EKD-Botschafterin Käßmann hat das Jahr 2017 fest im Blick

Margot Käßmann im Martin Luther Forum an der Bülser Straße.
Margot Käßmann im Martin Luther Forum an der Bülser Straße.
Foto: Funke Foto Services
Margot Käßmann im Martin Luther Forum: 300 Besucher kamen an die Bülser Straße, um die ehemalige EKD-Ratsvorsitzende zu hören.

Gladbeck..  Die Ankündigung ihres Auftritts reicht bereits aus - und man kann an der entsprechenden Saal-Tür ganz schnell schon einmal das „Ausverkauft“-Schild anbringen - so war es auch am Dienstagabend, als 300 Zuhörer im Großen Saal des Martin Luther Forums der Ex-EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann lauschten.

Nach ihrem Rücktritt von diesem Amt im Jahr 2010 (ausgelöst durch eine Autofahrt unter erheblichem Alkoholeinfluss, bei der sie von der Polizei ertappt wurde), ist Margot Käßmann nun seit April 2012 Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017.

Eine Frau, die mit ihren intellektuellen und rhetorischen Fähigkeiten und vor allem auch mit ihrer persönlichen Ausstrahlung wie gemacht ist für dieses besondere Amt. Das zeigte die studierte Theologin auch im Luther Forum in jeder Sekunde ihres Auftritts.

Weltausstellung zur Reformation in Wittenberg

Aktuelle Themenbezüge und natürlich ein Ausblick auf das Jubiläumsjahr 2017 prägten diesen Abend. Europa habe auf die Pariser Attentate „imposant reagiert, nicht mit Gewalt, sondern mit Freiheit“, unterstrich Käßmann auf eine entsprechende Frage von Moderator und WDR-Journalist Uwe Schulz. Es gelte, den europäischen Kontinent und die Bundesrepublik Deutschland mit ihren Freiheitsrechten zu bejahen und diese Rechte konsequent zu schützen. Und sie sei durchaus optimistisch, dass dies in unserer Gesellschaft auch gelingen werde, so die EKD-Botschafterin.

In weiten Teilen drehte sich der Abend weniger um Aktuelles, denn um das Jubiläumsjahr 2017. Margot Käßmann möchte, dass es ein Jubiläum der inhaltsreichen Debatten, aber auch des fröhlichen Feierns wird. Im Vorfeld wird ein Reformations-Truck durch Europa rollen und an über 50 Stationen Ideen und Vorschläge einsammeln zur Fragestellung: Was ist heute Reformation?

Im Sommer 2017 folgt dann eine „Weltausstellung Reformation“ in Wittenberg, auch ein Sommercamp für die Jugend ist vorgesehen, das laut Käßmann ein „Woodstock der Reformation“ werden könnte.

Und immer wieder drehte sich - wie wohl nicht anders zu erwarten - im Luther Forum das Gespräch mit Moderator und Publikum auch um die Grundlagen des evangelischen Glaubens - und die Sicht von Käßmann dazu.

„Mündige Gläubige sind die beste Abwehr von Fundamentalismus“

„Martin Luther ging es um die Rückbesinnung auf die Quellen, aus denen sich der Glauben ernährt“, sagte die EKD-Botschafterin. Die Menschen sollten „mündige Gläubige“ sein, denn letztlich sei ein solcher Glaube auch die „beste Abwehr von Fundamentalismus“, so die Theologin: „Luther hat die Bibel in die deutsche Sprache übersetzt, damit die Menschen selbstständig lesen können.“ Und damit sie - darauf aufbauend - zu einer eigenverantwortlichen Glaubensüberzeugung gelangen könnten, so Käßmann, die sich auch dafür aussprach, wieder mehr Sinnlichkeit und bildliche Erfahrbarkeit des Glaubens in der evangelischen Kirche zuzulassen. „Luther hat religiöse Bilder nicht abgrundtief verbannt, aber er wollte sie versachlichen.“

Vielleicht erlebte dieser Abend seine stärksten Augenblicke, als die EKD-Botschafterin von ihren Auftritten in den neuen Bundesländern berichtete, wo in vielen Landstrichen nur noch sieben Prozent der Bevölkerung überhaupt einer christlichen Kirche angehören - dagegen wirkt die kirchliche Situation in Gladbeck und NRW fast noch entspannt, trotz aller Kirchenschließungen und Mitglieder-Rückgänge.

Margot Käßmann plädierte im Luther Forum für eine Gesellschaft mit Visionen - und sie verteidigte ihre pazifistische Haltung, die ihr bekanntlich schon viel Kritik eingebracht hat. Wer etwa in den Nordirak Waffen liefere, müsse sich stets fragen, was daraus werde. . .