Der Interkulturelle Friedenstag in Gladbeck fällt 2015 aus

Dem Interkulturellen Friedenstag im Stadtteilarpk Butendorf droht das Aus.
Dem Interkulturellen Friedenstag im Stadtteilarpk Butendorf droht das Aus.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Seit 2002 haben Christen und Muslime den Interkulturellen Friedenstag im Stadtteilpark Butendorf vorbereitet und gefeiert. Jetzt fällt die Veranstaltung aus.

Gladbeck.. Es war ein starkes Zeichen für das Miteinander der Kulturen und Religionen: Nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 beteten Christen und Muslime in der Lambertikirche gemeinsam für den Frieden. Aus dieser Reaktion auf den Schock entwickelte sich, initiiert von Petra Appelhoff, der damaligen Leiterin des Stadtteilbüros Butendorf, der Interkulturelle Friedenstag, der seit 2002 einmal im Jahr im Stadtteilpark gefeiert wird. Dem Organisationsteam gehörten Mitglieder der christlichen Kirchen, verschiedener Moscheevereine, von Schulen und Kindertagesstätten aus dem Stadtteil an.

In diesem Jahr wird der Interkulturelle Friedenstag nicht stattfinden – als Konsequenz aus dem nachlassenden Interesse der Moscheevereine. Zum zweiten Treffen zur Vorbereitung der Veranstaltung war von muslimischer Seite niemand mehr gekommen.

In einem offenen Brief nehmen christliche Mitglieder des Organisationsteams zu dieser Entwicklung Stellung. In dem von Bernhard Tobias, Ruth Scheller, Christian Ahlbach, Müzeyyen Dreessen, Birgit Krenz-Kaynak, Hannelore Gibas, Ursula und Rolf Esser, Christa Schniering und Erika Laudenbach unterzeichneten Schreiben heißt es u. a.: „Nachdem in den ersten Jahren alle Moscheevereine, Butendorfer Schulen und Kindertagesstätten und kirchliche Gemeinden gemeinsam mit großem Interesse das Programm gestalteten, ließ in den letzten Jahren das Interesse der Moscheevereine immer weiter nach. Manche Vereine wollten nicht mit bestimmten Vereinen eine solche Veranstaltung vorbereiten und durchführen oder nicht mehr aus Anlass des 11. September 2001 zusammenkommen. Es wurde immer wieder diskutiert und in den letzten drei Jahren war es ein „Interkultureller Friedenstag“ für den Frieden in Gladbeck. Der Zusammenhang zum 11. September wurde aufgehoben und jedes Jahr ein neues Motto gefunden. Trotz der Änderungen nahm die Teilnahmebereitschaft der Moscheevereine weiter ab. Wir bedauern sehr, dass die Veranstaltung in diesem Jahr nicht stattfinden wird.“

„Verbindendes Zeichen“

Die Unterzeichner des offenen Briefes erinnern an den Anfang im Jahr 2001: „In jener angespannten Lage war man froh, miteinander im Dialog zu stehen, sich zu kennen und Vertrauen zueinander gewonnen zu haben. Dieses ermutigte dazu, sich in gemeinsamen Veranstaltungen um ein besseres Verständnis füreinander zu bemühen; denn für ein friedliches Miteinander der Kulturen und Religionen ist ein regelmäßiges Zusammenkommen für die Stadtgesellschaft ein hoffnungsvolles und verbindendes Zeichen.“ Die Verfasser des offenen Briefes greifen auch den Muezzinruf der Ditib-Gemeinde auf. Sie bedauern, dass im Vorfeld kein Gespräch gesucht wurde. Dadurch sei Vertrauen beschädigt und Skepsis aufgebaut worden: „Der Arbeitskreis hätte unterstützend zu einer einvernehmlichen Lösung beitragen können.“

Für den Herbst ist ein Runder Tisch geplant

Trotz ihrer Enttäuschung wollen sich die Verfasser des offenen Briefes weiter um Gemeinsamkeit bemühen: „Es reicht nicht, dem entgangenen Dialog oder dem Wegfall dieses Festes nachzutrauern und weiter nichts zu tun. Wir leben weiterhin zusammen in einer Stadt; wir brauchen unbedingt den Dialog, wenn wir nicht in beziehungslose, ja gegensätzliche Lager zerfallen, nicht nur über einander, sondern miteinander reden wollen. Darum werden die Unterzeichner dieses Schreibens alle, die am Friedenstag beteiligt waren, sowie alle, die am Zusammenhalt der Stadtgesellschaft interessiert sind, im Herbst zu einem Runden Tisch einladen und gemeinsam Möglichkeiten des Gesprächs und der Zusammenarbeit erörtern.“

Bürgermeister Ulrich Roland, regelmäßiger Besucher des Interkulturellen Friedenstages und immer um das gute Miteinander in der Stadt bemüht, äußerte sich nicht zum möglichen Ende der Veranstaltung. Stadtsprecher Peter Breßer-Barnebeck erklärte auf WAZ-Anfrage, man habe schon in den vergangenen Jahren ein sinkendes Interesse am Friedenstag beobachtet. Nicht nur Moscheevereine, auch Schulen und Kindergärten hätten sich zurückgezogen, und die Besucherzahlen seien ebenfalls rückläufig. „Dass Muslime kein Interesse am Dialog und an Gemeinsamkeit haben, können wir nicht bestätigen. Unsere Erfahrungen sind völlig andere.“