Die rollenden Bleistifte von Glabotki

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War das ein Start ins Jahr 1975! Kaum war die kommunale Neugliederung durchgesetzt, hieß es für die Mitarbeiter der Stadt Gladbeck schon: Ab nach Bottrop. „Als es hieß, Gladbeck und Bottrop gehen zusammen, kamen schon die Amtsleiter aus Bottrop und teilten alles auf“, erinnert sich Dorothee Scholz (66). Damals arbeitete sie im Steueramt, Abteilung Grundbesitzabgaben.

Sie kann sich noch gut an ihren ersten Arbeitstag in diesem Januar erinnern. Mit Sack und Pack zogen die damalige Beamtin und ihre Kollegen um, das neue Büro fand sich im Arbeitsamt in Bottrop. Kein schöner Arbeitsplatz, erzählt sie der WAZ. „Alles war schief, wir mussten sogar unsere Stühle festbinden, damit sie nicht wegrollten.“ Bei den Bleistiften habe das nicht geklappt, die seien regelmäßig vom Tisch gerollt. Schuld an der Schieflage im Dachgeschoss des Amtshauses seien Bergschäden gewesen, erinnert sich Dorothee Scholz.

Aber nicht nur das Büro befand sich in Schieflage. Auch die Arbeitsatmosphäre sei eher schräg gewesen. Vier Leute teilten ein einziges Büro („Vorher hatten wir drei Räume“), dazu mussten mehr als 14 000 Akten Platz finden – eine für jedes Gladbecker Grundstück. Es habe nur ein Telefon gegeben für die ganze Abteilung. „Da mussten wir Telefonate anmelden.“

Kritik an „unmöglichen Zuständen“

Anfang der 1970er Jahre gab es die ersten Computer im Steueramt. Der Rechner sei aber nicht mit umgezogen. Als Verwalterin der dazugehörigen Lochkarten (das waren die Vorgänger der Disketten, die wiederum Vorgänger von CD und DVD waren) musste Dorothee Scholz dafür Sorge tragen, dass die passenden Datenträger (45 000 Stück zählte allein ihr Bereich) bei Bedarf nach Gladbeck gelangten.

Der Zustand in Bottrop sei „unmöglich“ gewesen, sie habe sich sogar an Gewerkschaft und Arbeitsschutz gewandt – ohne Ergebnis. Zur einzigen Toilette mussten die städtischen Beamten durch das ganze Gebäude wandern – die restlichen sanitären Anlagen, erinnert sie sich, gehörten dem Land NRW, dem das Arbeitsamt zugehörig war.

Gut ein Jahr mussten Dorothee Scholz und ihre Gladbecker Kollegen in ihren schiefen Büro aushalten, bis zum erlösenden Nikolausurteil. Den Umzug zurück nach Gladbeck organisierten die Kollegen selbst. Mit Privatwagen fuhren sie alles zurück. „Dann war alles wieder gut.“

Dorothee Scholz blieb bis 1978 Beamtin bei der Stadt, dann bat sie um Entlassung. Der Grund war ein schöner: Sie wurde Mutter. Heute führt sie gemeinsam mit ihrem Mann das gleichnamige Taxiunternehmen.