Die Gymnasien - die neuen Haupt-Schulen?
17.11.2009 | 15:01 Uhr 2009-11-17T15:01:00+0100
„Die neue Haupt-Schule” – diese Überschrift wählte das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel” in der vorigen Woche für seine Titelgeschichte zum Thema Gymnasien. Die neue Haupt-Schule? Die WAZ sprach mit Schulleiter Manfred Lauffs vom Ratsgymnasium über die Perspektiven gymnasialer Bildung in Gladbeck.
Fast 39 Prozent aller Grundschüler in Nordrhein-Westfalen wechseln nach der 4. Klasse zu einem Gymnasium; in Gladbeck sind es derzeit immerhin rund 31 Prozent. Zu den vier Hauptschulen gingen dagegen zum vorigen Schuljahrsstart nur noch acht Prozent der Gladbecker Viertklässler.
Das Interview zur Gymnasialzukunft
WAZ: Herr Lauffs, sind die Gymnasien tatsächlich die neuen Haupt-Schulen?
Manfred Lauffs: Diese Bindestrich-Überschrift ist ein Wortspiel, das ich sehr zwiespältig sehe. Einerseits stimmt es ja: Die Gymnasien sind mittlerweile tatsächlich die beliebteste Schulform im Land, andererseits trifft diese Überschrift überhaupt nicht zu, denn es kann ja nun keineswegs darum gehen, die Gymnasien zu den neuen Hauptschulen zu machen.
WAZ: Das Ratsgymnasium steht in Gladbeck in besonderer Weise für schulische Tradition und gymnasiale Bildung – ist dieser Anspruch im Jahr 2009 überhaupt noch zu halten?
Lauffs: Ein modernes Gymnasium sollte einerseits den Leistungsansprüchen gymnasialer Bildung gerecht werden, andererseits aber auch die gezielte, individuelle Förderung ins Blickfeld rücken. Wenn die nötige Intelligenz und der nötige Fleiß vorhanden sind, sollte jede(r) die Möglichkeit erhalten, das Abitur erfolgreich abzulegen. Das ist die Aufgabe, der wir uns zu stellen haben.
WAZ: Vor allem in den ideologiegeprägten Debatten der 60-er und 70-er Jahre stand das Gymnasium für verkrustete Schulstrukturen und bürgerliche Besitzstandswahrung.
Lauffs: Ich möchte auf keinen Fall noch einmal die erbitterten Diskussionen der 70-er Jahre mit ihrer oft unsachlichen Kritik an den Gymnasien führen. Ich glaube, das sehen auch viele Schulleiter und Eltern genauso. Die ursprüngliche Gymnasialidee des preußischen Bildungsreformers Wilhelm von Humboldt hat ja ein durchaus emanzipatorisches Ziel: Jede(r) Begabte soll die Chance umfassender Bildung erhalten, unabhängig von der sozialen Herkunft. So soll Leistung möglich werden. Heutzutage muss es darum gehen, die einzelnen Schulstandorte aller Schulformen zu stärken, vor allem durch eine möglichst gute personelle und sachliche Ausstattung.
WAZ: Individuelle Förderung - was heißt das konkret im Schulalltag?
Lauffs: Hier lässt sich eine lange Liste aufmachen: Erst einmal gibt es spezielle Förderstunden. Zum Plenums-Unterricht sind zudem längst auch an den Gymnasien neue Lernformen wie Gruppen- und Projektarbeit, Stationen-Lernen und „Lernen durch Lehren” hinzugekommen. Zudem gibt es vielfältige Angebote wie etwa an unserer Schule den Theaterkreis, die Jazzband oder den musisch-kulturellen Zweig. Als erstes der drei Gladbecker Gymnasien haben wir jetzt die neue NRW-Qualitätsanalyse durchlaufen; ein vierköpfiges Schulinspektoren-Team hat sich bei uns überall umgesehen und Gespräche geführt. In den meisten Kategorien haben wir die positiven Bewertungen „vorbildlich” oder „eher stark als schwach” erhalten. Ich gehe davon aus, dass das Ergebnis bei den anderen Gladbecker Gymnasien ähnlich ausfallen wird. Das alles zeigt meiner Meinung nach, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
21:32
hab mein abitur am ratsgym gemacht und bin froh, dass ich dort nicht mehr sein muss.. hat wirklich keinen spaß gemacht bei der personellen ausstattung
21:24
furchtbarer laden das rats, leider :-
16:32
jo das stimmt aber mal soo krass o.o
19:40
...vor allem durch eine möglichst gute personelle und sachliche Ausstattung.
darf ich mal ganz genüsslich lachen, zumindest ersteres ist mit ausreichend menschenverstand nicht zu unterstützen