Dürfen Müllwagen bald nicht mehr rückwärts fahren?

Zurzeit werden alle Straßen und Standorte, an denen ein Rückwärtsfahren unvermeidlich ist, penibel dokumentiert und ausgewertet.
Zurzeit werden alle Straßen und Standorte, an denen ein Rückwärtsfahren unvermeidlich ist, penibel dokumentiert und ausgewertet.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Kräftig mit anpacken müssten einige Bürger auch in Gladbeck bei der Abholung der Mülltonnen – wenn es nach dem Willen der Unfallversicherung geht.

Gladbeck.. Der Spitzenverband der Unfallkassen will nämlich verbieten, dass Müllwagen rückwärts fahren. Und das könnte bedeuten, dass die Müllwerker des Zentralen Betriebshofs in kleine Stichstraßen und Sackgassen ohne Wendemöglichkeit nicht mehr hineinfahren können.

Forderung nach einem "Rückfahrkataster"

ZBG-Leiter Heinrich Vollmer kennt das Thema schon länger. Für Aufregung oder gar Unruhe sorgte das Vorlegen einer Regelung für die „Branche Abfallwirtschaft“ im letzten Herbst nicht beim Betriebshof. Auch nicht, als damit die geforderte Aufstellung eines „Rückfahrkatasters“ einher ging. Vollmer: „Wir haben unmittelbar mit der Vorbereitung zur Umstellung und Anpassung der Betriebsabläufe begonnen.“

So werden zurzeit alle Straßen und Standorte, an denen ein Rückwärtsfahren unvermeidlich ist, penibel dokumentiert und ausgewertet. Die Ergebnisse fließen in ein Verzeichnis ein, das die Standorte aufzeigt, an denen auch zukünftig eine Rückwärtsfahrt möglich sein soll. Dabei werden, so die Vorgabe der Versicherung, zu jedem Standort die Daten sowie die zu treffenden Maßnahmen für eine Rückwärtsfahrt hinterlegt, erklärt Vollmer.

Gefahrloses Abholen von Abfällen

Überhaupt sieht der ZBG-Leiter beim Rückwärtsfahren nicht schwarz, spricht gar von Gelassenheit. Denn: Gemäß der neuen Branchenregelung ist nach Einhaltung gewisser Vorgaben ein Rückwärtsfahren an bestimmten Stellen weiterhin möglich. „Von einem generellen Rückwärtsfahrverbot kann daher keine Rede sein.“ Täglich werden auf Gladbecker Stadtgebiet derzeit 25 bis 30 Straßen oder Abfallbehälterstandorte rückwärts angefahren. Dies ist nötig, da unter den aktuellen Bedingungen wie Verkehrsverhältnissen oder Beschaffenheit der Abfallsammelfahrzeuge ein Vorwärtsfahren in diesen betroffenen Straßen nicht möglich ist.

Prinzipiell ist das Rückwärtsfahren schon seit 1979 verboten, der Unfallversicherer lässt jedoch unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen zu, die in Gladbeck exakt so umgesetzt würden. Bedingungen für das gefahrlose Abholen von Abfällen sind u.a. maximal Schrittgeschwindigkeit, nicht länger als 150 Meter darf die zurückgelegte Strecke sein, beidseitiger Sicherheitsabstand von 0,5 Metern, keine Behinderung des Rückspiegels durch Bäume, Äste, Strauchwerk, Hilfe durch geschulte Einweiser. Und: Das Verzeichnis, in dem die zu treffenden Maßnahmen aufgeführt sind, muss der jeweiligen Fahrzeugbesatzung zur Verfügung stehen.

Bisher gibt es keine großen Änderungen

In all den Jahren kam beim Rückwärtsfahren kein Mensch zu Schaden. Ein einziger Sachschaden ist zu beklagen – am 20. Mai 2015 beim Rangieren in einer Grundstückseinfahrt. Auch bei den aktuellen eingeforderten Überprüfungen gibt es bisher keine großen Änderungen. Vollmer: „Nur in einem Fall musste das bisherige Rückwärtsfahren sofort eingestellt werden.“ Das war ein Seitenarm der Taunusstraße, wo man „durch die Büsche fährt“.

Hier wurde eine Sammelstelle eingerichtet, wohin die Bürger nun ihre Tonnen bringen müssen. „Das ist ärgerlich, aber es geht nicht anders“, sagt der ZBG-Leiter, der davon ausgeht, dass allenfalls noch ein paar Sammelstellen hinzu kommen. „Es wird bestimmt nicht flächendeckend sein. Wir gehen davon aus, dass auch in Zukunft in den meisten Fällen ein Rückwärtsfahren möglich sein wird.“

30 Mitarbeiter sind täglich im Einsatz

In Gladbeck sind beim Zentralen Betriebshof für das Einsammeln von Restabfall, Bioabfall, Altpapier und Sperrgut täglich rund 30 Mitarbeiter im Einsatz. Das Stadtgebiet ist in fünf Bezirke aufgeteilt.

Pro Bezirk gibt es drei bis fünf Abfuhrrouten beziehungsweise -reviere pro Abfallfraktion. Ausgenommen hiervon ist der Sperrmüll. Täglich befinden sich etwa zwölf Abfallsammelfahrzeuge im Einsatz.