Doro Schwers öffnet ihren „unperfekten Garten“ für Gäste

Doro Schwers hegt und pflegt den Garten ihres Elternhauses an der Buerschen Straße in Gladbeck.
Doro Schwers hegt und pflegt den Garten ihres Elternhauses an der Buerschen Straße in Gladbeck.
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Die Gladbeckerin Doro Schwers (67) nennt ihr grünes Reich am Buerschen Wäldchen am liebsten „unperfekter Garten“. Hier herrscht gewollte Unordnung.

Gladbeck..  „Ich bin im Garten“. Von winzigen blauen Blümchen umrankt, prangt der Hinweis an der Haustür. Garten, das klingt nach Rabatten und gepflegtem Rasen. Doch wer die kleine Treppe hinuntersteigt – Warnung: Achtung, Schnecken kreuzen! –, befindet sich mitten in der prallen Natur – mit all ihrer Fülle auf 700 Quadratmetern. Büsche, Farne, Blumen, Gemüse und Kräuter: Sie alle finden Platz in Doro Schwers’ privatem Paradies am Wäldchen an der Buerschen Straße. Wie sie diese Augenweide nennt? „Die Bezeichnung ,unperfekter Garten’ ist mir am liebsten“, sagt die 67-Jährige, die vor 13 Jahren wieder in ihr Elternhaus gezogen ist.

Was andere als Unordnung em­pfinden mögen, spiegelt ihre Lebensphilosophie wider. Schwers, die sich im Hospizverein engagiert: „Es ist nichts perfekt in dieser Welt.“ Für sie ist ihr Garten „ein Erlebnis“. Und ebenso für den Gast. Da recken sich prachtvoller Fingerhut und andere blühende Pflanzen gen Himmel: „Der Rittersporn ist eine meiner Lieblingsblumen.“ Wegen der Farbe. Rosenzweige biegen sich ob ihrer üppigen Blüten. Am Fuße der Stufen, über die sich ein grünender Bogen wölbt, wiegen sich Wildblumen in der sanften Brise: Storchenschnabel, Frauenmantel und Taubenkropfblume. Eine Hummel nimmt Kurs auf eine wilde Margerite, ein Vögelchen piepst. Idylle pur.

Fuchsien, Hortensien, Ahorn – „Der stammt noch von meiner Mutter“ – Korn- und Glockenblumen, rote Christrosen, Waldmeister . . . irgendwie ist sie doch perfekt, die gewollte Wildheit. Schwers: „Ich ziehe fast alle Pflanzen selbst.“ Nein, einen grünen Daumen habe sie nicht, wehrt die einstige Filialleiterin einer Drogerie ab. Ihr Rezept: „Man muss beobachten können.“

Am Hartriegel entdeckt der scharfe Blick unter einem Blatt winzige weiße Knübbelchen. „Das ist ein Gelege“, sagt die Kennerin entspannt. Da hat ein Insekt ein Plätzchen an der Sonne für seinen Nachwuchs gefunden. „Das dürfen die Tierchen bei mir“, sagt die Gladbeckerin. Und sie erlaubt so einiges. Die Wiese wirkt wie bestickt mit Gänse- und Butterblümchen.

Was ihr nicht gefällt, sagt die Gladbeckerin ganz unverblümt: die moderne Wegwerfgesellschaft. In Gartencentern würden 1a-Pflanzen gekauft, und wenn sie dann schlapp machen, landen sie in der Tonne. „Kümmerlinge“ päppelt Doro Schwers in ihrem „Pflanzenhospital“ auf. Und sie freut sich riesig, wenn doch noch etwas daraus wird.