Der Gebetsruf einmal in der Woche reicht

Das „intransparente Vorgehen“ von Moscheegemeinde und Stadt bei der Planung des künftigen Muezzinrufes hält die CDU-Ratsfrau und langjährige Mitinitiatorin von interreligiösen Gesprächen, Müzeyyen Dreessen, für „nicht vernünftig“.

Das Zusammenleben könne nur funktionieren, „wenn wir auf gegenseitige Empfindlichkeiten Rücksicht nehmen“, schreibt sie. „Es wäre klug gewesen, wenn man die Nachbarschaft, die Akteure im Stadtteil, in der Dialogarbeit und die Kirchen in den Prozess eingebunden hätte, damit das Anliegen breiter getragen wird. Denn ich glaube, dass unsere Stadtgesellschaft sich inzwischen in ihrer Anerkennung und ihrem Respekt gegenüber anderen Kulturen und Religionen längst bewährt hat.“ Es gebe seit Jahrzehnten viele Akteure, die „Wächter des Zusammenlebens“ seien. Aber sie müssten auch stets in solche Prozesse eingebunden werden. Dreessen: „Sie stellen weder die Religionsfreiheit in Frage noch kritisieren sie die Gemeinde oder den Gebetsruf, sondern die Vorgehensweise.“ Sie deswegen als intolerant zu bezeichnen, zeuge von Unwissenheit über den wichtigsten Faktor, der den sozialen Frieden der Gesellschaft in Vielfalt ausmache, nämlich der Dialog miteinander.

Sie persönlich halte einen täglichen Gebetsruf nicht für klug. Es würde einmal in der Woche, zum Hauptgebetstag der Muslime, freitagmittags, und vielleicht zu den beiden großen Festen, Ramazan und Opferfest, „völlig ausreichen“. So werde es andernorts praktiziert.

Dreessen: „Wenn wir als Muslime zu Recht Religionsfreiheit einfordern, sollten wir uns in unserem Einflussbereich auch um die Religionsfreiheit der Minderheiten in unseren Herkunftsländern einsetzen. Ich denke, dass das zur Glaubwürdigkeit beitragen und der Islamfeindlichkeit vorbeugen würde.“