Da läuft etwas in die falsche Richtung

Was passiert da eigentlich gerade in unserer Stadt, in der das Miteinander der Kulturen angeblich so gut funktioniert?

Da kündigt die Ditib-Gemeinde urplötzlich ihren täglichen Muezzin-Ruf vom Minarett der Moschee an der Wielandstraße an, ohne auch nur den Versuch unternommen zu haben, vorher mit den Nachbarn oder den anderen Religionsgemeinschaften ins Gespräch zu kommen. Und jetzt ist auch der Interkulturelle Friedenstag Geschichte.

Dieses Friedensgebet im Stadtteilpark Butendorf, entstanden nach den Anschlägen des 11. September 2001, war eine der wenigen konkreten Gelegenheiten echter Gemeinsamkeit. Im Organisationsteam saßen Christen und Muslime regelmäßig an einem Tisch und haben sich ernsthaft und intensiv ausgetauscht. Da sind über Jahre Vertrauen und Respekt gewachsen.

Das Aus für den Friedenstag ist ein Rückschlag. Der offene Brief, in dem Mitglieder des Organisationsteams das Ende allein dem Desinteresse der Moscheevereine zuschreiben, greift allerdings zu kurz. Zur Wahrheit gehört auch: Im Laufe der Jahre haben sich auch Butendorfer Schulen und Kindertagesstätten zurückgezogen.

Wer immer noch so tut, als gäbe es in dieser Stadt ein funktionierendes Miteinander der Kulturen, der verschließt die Augen vor der Realität. Es gibt bestenfalls ein gleichgültiges Nebeneinander. Manche sehen sogar eine deutliche Tendenz in Richtung Parallel-Gesellschaften.

Es ist gut und wichtig, dass christliche Mitglieder des Organisationsteams den abgerissenen Gesprächsfaden wieder aufnehmen und im Herbst zu einem Runden Tisch einladen wollen. Eine solche Initiative auch von muslimischer Seite wäre wünschenswert. Vielleicht hat sich eine Veranstaltung wie der Interkulturelle Friedenstag ja einfach überlebt – aber dann müssen neue Formen des Miteinanders gefunden werden.