Ein blühender Traum für alle Sinne

Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Das Ehepaar Schulz öffnet am Sonntag, 14. Juni, von 11 bis 17 Uhr seine Gartenpforte. Wir warfen vorab einen Blick in das grüne Paradies und verraten: ein Traum.

Gladbeck..  Was ist Bad Driburg gegen Bad Meingarten? Nix natürlich, denn „Bad Meingarten“ hängt als Schild am Eingang zum Ellinghorster Gartentraum von Angelika und Lothar Schulz Am Haarbach 66. Das Schild übertreibt keineswegs. Wer ihm folgt, verirrt sich in Erlebnisräumen der besonders grünen Art.

Hier wartet Angelika mit offenen Armen auf ihren Besuch, dreht sich um und weist freundlich lächelnd aufs Schild. „Man fährt doch auch gerne zur Kur, und ein Garten ist wie eine Kur.“ Ihre zahlreichen Gäste die sie gerne in ihren 350 Quadratmeter großen Garten lässt, sind jedenfalls einer Meinung: „Sie sagen, das ist ein Garten, in dem ich die Seele baumeln lassen kann.“ Dass wenige Meter auf einem Damm die viel befahrene A 2 verläuft, ändert nichts an der Idylle. „Ich bin hier groß geworden, das Rauschen stört mich nicht mehr. Ich höre nur noch die Vögel“, sagt die 57-Jährige.

Jahrelang war das Ehepaar Rasenfan. Vor 15 Jahren war Schluss mit Millimeter-Rasur und akkuratem Kanten-Abschluss. „Wir entdeckten unsere Liebe zum Garten“, sagt Lothar Schulz (63). Und wie. Getreu dem Motto „Überall wo eine Pflanze wächst, wächst kein Unkraut“, wurde gepflanzt. Aus dem Vollen. Die Belohnung folgte sofort. Angelika: „Im Garten tanke ich auf, dort entdecke ich Leben.“ Ein guter Ausgleich für beider berufliche Aktivitäten. Sie arbeitet als Altenpflegerin, er als Rechtspfleger, da kommt nach anstrengendem Tag eine grüne Oase wie gerufen.

Aber ist das denn nicht auch Arbeit? Schließlich will ein Gartenjeden Tag seinen ackernden Herrn sehen. Oder? Ach was, meint Angelika und Lothar ergänzt: „Der Spaßfaktor ist viel größer als die Arbeitsbelastung. Und wir sind täglich im Garten.“ Inspirationen holen sich die beiden auf Gartenmessen, in Gärtnereien und natürlich in anderen Gärten. „Da gibt es immer wieder etwas zu entdecken.“ Und mitzunehmen. Manche Nachbarn schauen dann bei all dem gärtnerischen Treiben schon mal skeptisch über den Zaun. „Die sagen – wir sind verrückt. Wo wollt ihr das denn noch hinpflanzen? Aber wir können nicht lassen.“

So finden Besucher denn auch geballte Blumen- und Blütenpracht in jedem Winkel und jeder Ecke. In wenigen Tagen werden sich hunderte Rosenknospen öffnen, ein Feuerwerk für den Betrachter. Mehrere Nistkästen hängen an einer seltenen Korkenzieher-Robinie. Sedum bedeckt mitgebrachtes Holz. Kräuterspiralen bieten Pflückware fürs leckere Essen und immer wieder laden unterschiedlich gestaltete Sitznischen zum Verweilen und Plaudern ein.

Feine Gartensprüchlein gehören natürlich dazu. „Liebe lässt die Schmetterlinge tanzen“ oder auch „Gärtner sterben nicht, sie geben nur die Schüppe ab“. Kleine, versteckte Teiche samt Bewohner und Wasserspiel und ein Moorbeet mit fleischfressenden Pflanzen und wilden Orchideen machen die Idylle perfekt. Zwischendrin immer wieder Fundstücke: bizarr geformte Hölzer aus dem Wald, bunte Steine von den Bergen. Ein Augenhöhepunkt folgt hier dem anderen.

Auffällig, allüberall zeigen Funkien und Hostas, eine Liebhaberei von Lothar, ihre großen und kleinen äußerst reizvollen Blätter. Angelikas Tipp: „Einfach aufs Blatt schauen und meditieren. Da vergessen Sie ganz schnell die Sorgen.“ Philosophisches wird gleich mitgeliefert. „Mit den Hostas erleben Sie den Kreislauf des Lebens. Erst blüht es, dann wird es welk. Im nächsten Jahr wächst alles noch schöner heran.“

Auch der Materialmix der Zuwegung lässt keine Langeweile aufkommen. Alle paar Meter wechseln Holz-, Kies, Naturstein-, Betonstein-Beläge oder Kies einander ab. Sie weisen dem Besucher den Weg und führen auch, in hinterster Ecke, zum Gewächshaus. Lothar öffnet die Tür. Herrlich. Die Blumen- und Blütenfreunde Schulz werden nicht darben müssen. Gurken, Tomaten, Pfirsiche, Johannisbeeren, Rhabarbar, Kartoffeln, Mangold und Zucchini reifen hier heran. Der Sommer der Genüsse kann kommen.

Offene Gartenpforte

Bei der Aktion „Gartenpforte Vest“ ( www.gartenpfortevest.de) laden Pflanzenfreunde aus unterschiedlichen Städten Interessierte in ihre grünen Oasen ein.

Angelika und Lothar Schulz empfangen am Sonntag, 14. Juni, Gäste mit offenen Armen.


Ihr idyllischer Hausgarten (Am Haarbach 68) ist von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt: ein Euro. Das Geld ist für „underdog“ (Hilfe für Tiere von obdachlosen Menschen bestimmt).