Ein Leitfaden für mehr Lebensglück

Dr. Sandra Boltz mit ihrem Buch „ICare"  daheim am Esszimmertisch in Brauck. Das Werk der Gladbeckerin ist innerhalb kürzester Zeit so erfolgreich, das bereits die zweite Auflage gedruckt wurde.
Dr. Sandra Boltz mit ihrem Buch „ICare" daheim am Esszimmertisch in Brauck. Das Werk der Gladbeckerin ist innerhalb kürzester Zeit so erfolgreich, das bereits die zweite Auflage gedruckt wurde.
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Was wir bereits wissen
Die Gladbeckerin Dr. Sandra Boltz entwickelte nach einem persönlichen Zusammenbruch einen Ratgeber in Form eines einfachen Selbstlernprogramm.

Gladbeck..  Obwohl es orangefarben ist, wurde es zum neuen roten Faden im Leben von Dr. Sandra Boltz. Die Rede ist von dem kleinen, eher unscheinbaren Armband, das die Gladbeckerin am rechten Handgelenk trägt. „Das ist ein so genanntes Sai Sin, ein Glücksarmband, das ich aus einem Urlaub in Thailand mitgebracht habe“, erklärt die Lehrerin und Medienpädagogin, die Studenten an der Universität Duisburg/Essen unterrichtet. Die jetzt so ausgeglichen und resolut wirkende 41-Jährige hat eine schwere Lebenskrise gemeistert, indem sie – ganz Pädagogin – für sich selbst einen Lebensleitfaden entwickelte. „Eine Anleitung, um durch mehr Achtsamkeit und bewusste Selbstfürsorge sich selbst zu stärken und neues Lebensglück zu finden“, erklärt die Autorin, die daraus das Buch „ICare“ entwickelte, erschienen im Kamphausen-Verlag.

Erfolgreicher Selbstversuch

Nach ihrem persönlichen Zusammenbruch, wohl einer Art Burnout, habe sie sich eine Auszeit genommen, erzählt Sandra Boltz an ihrem stilvoll-gemütlichen Esszimmertisch daheim in Brauck. „Ich habe mich selbst ständig unter Druck gesetzt, konnte nie richtig mit dem zufrieden sein, was ich erreicht habe“, berichtet sie. Bei einem Spaziergang habe sie sich dann am höchsten Punkt einer Halde hingesetzt „und in Stichpunkten aufgeschrieben, welche Grundsätze, Werte und Ziele mir wichtig sind“. Daraus entwickelte die Pädagogin kleine Anleitungen, um von einem unzufriedenen zu einem ausgeglichenen, zufriedenen Leben zurückzukehren. Durch ihren erfolgreichen Selbstversuch sieht Sandra Boltz bestätigt, was die Wissenschaft bereits herausgefunden hat. „In der modernen Psychologie weiß man inzwischen, dass Glück lernbar ist – vorausgesetzt, man bringt eine gewisse Beharrlichkeit auf.“

Die Gladbeckerin entschloss sich, andere Menschen an ihrem Glück teilhaben lassen zu wollen. Sie überarbeitete ihre persönliches Glücksprogramm und entwickelte 30 Trainingseinheiten als unterhaltsam-lockere Tagesübungen, um quasi in einem Monat zu einem ausgefüllteren zufriedeneren Leben finden zu können. „Wir können über unsere Grundeinstellung selbst entscheiden“, erklärt sie, „es gilt zu erkennen, dass viele unserer Gedanken und inneren Monologe – oft aus reiner Gewohnheit – negativ sind.“ Mit ihrem Mutmacherbuch werde der innere Kompass auf Optimismus umgepolt. Das jedem Exemplar beigelegte „Sai Sin“-Armband helfe als Symbol dabei, „bewusster auf Gedanken, Gefühle und Worte zu achten, um ein glücklicheres Leben zu führen“.

1000 Anmeldungen für einen Selbstversuch

Zunächst hatte die Gladbeckerin ihr Buch im Selbstverlag herausgebracht. Bei einem Autoren-Workshop im Rahmen einer Buchmesse präsentierte Sandra Boltz ihr Werk. Unter den Zuhörern war der Chef des Kamphausen Verlags, der anschließend Interesse bekundete.

Vor der Veröffentlichung testeten die Profis aber zunächst den Markt und riefen im März via Internet dazu auf, wer Interesse habe, sich bei einem Selbstversuch am „ICare“-Programm zu beteiligen. Knapp 1000 Anmeldungen folgten und belegten den Verkaufswert, so dass das im September veröffentlichte Buch mittlerweile in zweiter Auflage als 178-Seiten-Druckwerk erschienen ist (14,95 Euro; ISBN 978-3-89901-844-8). Die WAZ stellt in Kurzform einige Kapitel des Selbstlernprogrammes vor:

Die Kraft der 5

Am zweiten Tag der ICare-Challenge geht es um Dankbarkeit. Am Morgen gilt es, an den Fingern fünf Dinge abzuzählen, für die man dankbar ist, zum Beispiel einfach, dass die Sonne scheint. Bei jedem Blick auf das Glücksarmband solle man sich dann bewusst für eines dieser Dinge bedanken. Dies steigere das Wohlbefinden, trage zu guter Laune und Wohlbefinden bei.

Achtsamkeit im Alltag

Der sechste Tag des Selbstlernprogrammes ist dem ganz normalen Alltag gewidmet. Die Aufgabe für den Leser lautet: „Praktizieren Sie während Ihrer ganz alltäglichen Routinehandlungen Achtsamkeit.“ Ganz banal zum Beispiel das warme Duschwasser, den Geruch der Morgenluft oder den Geschmack des Mittagessens wahrnehmen und somit dem Alltäglichen mehr Beachtung zu schenken. Dies befähige dazu, aus grüblerischen Gedanken auszusteigen und den tatsächlichen Moment selbstbewusster wahrzunehmen.

Urlaub für innere Kritiker

Am achten Tag geht es darum. innere negative Kritiker aufzuspüren und diesen frei zu geben. Von negativen Glaubenssätzen wie „das werde ich nie lernen“ gilt es sich so zu verabschieden, da diese sich negativ auf das Selbstvertrauen und die Selbstachtung auswirken.

Mut tut Gut

Nachdem die negativen Glaubenssätze aufgespürt und verbannt wurden, geht es am zehnten Tag des Selbsthilfeprogramms darum, den mentalen Akku aufzuladen. An jedem Tag gibt es Momente von Demotivation oder fehlendem Vertrauen, die nach einem Anschub verlangen. Zur Selbststärkung lautet die Tagesaufgabe somit darauf zu achten, was besonders gut erledigt wurde oder enorm gut gelaufen ist. Dafür soll man sich laut Dr. Sandra Boltz’ Anleitung ganz bewusst loben: „Worauf können Sie extrem stolz sein? Arbeiten Sie mit Selbststärkungen, wie: Ich mache meine Sache richtig gut! oder: Ich glaube an mich und meine Fähigkeiten!“ Diese Selbstmotivation sei ein wahrer Energiespender zur Bewältigung des Alltages.

Mein bester Freund

„Stehen Sie sich selbst verlässlich zur Seite, in guten wie in schlechten Zeiten? Wann haben Sie sich das letze Mal etwas Gutes getan oder gesagt?“, fragt Sandra Boltz zur Einleitung der zwölften Tagesübung. Dabei geht es um die Eigenwahrnehmung, denn viele Menschen gingen durch permanente innere Selbstverurteilung und unablässige Selbstkritik mit niemand Anderem so schlecht um wie mit sich selbst. Um dieses destruktive Muster zu vermeiden gelte es sich selbst gegenüber – als der längsten Beziehung des Lebens – mehr Mitgefühl aufzubringen. Daraus folgt die Tagesaufgabe: „Seien Sie heute ihr bester Freund! Sprechen Sie mit sich wie mit einem sehr guten Freund. Seien Sie gut zu sich selbst und üben Sie Selbstmitgefühl!“