Dynamische Dialoge der Jahrhunderte

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Die Reihe „Haydn im Dialog mit...“ führte die Neue Philharmonie Westfalen (NPW) zum dritten Mal in dieser Saison in die Mathias-Jakobs-Stadthalle. Am Montagabend flankiert Generalmusikdirektor Rasmus Baumann den Komponisten der Wiener Klassik mit zwei „Kollegen“ verschiedener Epochen.

Des Meisters Sinfonie Nr. 1 D-Dur eröffnet den Reigen. Die höfische Anmut des 18. Jahrhunderts zieht die knapp 200 Besucher in ihren Bann. Es ist eine unaufgeregte, aber sehr dynamische Darbietung voller Eleganz. Eine zarte Interpretation in den schreitenden Passagen des „andante“ mündet schwungvoll ins Finale: Die Bühne, oder besser der Festsaal, ist bereit für das „Konzert für Jazz-Bass und Orchester“ von Jeff Beal. Der amerikanische Komponist wurde 1963 geboren – ein musikalischer Sprung über mehr als 200 Jahre, der sich doch nahtlos einfügt.

Rasmus Baumann hat ein feines Händchen für die Auswahl der Stücke seiner „Dialog-Reihe“ – und auch für die Künstler. Solo-Bassist Heiko Pape und seine modernen Mitstreiter, Jazzpianist Donato Deliano und Percussionist Andy Pilger, setzen die beeindruckenden drei Sätze vorzüglich um. Das Werk lässt Orchester und Jazz-Trio mal verdichten, mal auseinanderdriften. Die Klänge fliehen förmlich voreinander, lassen Platz für Improvisationseinlagen, kehren dann zurück in eine dramatische Struktur. Mysteriöse Oboen-Einwürfe, das Schlagwerk mimt das Ticken einer Uhr, abrupte Endungen – keine Ruhe für Zuhörer und Musiker. Pape glänzt mit E-Bass und mit akustischem Kontrabass gleichermaßen. So rauschhaft das Rhythmusgefühl von Pilger, so diabolisch sind die „ostinati“ des Klaviers von Deliano – „Mardi Gras“ ist ein mitreißender Schlusssatz.

Nach der Pause der gekonnte Sprung zurück ins Jahr 1800 zu Ludwig van Beethovens 1. Sinfonie C-Dur. Baumann gibt witzig-charmant musikgeschichtliche Hinweise, spricht vom italienischen „Muckenhaufen“ der Uraufführung, von „dissonanten Septimen“, die die Ohren schocken, oder vom „Metronom als Folterinstrument des Musikschülers“. Seine anschließende Interpretation der Sinfonie ist der Höhepunkt des Abends. Das NPW zelebriert jeden der vier Sätze mit energischer Bravour, das feurige Finale lässt mit seinen wallenden akzentuierten Synkopen Publikum und Orchester auf einen imaginären Abgrund zusteuern. Die Spannung entlädt sich im verdienten Applaus.