Einmal Moltkeraner, immer Moltkeraner

Klaus-Wilhelm Rottmann (67) erinnert sich gern an seine Zeit als Berglehrling auf Graf Moltke.
Klaus-Wilhelm Rottmann (67) erinnert sich gern an seine Zeit als Berglehrling auf Graf Moltke.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Klaus Rottmann kam als 15-Jähriger zur Bergmannslehre nach Gladbeck. Noch heute schwärmt er von der Kumpel-Mentalität, die ihn immer beeindruckte.

Gladbeck..  „Ohne Moltke wäre ich nicht in Gladbeck“, weiß Klaus-Wilhelm Rottmann nur zu gut. Und ohne Moltke hätte er in seiner neuen Heimat auch nicht sein persönliches Glück gefunden. Am Ende war sein Kohleabenteuer zwar ein kurzes, der Butendorfer ist jedoch bis heute fasziniert vom Bergbau. „Einmal Moltkeraner, immer Moltkeraner.“

Eigentlich war es Zufall, dass der heute 67-Jährige 1962 mit 15 Jahren ins Revier kam. Rottmann wuchs in Lippstadt im Südwestfälischen auf. Als es darum ging, den richtigen Beruf zu finden, war für den Jungen klar: „Bäcker und Konditor wollte ich werden.“ Seine Mutter las dann aber in der katholischen Zeitung „Der Dom“ eine riesige Anzeige des Bergwerks Graf Moltke. „Und als sie das Lehrgeld sah, entschied sie, dass ich ins Ruhrgebiet ging.“ 230 Mark gab es im ersten Jahr für Berglehrlinge, „als Bäckerlehrling hätte ich 12 Mark bekommen.“

Mutterseelenallein fuhr er am 2. April 1962 mit dem Zug ins fremde Gladbeck, um seine Lehre auf Moltke anzutreten. „Ich war ganz erschlagen von dem Anblick der Zeche, sowas Gigantisches hatte ich noch nie gesehen“, blickt Rottmann noch heute ganz respektvoll zurück. Einquartiert wurde er ins Jugendwohnheim St. Lamberti, damals Schürenkampstraße 1 (heute Caritas-Zentrale mit Kirchstraße als Adresse).

Angelegt wurde er mit 60 weiteren Lehrlingen auf Moltke 1/2, wo im Dachgeschoss der Hauptverwaltung auch die Bergberufsschule (noch) untergebracht war. „Unser Ausbildungsleiter hieß Müller, und im ersten Jahr durften wir nur über Tage arbeiten.“

Am 13. Februar 1963, einen Tag nach seinem 16. Geburtstag, stand für Klaus Rottmann die erste Seilfahrt an. „Man durfte ja erst mit 16 in die Grube.“ Auf die 2. Sohle ging’s hinunter, 450 Meter tief unter Gladbeck. „Angst oder ein mulmiges Gefühl hatte ich nicht“, weiß er noch. Überwältigend sei das Gefühl gewesen, dazuzugehören, „wir durften sogar die Erwachsenen duzen.“

Damals wurde noch mit dem Abbauhammer Kohle gemacht, „Hobel oder Schremmmaschinen gab es noch nicht.“ Beeindruckt war Rottmann von der Kameradschaft, „zu 100 Prozent konnte man sich auf den anderen verlassen“. Er habe nie Intrigen erlebt, „ohne Wenn und Aber standen die Kumpel zueinander, wichtig war allen Miteinander und Ehrlichkeit.“ Ein Stück dieser Kumpel-Mentalität stünde der Gesellschaft auch heute gut zu Gesicht, meint der Butendorfer.

Rottmann machte nach zweieinhalb Jahren seine Hauerprüfung, arbeitete danach noch acht Monate auf 3/4. Dann aber verließ er die Zeche, ging zunächst zu Krupp, wo er als Maschinenführer arbeitete, später sattelte er nochmal um, wurde Chemikant und auf der Scholven Chemie (später Veba Oel, heute BP). Doch im Herzen blieb Klaus Rottmann immer Moltkeraner...