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Zivilcourage

Dreiste Diebin gerät an Weltmeister im Senioren-Gewichtheben

11.09.2012 | 18:58 Uhr
Dreiste Diebin gerät an Weltmeister im Senioren-Gewichtheben
Günter Wittkowski lässt keine Diebin entwischen. Foto: Heinrich Jung

Gladbeck.   Ein brutaler Raubüberfall auf eine 72-Jährige an der Sandstraße am Samstagmorgen, ein Diebstahl am Montag Mittag in einem Geschäft an der Hochstraße – und in beiden Fällen wurden die Täter durch das mutige Einschreiten von unbeteiligten Passanten dingfest gemacht. Beispiele von herausragender Zivilcourage.

Am Montag war es Günter Wittkowski, der sich einer dreisten Diebin auf ihrer Flucht aus dem Tchibo-Laden in Stadtmitte in den Weg stellte. Die Frau, eine 21-jährige Duisburgerin, hatte versucht, einer Kundin im Laden das Portemonnaie zu stehlen. Der 72-Jährige packte sie und hielt sie fest. „Ich hab’ nicht groß nachgedacht, nur sofort gehandelt“, berichtete er nachher. Die Täterin wehrte sich dermaßen dagegen, dass sie sich und den Mann bis auf die Mitte der Straße hinauszerrte.

Doch der Mann ließ nicht los – sie war zufälligerweise an genau den Richtigen geraten: Der 72-jährige Stammgast in dem Kaffeeladen ist ehemaliger dreimaliger Weltmeister im Senioren-Gewichtheben mit diversen anderen Titeln landes- und europaweit. Drei weitere Passanten, darunter eine Frau und ein Polizist in Zivil, halfen dem Mann. Zuvor war vermutlich ein Komplize an die beiden Kontrahenten herangetreten und hatte den mutigen Senior aufgefordert, die Frau loszulassen. „Dem hab’ ich gesagt, das tue ich nicht, bis die Polizei kommt.“ Die hatten andere Passanten inzwischen alarmiert.

Was war genau geschehen? Das 75-jährige Opfer, eine Frau aus Zweckel, hatte sich im Tchibo-Laden Ware angesehen, als die Diebin ihr - zunächst unbemerkt – das Portemonnaie aus der geschlossenen Handtasche stahl. „Erst im letzten Augenblick habe ich bemerkt, wie sie die Tasche öffnete und ‘festhalten’ geschrien“, erzählte die Frau hinterher sichtlich geschockt. Eine Freundin, die sie begleitete, konnte der Diebin auf den ersten Schritten ihrer Flucht das Portemonnaie wieder abnehmen. Auf dem Weg nach draußen ließ die noch eine Jacke aus der Auslage mitgehen. Dann schritt Günter Wittkowski ein . . . Die Polizei nahm die Diebin vorläufig fest und führt weitere Ermittlungen durch. Das 75-jährige Opfer des Überfalls hat Anzeige erstattet. Günter Wittkowski würde „jederzeit“ wieder so handeln. „Ich habe keine Angst, sowas kann man nicht dulden und muss dem Opfer helfen.“

Rentnerin schwer verletzt

Weniger gut ging der Raubüberfall auf eine 72-jährige Gladbeckerin aus, die am Samstagmorgen um 9.30 Uhr an der Sandstraße von einem Mann überfallen wurde. Wie bereits berichtet, wurde die Gladbeckerin schwer verletzt. Ihre Tochter, Silke Richter, schilderte gestern den Vorfall noch einmal im Detail: Der Täter habe bereits an der Bushaltestelle Europabrücke gestanden, als ihre Mutter, die mit einer Freundin mit dem Zug zum Einkaufen nach Essen fahren wollte, von der Europabrücke in Richtung Bahnhof West ging. Auf dem Weg überfiel der Mann sie und versuchte ihr die Tasche zu entreißen. Als die Seniorin sie fest hielt, stieß der Mann sie zu Boden und riss weiter an der Tasche, schleifte die Frau über den Boden. Weil sie immer noch nicht los ließ, trat er mit seinen Schuhen auf ihren Kopf ein. „Als das Nasenbein brach, ließ meine Mutter los“, sagt Silke Richter. Zu dem Zeitpunkt waren schon Passanten auf die schreienden Frauen aufmerksam geworden, riefen die Polizei. Ein Jogger reagierte spontan, rannte hinter dem Täter her, warf sich auf ihn und hielt ihn fest, bis die Beamten da waren.

Die mutige Reaktion hat die Familie beeindruckt. „Wir möchten dem Mann danken und bitten ihn, sich zu melden“, sagt die Tochter.

Maria Lüning und Georg Meinert



Kommentare
13.09.2012
09:31
Dreiste Diebin gerät an Weltmeister im Senioren-Gewichtheben
von xxyz | #10

Dann hoffen wir, dass die Richter, das Engagement fördern, indem sie insbesondere bei Mehrfachdiebstahl auch Haftstrafen verhängen.

13.09.2012
00:37
Wegseher und Bedenkenträger kommentieren und lamentieren lieber
von Meinungsbild_2100 | #9

Wie wir schön an den Kommentaren sehen können, haben wir unsere Gesellschaft bestens repräsentiert, nämlich die, die sich lieber hinter "was alles passiern könnte" verstecken.

An alle "was-alles-passiern-könnte-Kommentatoren". Ja, es ist richtig, es "kann" etwas passieren, deshalb mein Tipp, verkriecht euch am besten alle unter die Decke, denn das ganze Leben steckt voller Gefahren.

Liebe WAZ,
das ist ein richtig guter Artikel, den die Welt braucht, denn er beinhaltet HOFFNUNG.
HOFFNUNG auf MUT den unser Duckmäusergesellschaft benötigt, die lieber Zuhause in der Ecke vor dem Fernseher, dem Computer hockt und Verantwortung für andere ein Fremdwort geworden ist. JA, man riskiert auch schon einmal, dass man selbst zum Opfer wird, wenn man jemand hilft, aber wenn so Halunken einmal begriffen haben, dass eine Gesellschaft handelt statt wegsieht, dann werden solche Überfälle Seltenheitswert haben.
Irgend etwas hat Gladbeck wohl richtig gemacht. BITTE WEITER SO, ALS VORBILD FÜR ANDERE.

1 Antwort
Dreiste Diebin gerät an Weltmeister im Senioren-Gewichtheben
von meuer4 | #9-1

Ja!!!! Wir müssen wieder lernen selber Verantwortung zu übernehmen!!!!

12.09.2012
18:41
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #8

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

1 Antwort
Dreiste Diebin gerät an Weltmeister im Senioren-Gewichtheben
von OmenEstNomen | #8-1

Ich verstehe sie, leider habe ich keine andere Zeitung mit Ruhrgebietsbezug und Kommentarfunktion gefunden. Na dann alles Gute.

12.09.2012
18:22
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #7

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

2 Antworten
tattero | #7
von S04CKS | #7-1

Das habe ich mich auch schon gefragt.
Artikel, die ich nicht kommentieren und deren Kommentare ich nicht lesen darf, lese ich gar nicht mehr.

Dreiste Diebin gerät an Weltmeister im Senioren-Gewichtheben
von 1932 | #7-2

Die Frage die ich mir schon lange stelle,es ist alles sehr subjektiv,welcher Moderator gerade Dienst hat und wie groß sein Wissen ist.

12.09.2012
16:58
Dreiste Diebin gerät an Weltmeister im Senioren-Gewichtheben
von Emagic | #6

Ich glaube, das schon seit Jahren Banden gewerbsmäßig in Sachen Diebstahl in den Städten im Ruhrgebiet unterwegs sind. Die sind nicht darauf aus, Leute mit brutalster Gewalt nieder zu knüppeln und Messerstechereien zu veranstalten. Auch das Verhalten der Frau, nachdem sie ihre Beute noch im Geschäft wieder verlor, beim rauslaufen noch eine Jacke zu greifen deutet meiner Meinung nach darauf hin, das es so ist. Einfach etwas noch mitnehmen, das sich versilbern lässt. Bandenmitglieder zu verfolgen, macht Null Sinn, die fahren eh mit dem öffentlichen Nahverkehr kreuz und quer bis abends durch die Städte.
Ich wünsche der Dame, die schwer verletzt wurde gute Besserung und vollständige Genesung. Loslassen ist keine schlechte Alternative wenn unbedingt jemand die Tasche haben will und nie zuviel Bares mitnehmen, damit der Verlust nicht so riesig ist.

2 Antworten
Dreiste Diebin gerät an Weltmeister im Senioren-Gewichtheben
von bochumerjunge1965 | #6-1

Viele ältere Mitbürger/innen haben in ihrer Geldbörse neben der EC Karte auch gleich die PIN Nummer auf einem Zettel :-(

Da würde ich auch nicht loslassen ;-)

Dreiste Diebin gerät an Weltmeister im Senioren-Gewichtheben
von OmenEstNomen | #6-2

Bevor ich resigniere wähle ich NPD.

12.09.2012
14:36
Dreiste Diebin gerät an Weltmeister im Senioren-Gewichtheben
von Hightower1977 | #5

Alles richtig gemacht *aber nur weil es gut aus ging* Die Polizei sagt ja selber, Wenn man einen Diebstahl beobachtet hat, am besten den oder die Täter unauffällig folgen (wenn es die situation zulässt) und dabei die Polizei anrufen. So kann der anrufer immer sagen, wo die sich aktuell befinden!

12.09.2012
14:16
Dreiste Diebin gerät an Weltmeister im Senioren-Gewichtheben
von jonathan01 | #4

"Zuvor war vermutlich ein Komplize an die beiden Kontrahenten herangetreten und hatte den mutigen Senior aufgefordert, die Frau loszulassen. „Dem hab’ ich gesagt, das tue ich nicht, bis die Polizei kommt.“ Die hatten andere Passanten inzwischen alarmiert."
Zivilcourage schön und gut, aber...
Hätte der "Komplize" seine "Partnerin" mit Gewalt befreit, evtl. gar mit einem Messer,
was dann?
Wie urteilen dann deutsche Gerichte? Lautet es dann "Wer sich in Gefahr begibt..."

Letzendlich ist der selbstlose Helfer dann auf den Weißen Ring angewiesen.

Hier sollten unsere Politiker endlich klare Verhältnisse schaffen. Erst dann könnte man
gefahrlos helfen.

12.09.2012
13:29
Passanten zeigen in Gladbeck herausragende Zivilcourage
von Vatta | #3

ja, da kann man nur sagen: "Respekt"!! So eine Zivilcourage zu haben ist schon wirklich cool!

An die WAZ: Die Firma die Sie meinen heißt "Tchibo" und nicht "Tschibo"

1 Antwort
Passanten zeigen in Gladbeck herausragende Zivilcourage
von DerMerkerNRW | #3-1

Ja,Ja man muss der RuhrgebietsBLÖD Zeitung Helfen wo man nur kann!
Das Niveau wird immer kritischer!

12.09.2012
12:44
Bürger zeigen Zivilcourage
von captainkawa | #2

Geiles Bild! :-)

Lob und Anerkennung den mutigen Helfern!

12.09.2012
08:29
Bürger zeigen Zivilcourage/Lynchjustiz oder Erziehung?
von nur-kurz-hier | #1

Jeder, der unüberlegt, so handelt bringt sich und andere in Gefahr.

„Ich hab’ nicht groß nachgedacht, nur sofort gehandelt“ kann auch anders ausgehen.
Mancher wird hier den Beginn einer Lynchjustiz sehen aber es ist bekannt, z.B. aus der Hundeerziehung, sofortige Strafe wirkt.
Also doch lieber einen kleinen Nachschlag? Nein, das Festsetzen bis zum Eintreffen ist richtig! auch darf man die öffentlichkeit nutzen und den Täter bloßstellen. Seht an ein Dieb! Das wirkt oft Wunder! Mancher wurde dabei von anderen Opfern schon wiedererkannt, diese haben dann doch/auch Anzeige erstattet!

Also, aufgepasst und zugefasst! ABER, vorsichtig, manche diebe sind nicht allein oder bewaffnet. Findet den Mittelweg und immer L A U T werden. Öffentlichkeit ist da die beste Hilfe!

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