Echte Revier-Kunst
04.03.2009 | 15:23 Uhr 2009-03-04T15:23:00+0100
Nicht ganz ausverkauftes Haus, aber gut 60 Zuhörer amüsierten sich am Dienstagabend in der Stadtbücherei bei einem Chanson-Abend, der unter dem Motto „Mensch Ruhrpott” stand.
Chansonsängerin Maegie Koreen – man darf sie wohl eine „Ruhrpott-Diva” nennen, zumal sie auch das wunderschöne Lied der unvergessenen Tana Schanzara („Komma schomma nache Omma”) im Gepäck hat – ist genau die Richtige für diese eigenwillige „Ruhr-Chansonnale”. Im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr.2010 wollen im März 2010 etliche Ruhrgebietsstädte im Verbund mit ihren Partnerstädten (so auch Gladbeck und sein „Twin”-Partner Schwechat) – „die europäische Liedkultur in einem Konzertformat präsentieren”.
Im Lesecafé stand am Dienstag aber erst einmal ein echter „Pott-Pourri” auf dem Programm: Die Gelsenkirchenerin Maegie Koreen skizzierte mit leicht krawalligem Charme ein liebevolles Porträt der Menschen an Ruhr und Emscher. Da kamen unverzichtbare Legenden wie die Arbeitswelt des Bergmanns (köstlich die Würdigung der „Bergmannskuh”, die Ziege), Laubenkolonie, Taubensport aufs Tapet – kurzum allerlei Ruhrpott-Idylle zwischen Kleingarten, Kneipe und Currywurst-Stand.
Besonders eindrucksvoll: Pascal Vallée, der Peer Rabens Chanson „Eine Kindheit in Kohle und Dreck” bewegend vortrug. Auch seine eigenen Werke „Am Kaffeautomaten” und „Wat soll dat werden?” (in der Tradition und im Stil von Liedermacher Reinhard Mey) hatten den Charme jener Chansons, die gesanglich eingängig Menschliches und Allzumenschliches in eine kleine Form bringen.
Aber auch parodistisch, satirisch und sozialkritisch will das Chansons ja schließlich sein. Das beste Beispiel dafür lieferte Maegie Koreen mit Kurt Tuchocholskis „Bergmannslied”. Ebenso von beklemmender Aktualität immer noch Wolf Biermanns „Das kann doch nicht alles gewesen sein” und das „Chanson vom Geldverdienen”, das Karl Schnog in den 20-er Jahren schrieb!
Jennifer Labath gefiel mit vorgetragenen Gedichten, u. a. über „Revierträume”; und Wolfgang Sternkopf präsentierte einen mehrdeutigen „kollektiven Test”. Was Jessica Burri zu ihrer wortmächtigen Klang-Ballade über den „Emscher-Mann” und die Schöpfung des ersten Pferdes im Emscherbruch antrieb, bleibt rätselhaft. Ihre doch recht naive Gestaltung entbehrte – neben ihrem Kampf mit der Mikrofontechnik – nicht unfreiwilliger Komik. War das das „Hurz”?
Versöhnlich das Finale des musikalischen Stelldicheins: Viel Beifall bekam das Ensemble für die Beantwortung der Frage: „Was braucht'n Ruhri, um glücklich zu sein?”
Wir waren schon glücklich mit diesem Abend, der allerdings eine noch intensivere Kommunikation zwischen Publikum und Vortragenden verdient gehabt hätte!
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