. . . einem Zimmer im Altenheim
14.04.2009 | 19:28 Uhr 2009-04-14T19:28:00+0200
Anna Schwan hatte ihr ganzes Leben nie mehr als ein Zimmer für sich.
Im Radio besingt Reinhard Mey die grenzenlose Freiheit über den Wolken, von der benachbarten Baustelle schallt leise der Baulärm durch das offene Fenster. Anna Schwan lässt sich von all dem nicht stören. Sie ist ganz in ihre Handarbeit vertieft. Stich für Stich entsteht ein Blumenmuster auf der weißen Decke. Sie arbeitet sorgfältig, nimmt sich Zeit, denn Stress und Termindruck, den gibt es im Johannes-van-Acken-Haus nicht.
Für Anna Schwan ist das Pflegeheim zu einem wirklichen Zuhause geworden. „Ich habe fast 30 Jahre im St. Altfrid-Haus gelebt”, erzählt die 90-Jährige, die damit ein Drittel ihres Lebens im Heim verbracht hat. Betrachtet man die zahlreichen gerahmten Fotografien, die die Wände ihres Zimmer zieren, scheint es fast, als habe ihr Leben erst dort begonnen: Eine lachende Anna Schwan auf ihrer Geburtstagsfeier, Gruppenfotos mit Altersgenossen – alle sind im St. Altfrid-Haus entstanden.
Doch natürlich gab es ein Leben vor dem Heim. Lange Jahre hat die gebürtige Polin als Haushälterin für einen Gladbecker Pastor gearbeitet. Ein Sturz und die Spätfolgen einer Kinderlähmung zwangen sie jedoch, ihren Beruf aufzugeben. „Ich habe eine Zeitlang im Krankenhaus gelegen und bin danach direkt ins St. Altfrid-Haus gezogen”, erinnert sie sich. „Es war keine große Umstellung für mich. Da ich beim Pastor auch nur ein Zimmer bewohnt habe, hat mir das Leben in einer eigenen Wohnung nach meinem Einzug ins Heim nicht gefehlt.”
Nun lebt sie im Johannes-van-Acken-Haus. Ihr Zimmer ist groß, geräumig, licht durchflutet. Auffällig ist jedoch: Abgesehen von einem Holzkreuz an der Wand und einer liebevoll aufs Sofa gebetteten Puppe gibt es keine persönlichen Gegenstände. „Was hätte ich denn mitnehmen sollen? Ich habe doch nichts gehabt.” In Annas Schwans Stimme liegt keine Trauer, denn in gewisser Weise, sind es doch ihre Sachen, ihre Möbel, die das Zimmer im Pflegeheim wohnlich machen. „Viele der Dinge hier habe ich aus dem St. Altfrid-Haus mitgenommen”, erzählt sie und wird nun schon ein wenig wehmütig: „Ich mag das neue Haus, aber wenn man 30 Jahre an einem Ort gelebt hat – da bekommt man schon einmal ein wenig Heimweh.”
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