Charlie Hebdo - ein Thema für den Unterricht in Gladbeck

Solidaritäts-Kundgebungen für Frankreich gab es weltweit am Wochenende - hier eine Demonstration in Atlanta, Georgia (USA).
Solidaritäts-Kundgebungen für Frankreich gab es weltweit am Wochenende - hier eine Demonstration in Atlanta, Georgia (USA).
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Das Attentat von Paris hat weltweite Reaktionen ausgelöst - und beschäftigt auch junge Leute intensiv. Die WAZ sprach mit Schulleiter Gerd Weggel.

Gladbeck.. Mehr als 3,7 Millionen Menschen gingen am Wochenende allein in Frankreich auf die Straße, um für die Freiheit zu demonstrieren. Die bewegenden Bilder und Nachrichten aus dem Nachbarland und der westlichen Welt sind derzeit auch ein wichtiges Thema unter jungen Menschen. Die WAZ sprach mit Schulleiter Gerd Weggel von der Erich-Kästner-Realschule.

Herr Weggel, sind die Ereignisse in Frankreich, die Attentate auf die Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ und den jüdischen Supermarkt, sowie die darauf folgenden Demonstrationen für die Meinungsfreiheit ein Thema in Ihrer Schule?

Weggel: Natürlich. Und es wäre geradezu absurd, wenn das anders wäre. Die Schule als ein Ort der Demokratie und Toleranz muss sich auch eines solchen Themas annehmen. Und unser Kollegium tut das.

Sind die dramatischen Geschehnisse in Frankreich nicht auch eine gute Gelegenheit, den Schülerinnen und Schülern den Wert einer pluralistischen Gesellschaft zu vermitteln?

Ja. Und wir versuchen, genau dies fächerübergreifend zu leisten. Unser Namensgeber, der Schriftsteller Erich Kästner, zählte im Jahr 1933 schließlich zu jenen Autoren, deren Bücher von den Nazis verbrannt wurden. Kästner erlebte das sogar persönlich mit.

Wie kann eine solche Vermittlung geleistet werden?

Im Kunstunterricht haben wir uns zum Beispiel gerade erst wieder Kunstwerke von Schülerinnen und Schülern zum Thema Rede- und Meinungsfreiheit angesehen. Da gibt es zum Beispiel ein überaus gelungenes Schülerkunstwerk mit dem Titel „Fahrenheit 451“, benannt nach einem Film des französischen Regisseurs Francois Truffaut aus dem Jahr 1966, in dem es darum geht, dass Bücher verboten und verbrannt werden, weil sie angeblich das Glück der Menschen stören. Andere Schülerkunstwerke zeigen eingesperrte Bücher hinter Stacheldraht. Unsere Schüler haben sich also auch schon vor dem Paris-Attentat mit dem Wert von Rede- und Meinungsfreiheit befasst.

Könnte es Lehrer geben, die das Paris-Attentat im Unterricht lieber nicht ansprechen - etwa aus Angst vor Konflikten mit Schülern aus Migrantenfamilien?

Das kann ich für unseren Standort ausschließen. Ich wehre mich auch strikt gegen die ständige Quotierung in Migranten- und Nicht-Migranten. Hier geht es um jeden Einzelnen als Persönlichkeit. Wir fördern eine Haltung und einen fairen Umgang an der Schule, die Lehrern und Schülern solche Konfliktängste nehmen. Noch einmal: Es wäre absurd, wenn das Attentat von Paris und seine Folgen nicht ein Unterrichtsthema wären.