria benoteten sie die Essensmöglichkeiten mit 2,5 – leider die beste Note auf dem Heisenberg-„spickmich”-Zeugnis. Es hapere vor allem an den Mitbestimmungsmöglichkeiten (Note 3,4), meinen die Online-Stimmen. Drei Elternwertungen beklagen die fehlende individuelle Förderung (Note 3,0).

Stephan Schröder, stellvertretender Schulleiter, zeigt sich enttäuscht: „Gerade im Bereich der Förderung haben wir in letzter Zeit viel getan”, sagt er. „Aber na ja, drei Eltern sind ja nun auch nicht repräsentativ. Unsere Schule ist eine gute Schule – eine glatte Zwei hätten wir schon verdient.”

Das Ratsgymnasium hat das bereits geschafft: „Note 2,0 lautet das Ergebnis einer schulinterenen Umfrage”, verkündet Schulleiter Manfred Lauffs stolz. Dass es bei „spickmich” nur für eine 2,7 gereicht hat – immerhin das beste Gladbecker Ergebnis –, stört den Schulleiter kaum: „Unsere eigene Umfrage ist um einiges stichhaltiger.” Ein bisschen freut es ihn natürlich schon, dass die Eltern dem Schulgebäude die Bestnote gegeben haben. Die „Drei Minus” für fehlende Mitbestimmungsmöglichkeiten kann der Schulleiter dagegen überhaupt nicht nachvollziehen: „Das ist kein realistisches Bild”, empört sich Lauffs. „Unsere Schüler können in der Schülervertretung, der Schulkonferenz und in Fachkonferenzen mitbestimmen. Da haben Leute ihre Meinung gesagt, die es nicht besser wissen.”

Dennoch: Lauffs ist gegen ein Verbot der Online-Portale. „Schüler und Eltern sollen ruhig die Möglichkeit haben, Lehrer zu bewerten – solange es nicht beleidigend ist”, meint der Schulleiter. „Natürlich ist die Bewertung wenig repräsentativ. Deshalb stört es unsere Lehrer ja auch nicht. Sie schauen sich die Seiten erst gar nicht an . . .”

Anne Wiegel

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