Das Mittelalter neu geformt
13.07.2007 | 15:17 Uhr 2007-07-13T15:17:53+0200Zwei Gladbecker Keramik-Künstler lassen das 13. Jahrhundert auf ihrer Drehscheibe neu entstehen.Für ein Luxemburger Museum produzieren sie Nachbildungen von ausgegrabenen Gebrauchsgegenständen
Die Geschichte ist ein Puzzle. Archäologen wissen das besonders gut. Aus den Bruchstücken der Vergangenheit müssen sie ihr Wissen über zurückliegende Zeiten zusammen setzen. Welch eine akribisch genaue Arbeit damit verbunden ist, das erfahren in diesen Tagen auch die beiden Gladbecker Künstler Elke Strietzel und Udo Nentwig.
In ihrem Kunst- und Keramikatelier am Rande des Wittringer Waldes holen sie die Geschichte zurück in die Gegenwart. Unter ihren Händen nimmt das späte Mittelalter erneut Gestalt an. Im Auftrag eines Luxemburger Bauernmuseums fertigen Strietzel und Nentwig detailgetreue Nachbildungen keramischer Gebrauchsgegenstände aus dem 13. und 14. Jahrhundert an.
Die Krüge, Schüsseln und Tiegel entstehen exakt nach den historischen Vorbilden, wie sie Archäologen in einem Luxemburger Ausgrabungsprojekt gefunden haben. Die Tonarbeiten, so vermuten die Wissenschaftler, entstammen höchstwahrscheinlich einer mittelalterlichen Eisenhütte.
Zunächst vor dem geistigen Auge und dann auf der Drehscheibe müssen die Gladbecker Künstler die erhaltenen Bruchstücke und Scherben zu einem neuen alten Keramikgefäß kombinieren. "Das hat mit künstlerischer Kreativität ausnahmsweise nicht viel zu tun", weiß Udo Nentwig, der zurzeit an einer großen Vase arbeitet und dafür eine spezielle Ton-Sand-Mischung der damaligen Zeit verwendet.
Auf bunte Glasuren und feine Verzierungen müssen die Gladbecker deshalb verzichten. Jede kleine Rille, jede noch so unscheinbare Verformung soll den historischen Originalen entsprechen. Das erfordert viel Zeit und noch mehr Geduld. Doch der Aufwand wird sich lohnen.
Die Einzelstücke sollen bald in Vitrinen die Museumsbesucher plastisch über die typische Lebensweise im Mittelalter informieren.
Vorher können interessierte Gladbecker im Wittringer Kunstatelier den spannenden Entstehungsprozess der Repliken hautnah miterleben (Näheres hierzu in unserem Infokasten). In einer Sache halten sich die Gladbecker Keramik-Künstler allerdings nicht an die historischen Gegebenheiten. "Die Originalgefäße aus der Zeit waren oft nicht dicht, unsere Nachbildungen dagegen schon", erklärt Elke Strietzel. Auslaufende Krüge gehörten zum mittelalterlichen Alltag. Und sind wahrscheinlich auch der Grund dafür, warum die alten Rittersleut' damals an der Speisetafel so schnell trinken mussten.
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