Einblick in faszinierende Schmiedewelt von Feuer und Stahl

Beim Schmiedekurs sind Kraft, Geschick und vor allem Treffsicherheit gefragt.
Beim Schmiedekurs sind Kraft, Geschick und vor allem Treffsicherheit gefragt.
Foto: FUNKE Foto Services
Um die Grundlagen des Schmiedens ging es in einem Workshop mit Lambert Sperl. Ein heißer Termin auch für den WAZ-Reporter.

Gladbeck.. Die Funken sprühen, die Hammer klirren und es ist heiß. Sehr heiß. Schmied Lambert Sperl lud am Samstag zu Workshop und Schnupperkurs der etwas anderen Art in seine Kunstschmiede ein. Direkt an der Feuerstelle brachte der Gladbecker den Teilnehmern die Grundlagen des Schmiedens bei.

„So unbezähmbar, heiß und gefährlich das Feuer, so leblos, kalt und schwarz die Seele des Stahls“ – stimmt Lambert Sperl seine Schützlinge ein. Feuer und Stahl stehen sich in seinem Beruf als Schmied naturgemäß gegenüber.

Ein Spiel aus Licht und Schatten. Faszinierend, wie nicht nur Sperl selbst findet. Gespannt lauschen die Teilnehmer den Experten-Worten, ehe es schnell selbst an die Feuerstelle geht. Ein langer Stab aus Rundstahl gilt es zu erhitzen, ehe mit dem Mottek selbst „gekloppt“ wird, wie man es im besten Ruhrgebietsdeutsch wohl sagt. Hau drauf!

Die Treffsicherheit zählt! Und die Technik!

Doch was sich einfach anhört oder im Fernsehen auch gerne simpel aussieht, ist in Eigenregie deutlich schwerer. „Auf die Kraft kommt es nicht an“, erklärt Sperl. „Die Treffsicherheit ist ausschlaggebend und auch die Technik spielt eine Rolle.“ Als erste Übung steht das Anfertigen einer Zaunspitze an. Wie bekommt man als Teilnehmer ein Stück Rundstahl zu einer Spitze gehämmert? Gar nicht so einfach. Diese Aufgabe ist dann jedoch schnell gemeistert. Die richtige Schlagtechnik und nach nur kurzer Zeit können erste Erfolge gefeiert weren.

„Mit dieser Übung fängt jeder Schmied an“, so Sperl. Weiter im Programm: „Jetzt machen wir Blätter aus unseren Spitzen.“ Also ab mit dem „Rohr“ ins Feuer .

Auch Schalker Nachwuchsförderer schaute schon vorbei

Vier Teilnehmer sind am Samstag mit von der Partie. „Zu groß dürfen die Gruppen nicht sein. Nur so kann ich die Teilnehmer am besten betreuen und ihnen etwas beibringen“, erklärt Sperl, der schon „viele Leute“ bei sich am Feuer hatte. Bodo Menze vom FC Schalke 04 (Nachwuchsförderung) war an der Brüsseler Straße im tiefen Gladbecker Süden einst zu Gast.

An diesem Juni-Samstag ist die vollständige Familie Kinner mit dabei: „Es hat mich einfach gereizt, den Hammer selbst in die Hand zu nehmen. Natürlich ist das Feuer faszinierend“, erklärt Christoph Kinner (34), der im Großhandelsbetrieb als Key-Account-Manager arbeitet. Mit dem Handwerk hat er an sich nichts zu tun. „Die erste Blase am Daumen ist schon da. Aber das ist meine Maushand am PC.“ Alles halb so wild.

„Das ist harte Arbeit und kein Zirkus“

Sperls Kommentar mit einem Schmunzeln im Gesicht: „Schmieden ist eben harte Arbeit und nicht nur Zirkus.“ Etwa, wie es auf so manchem Handwerker- oder Weihnachtsmarkt zelebriert wird. Thomas Kinner (55) weiß: „Meinen Arm werde ich morgen merken. Anstrengend ist es.“ Ludger Kinner (60) sagt bereits nach wenigen Schlägen: „Mit Sicherheit werde ich noch einmal zum Hammer greifen.“

Zurück an der Feuerstelle: Der Rauch der „Esse“ – der Herd des Metallarbeiters - zieht direkt über eine Abzugshaube weg. Schmiede verwenden besondere Kohle – sogenannte Fettnuss-Kohle. Ein Thermometer gibt es für die „Nachwuchs-Schmiede“ indes zwar nicht, aber Sperl weiß: „900-1000 Grad Celsius sind die optimale Temperatur für Laien.“

Der Experte schlägt bei 1000-1200 Grad auf seinen Stahl. Der Schmelzpunkt liegt bei genau 1536 Grad. Es kann passieren, dass das Stahlrohr zu lange im Feuer gelassen wird: „Dann leuchtet es wie eine Wunderkerze.“ Ein schöner Anblick an sich – doch genau diesen gilt es zu verhindern.