Gladbeck

Chance in Sachen Hertie-Haus wurde vertan

Die Innenstadt vom Sparkassenturm an der Friedrichstraße in Gladbeck am Freitag den 08. August 2014 gesehen: Hertie Kaufhaus mit Parkhaus. Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool
Die Innenstadt vom Sparkassenturm an der Friedrichstraße in Gladbeck am Freitag den 08. August 2014 gesehen: Hertie Kaufhaus mit Parkhaus. Foto: Michael Korte / WAZ FotoPool
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Anlieger wundern sich, warum keiner der langjährigen Kauf-Interessenten ein Gebot bei der Zwangsversteigerung abgegeben hat.

Gladbeck.  . Warum hat keiner der Kauf-Interessenten, die seit geraumer Zeit auch mit der Wirtschaftsförderung der Stadt in Kontakt sind, bei der Zwangsversteigerung ein Gebot für das mit 4,5 Millione Euro veranschlagte Ex-Hertie-Kaufhaus abgegeben? „Es war kein ernsthafter Interessent im Saal, da klar war, dass es an diesem Termin nicht zur Versteigerung kommt“, erklärt Peter Breßer-Barnebeck auf Anfrage der WAZ. Ein taktisches Verhalten, das aber offenbar ohne Effekt blieb, da überhaupt kein Gebot erfolgte. Somit wurde die Chance vertan, dass in einem Folgetermin die Mindestgebotsgrenzen – ganz klar im Sinne der Kaufinteressenten selbst – fallen.

Veto ist nur einmal möglich

Die fehlenden Interssenten wunderten auch Stephan Overlack im Zuschauerraum, dessen Familie ein Hertie-Nachbarhaus an der Hochstraße besitzt. Umso mehr, nachdem die zuständige Rechtspflegerin am Amtsgericht Gladbeck, Melanie Schmitz, erklärte, welche Regelungen für eine Zwangsversteigerung gelten. Auf Anfrage der WAZ ging die Expertin konkreter ins Detail: „Es ist richtig, dass beim ersten Verhandlungstermin ein Hauptgläubiger die Möglichkeit zum Veto hat, wenn das Gebot geringer ist als 70 Prozent des veranschlagten Verkehrswertes.“ Ein Veto, dem stattgegeben würde, das aber nur einmal möglich sei. Das Gericht würde in einem solchen Falle von Amtswegen einen Folgetermin zur Zwangsversteigerung ansetzen, „wo dann automatisch keine Mindestgebotsgrenzen mehr gelten“.

Stephan Overlack erhielt auf Anfrage eine weitere interessante Information von der Rechtspflegerin. Nämlich, dass zum aktuellen Auftakttermin, trotz noch geltender Mindestgebotsgrenze von 2,25 Millionen (50 % des Verkehrswertes), ein Minigebot gereicht hätte, um das Verfahren voranzutreiben. „Die veranschlagten Gerichtskosten, im Fall des Hertie-Hauses rund 40 000 Euro, reichen als zu akzeptierendes Minimalgebot aus.“ Ein Zuschlag würde freilich nicht erfolgen, so Melanie Schmitz. Damit wäre aber der Weg frei gemacht, dass im Folgetermin die Mindestgebotsgrenze fällt. Overlack: „Aus diesem Grund überlegt meine Familie jetzt stark, ein solches Gebot beim nächsten Hertie-Zwangsversteigerungstermin abzugeben. Es ist nämlich im Interesse von uns Anliegern, das endlich Bewegung in das sich seit Jahren dahinziehende Verfahren kommt“.

Der Immobilienmitbesitzer war zum Zwangsversteigerungstermin anwesend, da er selbst mit weiteren Anliegern einen Antrag gestellt hatte. „Dass auch bei einem Zuschlag unser bisheriges Wegerecht für die Zufahrt von der Lambertistraße in den Hertie-Hinterhof erhalten bleibt, da sonst die rückwärtige Warenbelieferung für die Ladengeschäfte nicht möglich ist.“ Das wurde ihm von der Rechtspflegerin bereits zugesichert.