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Berufsausbildung

Das Phänomen der Ausbildungslücke

30.09.2011 | 07:00 Uhr
Das Phänomen der Ausbildungslücke

Gladbeck. Am heutigen 30. September endet für die Agentur für Arbeit das Ausbildungsjahr, und wie immer haben bei weitem nicht alle Entlassschüler eine Lehrstelle gefunden – aber auch nicht alle ausbildungswilligen Betriebe einen Lehrling.

Dieses Phänomen gibt es seit Jahren und zumindest die Fachwelt wundert es nicht. Luidger Wolterhoff, Leiter der Arbeitsagentur Gelsenkirchen, kennt einige der Gründe dafür. Zum einen sind viele Berufsbilder nicht bekannt oder haben ein falsches Image. „Die Unternehmen müssen noch mehr für ihren Arbeitsbereich werben, das könnte Abhilfe schaffen.“ Und Aufklärung über die tatsächlichen Inhalte der Tätigkeit würde dazu so manche Fehlentscheidung verhindern. Ein Beispiel: Die bei Jugendlichen stark nachgefragte Ausbildung zum Tischler kann bedeuten, dass sie statt origineller Möbel Fenster in Serie bauen müssen und schnell gefrustet sind.

Ein zweites Hemmnis sind aber auch die unterschiedlichen Voraussetzungen und Erwartungen auf beiden Seiten. In allen Ausbildungsberufen sind die Anforderungen gestiegen – viele Jugendlichen bringen jedoch nicht die nötigen Kenntnisse mit. Die Arbeitsagentur unterstützt hier zwar mit ausbildungsbegleitenden Hilfen, „aber auch die Unternehmen könnten ergänzende Angebote machen“, so Wolterhoff. Beispiel KFZ-Mechatroniker, Traumberuf vieler Jungs. Wenn die Leidenschaft groß, die Mathekenntnisse aber nicht gut genug sind, ließe sich mit der richtigen Unterstützung eine prima Fachkraft ausbilden.

Natürlich sollte auch die Schule besser auf das Berufsleben vorbereiten, das ist für Wolterhoff keine Frage. Er entlässt aber auch die Eltern nicht aus der Pflicht. „Sie müssen sich mehr kümmern“, ist seine Überzeugung. Dritter Faktor ist aber auch ein eigener Beitrag: Die Berufswahlorientierung müsse noch besser werden und wohl früher beginnen, so Wolterhoff. Zurzeit werden Schüler der 7. Klasse erstmals mit dem Berufsthema konfrontiert – „wir müssten vielleicht schon im Grundschulalter beginnen“.

Ein Phänomen kann allerdings auch der Arbeitsmarkt-Experte nicht wirklich erklären. Trotz der vielen Angebote zu Berufsorientierung und -wahl berichten Arbeitgeber oft von erschreckender Unkenntnis der Bewerber über den Beruf, für den sie sich vorstellen. „Es gibt trotz der vielen Informationen eine große Orientierungslosigkeit. Die Kenntnisse werden nicht genutzt“, stellt Wolterhoff fest. Diese Orientierungslosigkeit drücke sich im übrigen auch im Verhalten der Bewerber aus, die eine Zusage für eine Stelle bekommen, aber noch ein, zwei andere Eisen im Feuer haben. Oft, so klagen auch Arbeitgeber, sagen sie lange schon zugesagte Stellen sehr kurzfristig ab. Weil sie doch noch etwas Besseres gefunden haben.

Wer jetzt übrigens noch gar keine Lehrstelle gefunden hat, weicht in der Regel auf einen weiteren Schulbesuch aus. „Mehr Bildung ist gut“, sagt Luidger Wolterhoff, einfach nur „mehr Schule bringt nicht viel“.

Maria Lüning

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