„Die Nachteile überwiegen“

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Gladbeck..  Die Bürgerinitiativen gegen den Ausbau der B 224 zur A 52 haben viele Argumente gegen die Ausbaupläne, sie begrüßen aber ausdrücklich den für den 25. März anstehenden Ratsbürgerentscheid und empfehlen den Wählern eindringlich die Teilnahme – und ein Nein.

Denn nur mit genügend Nein-Stimmen könne verhindert werden, dass die Gladbecker Bürger durch viel mehr Verkehr, vor allem Lkw-Verkehr, mehr Feinstaub und Stickstoffdioxiden und mehr Lärm belastet werden. Die zu erwartenden Belastungen sind nach Meinung der Bürgerinitiativen die Gründe, sich gegen das Projekt auszusprechen.

„Wir sind dankbar für den Bürgerentscheid“, sagten Meike Maser-Plag (Bürgerforum A 52), Andreas Gastreich (Bürgerinitiative Stoppt A 52) und Dr. Martin Arnold vom Netzwerk Bürgerinitiativen, die im Gespräch mit der WAZ über ihre Argumente gegen den Ausbau und über Alternativen sprachen. Ein Nein beim Bürgerentscheid sei von großer Bedeutung für das gesamte mittlere Ruhrgebiet, meinten die drei A-52-Gegner. „Wenn Gladbeck mit Nein stimmt, dann haben wir die Chance, dass die gesamte Transitautobahn durch Gladbeck, Bottrop und Essen verhindert wird.“ Dann sei auch die Wahrscheinlichkeit groß, dass 2015 bei der Überprüfung der Bedarfsplanung durch den Bund die gesamte A 52 aus eben diesem Bedarf gestrichen werde.

„Die Nachteile überwiegen“, sagte Maser-Plag, und Andreas Gastreich nannte als gravierende Negativpunkte: Ein Riesen-Autobahnkreuz und eine Zerschneidung des Stadtgebietes jenseits des Tunnels, die größer als von vielen gedacht sei, da die Autobahntrasse doppelt so breit werde als die heutige B-224-Trasse und große Lärmschutzeinrichtungen entstünden. „Hauptknackpunkt“ werde der „riesig zunehmende Lkw-Verkehr“ sein, so Martin Arnold. Eine neue Autobahn ziehe einfach mehr Verkehr an, die A 52 vor allem als Transitstrecke auch Güterverkehre von den deutschen Häfen in den südwestlichen Wirtschaftsraum, „und das auf Kosten der gesundheitlichen Belastung in Gladbeck“.

Mehr Verkehr und eine höhere Geschwindigkeit des Verkehrs würden nicht nur in Sachen Lärm die Verminderung durch den versprochenen Flüsterasphalt aufheben, sondern erhöhten auch die Emmissionen von Feinstaub und Stickstoffdioxid, erläutert Gastreich. „Das wird mit großer Gewissheit so sein.“ Starker Lärm werde auch an den Tunnelmündern zu erwarten sein. Martin Arnold erklärte zudem, dass die versprochene Lärmminderung durch den Flüsterasphalt von -8 dB um mindestens 0,5 dB jährlich durch Abnutzung sinke. „Da wird ein falscher Eindruck erweckt, was Gladbeck zu erwarten hat.“

Die BI-Vertreter kritisierten, dass es trotz Forderung nach wie vor keine Messstelle zur Feststellung von Feinstaub in Gladbeck gebe. Denn schon jetzt würden dann wie in Gelsenkirchen und Essen bedenklich hohe Werte gemessen werden. „Es muss doch auch über die Einhaltung von Grenzwerten gesprochen und die Frage gestellt werden, was das für die Wohngebiete heißt“, argumentiert Meike Maser-Plag. Auch in dieser Hinsicht kritisieren die Vertreter der Initiativen, dass von der Stadt Informationen zurückgehalten werden, Gutachten nur nach nachhaltiger Forderung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Einig sind sich die BI-Vertreter in der Ansicht, die B 224 müsse baulich nicht verändert werden. Das würde auch bei einer generellen und erwarteten Zunahme des Güterverkehrs keineswegs eine Verschlechterung bedeuten. Die B 224 stoße bereits jetzt, was die Belastung anbelange, an ihre Kapazitätsgrenze. Gastreich: „Zusätzlicher Verkehr würde sich andere Wege suchen, um den Stau zu vermeiden.“ Statt dessen plädieren die Ausbaugegner dafür, sofort neuen und intensiveren Lärmschutz für die Bundesstraße zu planen und umzusetzen und Flüsterasphalt aufzutragen. Denkbar sei auch das Aussprechen von Lkw-Fahrverboten, wenn entsprechende Umwelt-Grenzwerte überschritten seien. Ebenso sei eine Verkehrslenkung auf die A 43 und A 2 vorstellbar, um die B 224 und Gladbeck möglichst zu umfahren, wenn der Verkehr zu dicht sei. Nicht zuletzt könnten große Kreisverkehre, etwa an der Schützenstraße, den Verkehr auf der B224 flüssiger machen.

Ein „Nein“ wäre für das gesamte Ruhrgebiet entscheidend und ein Signal für den Start zu einer anderen Verkehrspolitik, so Dr. Arnold. Die Entscheidungen für die Bundesverkehrspolitik würden zwar in Berlin getroffen, doch mit der Kritik daran müsse man „doch irgendwo, also hier vor Ort anfangen“, so Andreas Gastreich.