Ein Hauch von Urlaubsfeeling in der Stadt

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Klein sei ihr Garten im Vergleich zu den anderen, die die WAZ bereits in ihrer Serie vorgestellt hat. Sabine Roth sagt das fast ein bisschen entschuldigend. Doch schon auf den ersten Blick erkennen Besucher: Platz für ein grünendes und blühendes Kleinod ist auch auf geringstem Raum. Und soooo winzig ist die Fläche auch gar nicht – man muss nur wissen, wie man Pflanzen und Dekoration in Szene setzt. Das kleine Paradies von Sabine (64) und Claus (68) Roth an der Oberen Goe­thestraße bietet durchaus genügend Fläche, um im Herzen Gladbecks einen Hauch von Urlaubsfeeling zu zaubern.

Wenn andere Zeitgenossen an die Küste reisen und sich mit einem Schmöker in einen pittoresken Strandkorb zurückziehen, geht das Ehepaar einfach in sein lauschiges Refugium hinter dem Einfamilienhaus: Dort steht das einladende Möbel mit den Kissen in der leuchtenden Farbe reifer Zitronen. „Der Strandkorb war unser Traum, er ist für uns der Inbegriff der Gemütlichkeit“, sagt die 64-Jährige.

Die gebürtige Brandenburgerin ist seit 1976 in Gladbeck zu Hause. Vor sechs Jahren zog das Paar an die Obere Goethestraße. Sabine Roth findet: „Das ist eine Super-Lage, der Garten grenzt direkt an das Dietrich-Bonhoeffer-Haus.“ Praktisch, engagieren sie und ihr Mann sich doch ehrenamtlich in der benachbarten evangelischen Kirchengemeinde, einen Katzensprung entfernt.

„Der Garten ist mein Reich“ , sagt die 64-Jährige. Jeden Morgen sei ihr erster Gang hinaus, dann juckt es sie in den Fingern, Hand anzulegen. Täglich hegt und pflegt sie ihre Pflanzen, setzt dazwischen Kunstwerke und Accessoires als Hingucker. „Das ist Thusnelda“, stellt die Herrin der grünen Oase eine Skulptur mit Blütenhut vor. In Glaskugeln glitzert das Sonnenlicht, die „bösen Schwiegermütter-Geister“ aus Künstlerhand sehen eigentlich ganz nett aus, und das Vogelhäuschen habe ihr Vater gebaut. Sabine Roth passt auf, „dass in der Vogeltränke immer Wasser ist“. Etwas von Blättern verborgen hockt im Lotussitz betend ein Herr. Die Figur stelle einen Priester dar. „Er soll auf mich Ruhe übertragen“, erläutert Sabine Roth.

Doch umgeben von Rosen, Lavendel und Wandelröschen kommt ohnehin schnell ein entspanntes Gefühl auf. Über dem Kopf hängen Blumenampeln, über deren Rand Blüten von Belli und Erika quellen. In Töpfen gedeihen einjährige Tomaten und Paprika. Sabine Roth berichtet: „Mein Bruder versorgt mich mit Pflänzchen, die er zieht und mir weitergibt.“ Sie selber dünge später mit Mist. „Ich bin in Deuten, in einem Haus inmitten von Wald und Wiesen, groß geworden“, plaudert die 64-Jährige. In diesem Umfeld sei ihr „die Liebe zur Natur zugewachsen“. Wenn ihr der Geruch von Erde in die Nase steigt, fühlt sie sich in ihrem Element.

Apropos zugewachsen: Auch wenn in ihrem Garten keine Blumen wachsen, die ihr nicht gefallen, hängt ihr Herz doch ganz besonders an einer bestimmten Pflanze. „Beim Einzug in dieses Haus haben wir in einer Gärtnerei einen alten Rebstock gekauft“, erzählt die 64-Jährige. Er rankt mit üppigem Blattwerk an einer Gerüstkonstruktion mit Sonnensegel. „Unser Weinstock trägt sogar richtige Trauben“, aus denen man theoretisch einen Riesling machen könne. Doch die Trauben sind bei Roths zum Naschen da – in greifbarer Nähe, wenn das Paar sein kleines Paradies genießt.