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Bildungsstreik

Der Frust im Klassenzimmer

17.06.2009 | 07:00 Uhr

Eigentlich wollten sie ihrem Ärger Luft machen. Doch die Angst vor Sanktionen fesselt viele Gladbecker Schüler ans Schulpult.

Sie wollen, aber sie dürfen nicht. Während Erzieher und Sozialarbeiter in den vergangenen Wochen streikend auf die Straße gingen, staut sich in vielen Klassenzimmern der Frust. Ein Frust, dem hunderte Heisenberg-Schüler heute Luft machen wollten – so war es geplant.

„Wir haben unsere Streikaktion abgeblasen.” Die Enttäuschung ist Lennart Krotzek anzumerken. Zu große Klassen, zu wenig Lehrer und dann auch noch das „Turboabi” – die Missstände sprudeln nur so aus dem Mund des Schülervertreters. Gestreikt wird dennoch nicht: „Die rechtliche Grundlage fehlt.”

Und so sei die Furcht vor Sanktionen bei vielen Schülern groß. „Unentschuldigte Fehlstunden auf dem Zeugnis – das kommt bei Bewerbungen nicht gut”, erklärt der 15-Jährige. „Außerdem haben wir erfahren, dass streikende Schüler nicht versichert sind. Das kann teuer werden . . .”

Es sind vor allem die überfüllten Klassenräume, die Lennart und Co. das Lernen schwer machen. „Wir sind 32 Schüler in meiner Klasse – da ist es schwer, einen sinnvollen Unterricht zu gestalten.”

Stephan Schröder, stellvertretender Leiter am Heisenberg-Gymnasium, teilt den Schülerfrust: „Eigentlich kommen von Lehrerseite die gleichen Beschwerden”, räumt er ein. „Es gibt einfach nicht genug Lehrer auf dem Markt.”

Dennoch: Ein Streik sei der falsche Weg. „Die Schüler schneiden sich ins eigene Fleisch, denn sie verpassen den Unterricht – aber ich kann sie verstehen. Schließlich bin ich als Student selbst auf die Straße gegangen . . .”

„Streiks sind ein wichtiges Element unserer Demokratie”, meint auch Friederike Holländer, Leiterin der Anne Frank-Schule. „Ich finde es wichtig, den Schülern klarzumachen, dass sie gemeinsam etwas bewegen können.” Mit einer Entschuldigung der Eltern sei eine Streikteilnahme aus ihrer Sicht daher kein Problem. Im Gegenteil: „Eine Lehrerin unserer Schule fährt heute mit ihrer Klasse zur Streikaktion nach Dortmund – eine Unterrichtsstunde in angewandter Demokratie.”

Grund zum Streiken haben die Schüler des Ratsgymnasiums laut Schulleiter Manfred Lauffs dagegen nicht – eine Erlaubnis erst recht nicht. „Wer heute nicht zur Schule kommt, wird die Konsequenzen tragen müssen”, betont er. „Entweder die unentschuldigten Fehlstunden werden auf dem Zeugnis vermerkt oder es gibt einen Tadel – mal schauen. Schüler genießen nun einmal kein Streikrecht.” Auch seien Kopfnoten, Lehrermangel und große Klassen am Ratsgymnasium kein Thema: „Unsere Schüler haben daher gar kein Interesse an einem Streik.”

Anders die Heisenberg-Gymnasiasten: „Wir werden die Aktion im kommenden Schuljahr nachholen”, verspricht Lennart. „Die Gespräche mit dem DGB und anderen Gladbecker Schülervertretern laufen bereits.” Geplant sei eine große Veranstaltung mit vielen Rednern und Musikgruppen – schließlich darf Streiken auch Spaß machen.

Anne Wiegel

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Kommentare
19.06.2009
15:55
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #6

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.06.2009
22:41
Der Frust im Klassenzimmer
von auchschülerhabenrechte | #5

Ist dieser Schulleiter weltfremd ?
Unglaublich, aber für ÖFF ÖFF und einen mediengerechten Auftritt reicht die Zeit und der Unterricht bleibt auf der Strecke.
http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/gladbeck/2009/3/12/news-114216411/detail.html

17.06.2009
15:59
Der Frust im Klassenzimmer
von Buergeransichten | #4

Glüchwunsch Herr Lauffs,
zu solch sorgenfreien Schülern. Ihre Aussagen sind an Betriebsblindheit, Unsolidarität und Arroganz kaum zu toppen. Rückwärts- Abwärts mit dem mündigen Schüler. Aus den schlechten Anmeldezahlen vom Vorjahr nichts gelernt. Weiter so.

17.06.2009
09:23
Der Frust im Klassenzimmer
von aufmerksamerbuerger | #3

Da sieht man doch warum das Rats seinen guten Ruf immer mehr einbüßt. Mit so einem Schulleiter geht die Schule kaputt. Herr Lauffs sollte lieber mal eine ruhigere Kugel schieben. Nur weil er als BEAMTER kein Streikrecht besitzt, hat er noch lange nicht zu bestimmen was die Schülerinnen und Schülern machen. Was hält er denn von einer Demo gegen seine Schulpolitik? Genau solche Ignoranten sind es, die dem Lehrerberuf sein schlechtes Bild geben. Schämen Sie sich Herr LAuffs.

17.06.2009
09:00
Der Frust im Klassenzimmer
von Kritiker | #2

Lieber Herr Lauffs, in welcher Idylle leben Sie denn.
Alles Friede, Freude, Eierkuchen an Ihrer Schule?
Das glauben Sie doch selber nicht.
Keine zu großen Klassen? Kein Lehrermangel?
Keine unzufriedene Schüler/Innen? usw...
Anstatt den Schülern/Innen zur Seite zu stehen, verpassen Sie Ihnen mit Ihrer Äußerung einen Maulkorb.

17.06.2009
08:34
Der Frust im Klassenzimmer
von Kritiker | #1

Lieber Herr Lauffs, in welcher Idylle leben Sie denn.
Alles Friede, Freude, Eierkuchen an Ihrer Schule? Das glauben Sie doch selber nicht.
Keine großen Klassen? Alle Schüler zufrieden? Kein Lehrermangel? usw....
Anstatt mit den Schüler/Innen an einem Strang zu ziehen, verpassen Sie Ihnen einen Maulkorb.
So ist es nun mal an einen Elitegymnasium

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