Gladbeck

„Die Kitas brauchen personelle Entlastung“

Einrichtungsleiterin Ursula Bach (r.) am Gruppentisch der U3-Kinder im Gespräch mit ihren Kolleginnen Sabrina Stenzel und Julia Kretschmer (l.).
Einrichtungsleiterin Ursula Bach (r.) am Gruppentisch der U3-Kinder im Gespräch mit ihren Kolleginnen Sabrina Stenzel und Julia Kretschmer (l.).
Foto: Funke Foto Services
Ursula Bach (62) leitet die städtische Kindertageseinrichtung Hermannstraße. Sie erzählt, warum die Erzieher für bessere Arbeitsbedingungen streiken.

Gladbeck.  . Am Freitag bleiben wie schon am Montag die Pforten der elf städtischen Kitas geschlossen, 645 Kinder sind betroffen. Die Gladbecker Angestellten beteiligen sich am landesweiten Kampf um bessere Arbeitsbedingungen vor der dritten Verhandlungsrunde mit den Arbeitgebern. Warum es notwendig ist, dass gestreikt wird, erklärt Ursula Bach, Leiterin der Kita Hermannstraße: „Das Arbeitsumfeld und die Anforderungen an die Erzieher haben sich rasant verändert. Die Tätigkeitstabelle ist aber seit 25 Jahren dieselbe geblieben. Die Kita-Teams brauchen dringend personelle Entlastung und eine Bezahlung, die widerspiegelt, was sie täglich leisten.“

Seit 40 Jahren ist die 62-Jährige als Erzieherin tätig. Sie wehrt sich entschieden gegen „das Bild der Kindergärtnerin als Basteltante, die Osterkörbchen zusammenklebt, dann in der Sonne sitzt, Kaffee trinkt und den Kindern beim Spielen zusieht“. Die Wirklichkeit sei nämlich eine andere. „Wir sind Fachkräfte für frühkindliche Bildung und Erziehung, die die Entwicklung jedes Kindes dokumentieren, zielgenau fördern und zudem mit Schulen, Ämtern, Beratungsstellen und Fördereinrichtungen vernetzt sind.“

Umfangreiches Schriftwerk sei die Folge, so dass auch ihre Bürotätigkeit von einst 24 auf mittlerweile 36 Wochenstunden angewachsen sei. Arbeiten, die man früher wie weitere vorbereitende Tätigkeiten gut in der „kinderfreien“ Mittagszeit erledigen konnte, als die Betreuung von 8 bis 12 Uhr und 14 bis 16 Uhr erfolgte. Diesen Freiraum gebe es jetzt nicht mehr. „Die Kinder kommen am Morgen und gehen am Nachmittag mit uns.“ Schriftkram erledigen die Gruppenleiterinnen so nebenbei inmitten der Kinder. Denkbar anstrengend, nicht nur wenn es eine U3-Gruppe mit den Kleinsten im Alter ab vier Monaten ist, die noch mehr Aufmerksamkeit brauchen und Zuneigung suchen.

„Wir wünschen uns mehr Personal, um Abwesenheiten durch Krankheit, Freizeit oder Schulungen besser auffangen zu können“, sagt Erzieherin Sabrina Stenzel (25). Denn sei man statt Doppelbesetzung alleine in der Gruppe, gehe das – wenn man sich vorstelle, dass zehn Kinder auch gewickelt werden müssen – „stark auf die Knochen“.

Sie wünsche sich eine Dreierbesetzung pro Gruppe, sagt Leiterin Bach. Für die klamme Kommune sei das aber sicher kaum zu machen. „Hier ist das Land gefordert, mit Finanzhilfe zu belegen, was Erziehung und Bildung wert sind.“ Das Erziehergehalt müsse dem der Grundschullehrer angeglichen werden. Jobstarterin Alina Dahlhaus (23) erhält 1600 Euro netto. „Wenn man davon Wohnung, Auto und Lebensunterhalt bestreiten muss, wird es am Monatsende schon eng.“