Di Fabios Plädoyer prägt den Sommerempfang im Luther Forum

Festredner beim Sommerempfang 2015 in Luther Forum: Prof. Udo Di Fabio.
Festredner beim Sommerempfang 2015 in Luther Forum: Prof. Udo Di Fabio.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Sommerempfang im Luther Forum - pünktlich zu diesem Anlass heiterte sich das Wetter auf und die Gäste strömten an die Bülser Straße.

Gladbeck..  Der diesjährige Festvortrag beim Sommerempfang des Martin Luther Forums entpuppte sich als intellektuelle Gratwanderung zwischen Verfassungsrecht und Gesellschaftsphilosophie.

Die Rede von Prof. Dr. Udo Di Fabio verlangte am Mittwochabend die volle Aufmerksamkeit des Publikums, als der Richter des Bundesverfassungsgerichts a. D. zum Thema „Die Zukunft der Glaubensfreiheit“ sprach.

Vom Kopftuchverbot bis zur Beschneidung - zahlreich sind die religiös geprägten Streitthemen, die in den vergangenen Jahren für vehemente Kontroversen in der Gesellschaft gesorgt haben. Udo Di Fabio skizzierte mit vielen Details die verfassungsrechtliche Situation in der Bundesrepublik und unterstrich: „Das Grundgesetz geht von einer Trennung von Staat und Religion aus. Der Staat soll in weltanschaulichen Angelegenheiten neutral sein.“

Dabei handele es sich allerdings um eine „wohlwollende Neutralität“ - deshalb fördere der Staat grundsätzlich das religiöse Bekenntnis der Menschen; allerdings nur dann, wenn sie „ein Minimum an Toleranz“ Andersgläubigen gegenüber zeigten.

Christlich und pluralistisch

Di Fabio ließ keinen Zweifel daran, dass ein solches, von Toleranz geprägtes Zusammenleben in einer zunehmend säkularisierten und fragmentierten Gesellschaft auf der Grundlage des Grundgesetzes möglich ist. Zugleich forderte er alle Menschen christlichen Glaubens zu verstärktem Engagement für ihren Glauben und ihre Religion auf: „Unsere Gesellschaft muss sich ändern. Wenn sie wieder christlicher wird, dann kann sie auch pluraler werden“, rief der Ex-Bundesverfassungsrichter den zahlreich erschienenen Zuhörern im großen Saal des Luther Forums zu. Langer Applaus belohnte den facettenreichen Vortrag des Juristen.

Weitere rhetorische und musikalische Programmpunkte prägten den Sommerempfang an der Bülser Straße: „Die Gedanken sind frei“ sang Mezzosopranistin Friederike Lechert; atmosphärisch dichte und teils jazzige Saxophon-Klänge servierte die vierköpfige Frauenformation „Blasfemin“.

Lob fürs Luther Forum von der RVR-Chefin

Zur Begrüßung richtete auch RVR-Direktorin Karola Geiß-Netthöfel, Mitglied im Beirat des Luther Forums, Worte ans Publikum. Die RVR-Chefin appellierte: „Wir müssen immer wieder das Thema Integration neu denken.“ Das Ruhrgebiet mit seiner langen Einwanderungsgeschichte zeige, wie das Zusammenleben und Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Religionen gelingen könne. Gerade die christlichen Kirchen stünden für eine Willkommenskultur, die erst eine freie, pluralistische Gesellschaft möglich mache. Und das Luther Forum, so das Lob der RVR-Chefin, stehe für einen beispielhaften gesellschaftlichen Dialog.

Bis in den späteren, tatsächlich sommerlichen Abend hinein nutzten die Gäste des Empfangs die Gelegenheit zu Gedankenaustausch und gutem Gespräch.