Gladbeck

„Darum macht der Blitzmarathon Sinn“

Polizeihauptkommissar Rüdiger Kümmel hat auf der Wiesmannstraße in Brauck beim Blitzmarathon die Autos im Visier seiner Laserpistole.
Polizeihauptkommissar Rüdiger Kümmel hat auf der Wiesmannstraße in Brauck beim Blitzmarathon die Autos im Visier seiner Laserpistole.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Leitender Hauptkommissar sagt, die Verkehrssicherheit sei ein nicht selbstverständliches Gut, das stetig in die Köpfe der Bürger geholt werden müsse.

Gladbeck.  . „Eine schwachsinnige Aktion, reine Geldabzocke“, meint der 30-jährige – der im schnittigen schwarzen Mercedes unangeschnallt unterwegs ist – zum achten, dieses Mal europaweiten Blitzmarathon der Polizei. Kein Wunder, kurz vor der Stadtgrenze in Brauck auf der Wiesmannstraße hat ihn die Polizei herausgewunken. Mit 77 km/h bei erlaubtem Tempo 50 geblitzt, sind jetzt eine Anzeige und 80 Euro fällig. Dass einige Autofahrer wenig Nutzen in der Schwerpunktaktion sehen, sie gar als „lediglich medienwirksame Werbeaktion der Polizei“ oder „unsinnigen Einsatz von Beamten, die wichtigere Dinge tun könnten“ beschimpfen, ist für Hauptkommissar Siegfried Jarzombek nichts Neues. Der Leiter des Verkehrsdienstes Gladbeck ist ganz anderer Meinung: „Der Blitzmarathon macht auf jeden Fall Sinn.“

Warum, das erklärt er neben den emsig an der Laserpistole messenden Kollegen im Straßenrand-Gespräch mit der WAZ.

Verkehrssicherheit ist ein hohes Gut

„Die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen wird von den Bürgern als selbstverständlich vorausgesetzt. Dass sie aber ein hohes Gut ist, für dessen Erhaltung immer wieder gemeinsame Anstrengungen nötig sind, das kann durch den medienwirksamen Blitzmarathon und die verstärkte Polizeipräsenz auf den Straßen wieder deutlicher in die Köpfe der Menschen hineingeholt werden“, so Jarzombek.

Zudem habe die Polizei bei ihren Kontrollen nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch das weitere Verhalten der Verkehrsteilnehmer im Blick. Dass der Gurt nicht angelegt werde, sei inzwischen kaum mehr ein Thema, „das kommt bei hundert Fahrern nur noch einmal vor“. Ganz anders sehe es bei einer nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken Ablenkung aus,:dem Handy bzw. multimedialen Smartphone. „Deren Zahl hat sich innerhalb der letzten fünf Jahre von 6,3 auf 41 Millionen deutschlandweit fast versiebenfacht.“ Mit dem Problem, dass auch am Steuer während der Fahrt telefoniert werde oder Daten übermittelt würden. „Bei Tempo 50 bedeutet jeder Blick aufs Handy einen gefährlichen Blindflug von fast 30 Metern Länge.“

Zudem hätten Vergleiche ergeben, „dass jedes Telefonat am Steuer den abgelenkten Fahrer so in seinen Reaktionen einschränkt, als ob er 0,8 Promille Alkohol im Blut hätte.“ Das Tippen einer Nachricht entspreche sogar 1,1 Promille.

Schon ist wieder ein Doppelpiepser von der Laserpistole, die akustische Meldung für überhöhte Geschwindigkeit, zu hören, die wechselweise von Oberkommissarin Isabel Ukartz und Hauptkommissar Rüdiger Kümmel bedient wird. Mit Tempo 70 hat es eine 27-Jährige erwischt, die ihre 35-Euro-Buße sofort zähneknirschend via EC-Karte zahlt.

Fünf Minuten später blitzt es bei einer 47-jährigen Fahrerin. die ihrer Freundin nur einen Gefallen tun und deren Sohn schnell (65 km/h) von der Schule abholen wollte.

Zum ersten Mal im Leben sei sie geblitzt worden, erzählt sie reumütig beim Zahlen ihrer 20-Euro-Buße. Und: „Ich finde es echt sinnvoll, dass die Polizei diese Aktion durchführt.“ Ein Lob, das den heute sonst zumeist wenig beliebten Ordnungshütern sichtlich gut tut.