Devise: Augen zu und durch?

Der Muezzin-Ruf vom Minarett der Ditib-Moschee sorgt weiter für Diskussionen – und die Gemeinde an der Wielandstraße trägt selbst dazu bei. Man hat den Eindruck, jetzt gilt die Devise: Augen zu und durch, irgendwann redet keiner mehr darüber. Dabei war ja einer der Hauptkritikpunkte nach der Bekanntgabe nicht der Ruf an sich, dessen Rechtmäßigkeit unstrittig ist, sondern vor allem der fehlende Dialog im Vorfeld und die mangelnde Information. Das hätte eine Debatte sicher nicht verhindert, aber es hätte die Bereitschaft gezeigt, sich der Diskussion zu stellen und für Verständnis zu werben. Diese Chance hat die Moscheegemeinde verpasst, aber auch die Stadtspitze, die beratend zur Seite stand. Die Einladung zum Dialog an Anwohner, nun im Nachhinein, erscheint unglaubwürdig. Dieses Verhalten ist ebenso wenig förderlich für die erwünschte Akzeptanz wie die Tatsache, dass noch am Donnerstag mitgeteilt wurde, der öffentliche Gebetsruf verzögere sich wegen technischer Probleme – Freitag funktioniert plötzlich alles. So lässt sich die Debatte sicher nicht beenden.