Den Menschen ganzheitlich sehen
03.02.2012 | 18:14 Uhr 2012-02-03T18:14:00+0100
Gladbeck.Wenn Predrag Antunovic von „Pflege“ spricht, dann meint er viel mehr als waschen, Zähne putzen, kämmen, viel mehr auch als Tabletten stellen oder Wundbehandlung – und mit dieser Einstellung passt der neue Leiter der Ambulanten Dienste des Caritasverbandes perfekt in das Team im Johannes-van-Acken-Haus. Dort ist man seit Jahren dabei, ein dichtes Netzwerk aufzubauen, das Pflegebedürftige und deren Angehörige gleichermaßen im Blick hat.
Medizinstudium endete im Bürgerkrieg
Predrag Antunovic stammt aus Bosnien. Der heute 39-Jährige studierte in Sarajevo Medizin, aber als der Bürgerkrieg ausbrach, war schnell Schluss mit dem Studium. Er wurde als Sanitäter einberufen, machte eine Ausbildung zum examinierten Krankenpfleger und nutzte 1995 die Chance, mit Hilfe der Caritas-Flüchtlingshilfe über die zentrale Arbeitskräftevermittlung mit Frau und Kind nach Deutschland zu kommen. Nach einem Jahr als Pflegehelfer und einer Prüfung wurde sein in Bosnien erworbenes Diplom anerkannt. 15 Jahre arbeitete er in der ambulanten, später in der stationären Pflege. Im Sommer 2011 kam er ins Johannes-van-Acken-Haus. Im Laufe der Jahre hat Antunovic zusätzliche Qualifikationen erworben und im Qualitätsmanagement und als Pflegedienstleiter und hat die IHK-Prüfung zum Fachwirt im Sozialwesen abgelegt.
All das kommt ihm in seiner neuen Funktion zugute, denn – bei allem Bemühen um ganzheitliche Pflege und Betreuung, bei aller christlichen Motivation auch – der Caritasverband ist, wie jeder andere Dienstleister in dieser Branche, ein Wirtschaftsunternehmen. In die Zuständigkeit des neuen Leiters der Ambulanten Dienste mit knapp 40 Mitarbeitern und zehn bis zwölf Ehrenamtlern fallen neben vielen anderen Aufgaben die Beratungen über alle Möglichkeiten, die der Caritasverband bietet, damit Menschen so lange es eben geht, zu Hause bleiben können.
Ein Aspekt rückt in der letzten Zeit dabei immer mehr in den Fokus: die Betreuung, die unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse bezahlt wird. „Menschen, die sich nicht helfen können, brauchen mehr als die übliche Pflege“, weiß Antunovic: Gespräche, Begleitung zum Arzt und einen strukturierten Tag zum Beispiel. „Und pflegende Angehörige brauchen Entlastung“, ergänzt seine Kollegin Gabriele Holtkamp-Buchholz, als Leiterin Soziales quasi die Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Pflege im Haus. Unter „Betreuung“ siedelt sie z. B. auch den Gesprächskreis für pflegende Angehörige an, ein noch relativ junges Angebot des Caritasverbandes: Während die Pflegenden sich unter fachkundiger Leitung austauschen können, kümmern sich Mitarbeiter und Ehrenamtliche um die dementen Angehörigen.
Offener Mittagstisch und Ausflüge
„Den Menschen ganzheitlich zu sehen – das ist unser Leitgedanke seit Jahren“, beschreibt Gabriele Holtkamp-Buchholz die Philosophie. Kontakte zu Senioren knüpft das Team zum Beispiel beim offenen Mittagstisch im van-Acken-Haus oder bei Ausflügen, an denen jeder teilnehmen kann. Im Bedarfsfall sind die Caritas-Fachleute dann in der Regel auch die Ansprechpartner für ambulante Pflege, für Tages- oder Kurzzeitpflege – und wenn eines Tages doch nur noch die stationäre Einrichtung bleibt, fällt dieser Schritt den meisten dann gar nicht mehr so schwer.
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