Die Stolpersteine in Gladbeck erinnern an Schicksale

Schüler und Betreuungslehrer arbeiten gemeinsam (v.l.).: Lehrerin Renate Mohr von der Anne-Frank-Realschule, Jeremy Brosig, Reem Khalifa, Christoph Meyring und Lehrer Stephan Knipping vom Heisenberg Gymnasium
Schüler und Betreuungslehrer arbeiten gemeinsam (v.l.).: Lehrerin Renate Mohr von der Anne-Frank-Realschule, Jeremy Brosig, Reem Khalifa, Christoph Meyring und Lehrer Stephan Knipping vom Heisenberg Gymnasium
Foto: Funke Foto Services
Noch in diesem Jahr sollen weitere 20 Gedenksteine im Stadtgebiet verlegt werden. Schüler von sechs Schulen recherchieren Lebensläufe der Naziopfer.

Gladbeck..  „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ – Über 50 000 Stolpersteine, die an die von den Nazis Vertriebenen, Verfolgten und Ermordeten erinnern, hat Künstler Günter Demnig bislang verlegt.

In Gladbeck waren dies seit 2009 genau 70 Steine. Noch in 2015 soll dies zum mittlerweile vierten Mal durch das Bündnis für Courage geschehen, soll so den Opfern ihr Name, ihre Würde und ihre Geschichte zurückgegeben werden.

Mit im Boot sind wie immer Schüler von Gladbecks Schulen, die intensiv mit ihren Lehrern recherchieren, um die Schicksale der Menschen herauszufinden. Roger Kreft vom Bündnis: „Wir wollten ja gerne einen Termin im Oktober haben, aber aufgrund der Vielzahl der Termine, die Künstler Gunter Demnig hat, ist dies sehr schwierig.“ Gesetzt werde nun auf den Dezember, auch wenn noch die Künstlerzusage noch nicht da ist. Kreft zeigt sich vom Engagement der Schüler für diese wichtige Stadt-Erinnerungsarbeit schwer begeistert. „Es ist einmalig, dass Gladbeck es geschafft hat, dass so viele Schüler an der Recherchearbeit teilnehmen.“

Aber er dankt auch den Lehrkräften, denn „die Stolpersteinverlegung steht und fällt mit den Lehrern“. Sie sind es, die ihre Schüler für die Sache interessieren. Und die sind heutzutage keinesfalls schlechter als frühere Schülergenerationen, findet Kreft. Im Gegenteil: „Ich bin stolz auf unsere Jugend. Es hängt nur davon ab, wie man die begeistert.“

Worte, denen Reile Hildebrandt-Junge-Wentrup nur zustimmen kann. Sie lobt das hohe Engagement an den Schulen und sagt: „Ich bin beglückt, wie die Jugendlichen dabei sind.“ Die Pfarrerin hat in Gladbeck diese Form der Erinnerungskultur auf den Weg gebracht. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. „Es wird auch nach der vierten Steinverlegung weiter gehen.“ Denn: „Es tauchen immer wieder Namen von Opfern auf.“ Platziert werden die Steine jeweils vor dem ehemaligen Wohnort der Opfer der Nazidiktatur oder, wenn durch bauliche Überplanung der Ort nicht mehr existiert, vor der letzten Arbeitsstelle.

Bis zur nächsten Verlegung nun sind die Schüler und Lehrer gefragt, die tief in die Recherchen eintauchen und in regelmäßigem Austausch mit dem Bündnis für Courage stehen. Zudem müssen Vorschläge für den Eintrag und den Verlegeort gemacht und die Verlegungsfeierlichkeiten vorbereitet werden. Eins jedenfalls ist klar, so Hildebrandt-Junge-Wentrup: „Bis zur Verlegung sind die Recherchen fertiggestellt.“ Und sie hat schon eine Neuigkeit parat. Erste Recherchen haben ergeben, dass die Tochter des Gladbecker Naziopfers Goldenchar, die in Kanada lebt, zur Steinverlegung kommen wird. So haben die Schüler die Gelegenheit, mit einer direkten Verwandten ins Gespräch zu kommen und sich über das Schicksal des Vaters aus erster Hand zu informieren.