Ein Waldorfer
28.08.2008 | 15:51 Uhr 2008-08-28T15:51:00+0200
Um Geschäftsführer der Freien Waldorfschule zu sein, muss man kein lupenreiner Anthroposoph sein - aber mit der Pädagogik schon sehr sein.
Er kennt die Eurhythmie-Frage. Natürlich. Als Geschäftsführer (nicht Direktor!) der Freien Waldorfschule Gladbeck weiß Wilfried Bialik (48) um die Neugierde an diesem wohl waldorf-spezifischsten Fach. „Musik und Sprache in Bewegung”, erklärt er dann und „Entwicklung von künstlerischem Verständnis.”
Er sagt noch viel mehr, referiert förmlich, zur Waldorfpädagogik überhaupt. Das überrascht, könnte man meinen. Denn die Schule holte ihn 2007 nach Gladbeck, damit er sich als Geschäftsführer um Verwaltung, Finanzen und Organisatorisches kümmert. Das war Wunsch von Eltern und Lehrern. Die Schule haushaltet schließlich in Eigenverantwortung, Bialik nennt sie „so etwas wie ein kleines, mittelständisches Unternehmen” mit 40 Angestellten und immerhin bis zu vier Millionen Euro Jahresetat. Darum kümmerte sich bislang das Führungskollektiv Vorstand. Als Leitungsgremium besteht dies auch weiter, nur eben verstärkt durch die Zusammenarbeit mit Bialik, „um”, so sagt er, „mehr Freiraum für pädagogische Arbeit zu schaffen.” Und diese pädagogische Arbeit fasziniert auch ihn.
Doch dass er überhaupt mit Waldorfschule in Kontakt kam, brauchte Umwege. Selbst nie diese Schule besucht, obwohl er das „gerne getan hätte”, lernte der in Oberhausen geborene Bialik Industriekaufmann, studierte Wirtschaftswissenschaften in Duisburg, machte einen Abschluss in Sportpädagogik in Trier. Er nutze von beidem etwas: Und ging ins Sportmanagement. Dort arbeitete er unter anderem als Bundesgeschäftsführer des Baseball- und Softballverbandes. Dann entschied er sich, vor elf Jahren, wieder für Schule.
Noch aus dem Studium kannte er Waldorfpädagogik und „war begeistert von der Idee einer freien Schule”, erinnert er sich. So arbeitete er in Hannover und Oldenburg an Waldorfschulen und jetzt wieder im Ruhrgebiet, in Gladbeck. Seine Frau Ulrike Langescheid bekam eine Professorenstelle für Eurhythmiepädagogik an der Alanus-Hochschule – alles passte für die Rückkehr.
In Gladbeck sitzt er nun aber nicht nur im Büro. In Rückbesinnung auf Trierer Tage schlüpft er jede Woche für einige Stunden in seine Sportsachen und unterrichtet. „Weil es Spaß macht”, sagt er, „und weil es Nähe zu Schülern schafft.” Auch in anderer Schulform könnte Bialik sich vorstellen zu arbeiten, „aber nur, wenn es in Richtung Gesamtschule geht.” Das dreigliedrige Schulsystem hat für ihn deutliche Schwächen. Überhaupt würden Kinder zu früh schon selektiert.
Als Gegensatz versucht der Geschäftsführer, Waldorfschule in einen Satz zu zwängen: „Die Entwicklung der Kinder im Auge behalten und Raum schaffen, um die einzelnen Fähigkeiten bei jedem zu entfalten.” Dafür muss man kein Anthroposoph sein, glaubt Bialik, aber man muss sich mit der daraus entstandenen Pädagogik auseinander setzen. „Nur Alternative, das ist zu wenig.”
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