Diskussion im Kreis - Fracking-Gegner fordern Denkpause

Anti-Fracking-Plakat in Brünen am Niederrhein.
Anti-Fracking-Plakat in Brünen am Niederrhein.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der jüngste Gesetzentwurf aus dem Bundesumweltministerium bringt Bewegung in die Diskussion - jetzt auch im Kreishaus.

Gladbeck / Recklinghausen..  „Bekommen wir ein Verhinderungsgesetz oder ein Ermöglichungsgesetz?“ Mit dieser Frage zur umstrittenen Gasfördertechnik Fracking brachte Moderator Florian Adamek bei einer SPD-Expertenrunde im Kreishaus Recklinghausen auf den Punkt, worüber die Genossen gerade intern streiten: Bundesumweltministerin Barbara Henrdicks (SPD) will ihren umstrittenen Fracking-Gesetzentwurf am Mittwoch durchs Kabinett bringen, Politiker wie Frank Schwabe halten dagegen.

Der Recklinghäuser SPD-Bundestagsabgeordnete plädiert für - aufgeschoben ist nicht aufgehoben - eine Denkpause, einen Fracking-Stopp. „Wir brauchen jetzt ein Moratorium, das nicht durch eine wie auch immer geartete Expertenkommission durchlöchert werden darf.“ Schwabe und sein Marler Fraktionskollege Michael Groß hatten am vorigen Freitagabend Bürger ins Kreishaus eingeladen, um über den Stand der Dinge zu berichten, 100 Gäst kamen.

Der Gesetzentwurf erlaubt Probebohrungen, Experten sollen das beurteilen. Ab 2019 sollen Firmen eine kommerzielle Nutzung beantragen dürfen. Schwabe: „Auf keinen Fall darf man eine Entscheidung des demokratisch legitimierten Bundestages ersetzen.“ Immerhin, das machte er nochmals klar, stehe im Gesetz, dass es - wie bereits berichtet - „im Ruhrgebiet und im Bereich Halterner Stausee Fracking nicht geben wird“.

Am Expertentisch des SPD-Diskussionsabends saß Oliver Kalusch. Er ist Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz und Spezialist für „Hydraulic Fracturing“ - kurz: Fracking. Es geht um die Erdgasgewinnung aus unkonfessionellen Lagerstätten wie Schieferton, Kohleflötzen oder dichtem Sandstein.

Kontroverse Debatte

Über Tiefbohrungen wird das Gestein mit tausenden Kubikmetern Wasser zusammen mit Sand und Chemikalien aufgebrochen - das setzt Gas frei. Kalusch ist Gegner des Gesetzentwurfs: „Das Gesetz sendet ein Signal pro Fracking aus und ist von Grund auf falsch gestrickt. Wir brauchen einen Stopp, um zu sehen, was ist bereits wo beim Fracking passiert.“

Diskussionskontrahent war Dr. Hartmut Pick vom Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung - er skizzierte die Gefahr von Arbeitsplatzverlusten und Rückschlägen für die Industrie ohne Fracking. Franz-Gerd Hörnschemeyer vom Energie-Ressort der IGBCE-Hauptverwaltung Hannover sah vor allem Beschäftigungspotential: „Fracking alleine ist keine Löung, kann aber ein Teil sein. Vielleicht werden Risiken überbewertet, ökonomische Chancen aber nicht gesehen.“