CDU-Spitze richtet offenen Appell an die Moscheegemeinde

Die Moschee in Butendorf, neben dem Ex-Möbelparadies.
Die Moschee in Butendorf, neben dem Ex-Möbelparadies.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Fraktionschef Rademacher und Stadtverbandschef Enxing äußern in Appell an die Moscheegemeinde auch scharfe Kritik am Bürgermeister.

Gladbeck..  Die CDU übt in einem „offenen Appell“ an die Ditib-Gemeinde mit Blick auf den Muezzin-Ruf in Butendorf massive Kritik am Vorgehen von Bürgermeister Ulrich Roland (SPD).

„Die Bereitschaft der Stadtspitze, ohne öffentliche Beteiligung von geübten Grundsätzen abzuweichen und unnötige Brüskierungen der Gladbecker Öffentlichkeit hinzunehmen, hat uns und viele andere schon sehr verwundert. Denn auch über schwierige Fragen kann es mit Hilfe eines sorgfältig und sachverständig durchgeführten Dialogs zu einem Konsens kommen“, formulieren Fraktionschef Peter Rademacher und Stadtverbandschef Christian Enxing.

Der seit Wochen geäußerte Widerstand von Bürgern sei nicht per se als Mangel an Respekt vor dem Islam oder als unzureichendes Verständnis von Religionsfreiheit zu verstehen, er liege vielmehr in Überfremdungsängsten begründet.

Die Union erinnert an den Beginn des Moschee-Baus an der Wielandstraße. Die Erlaubnis für den Moscheebau sei seinerzeit nach einer langen Wartezeit unter einem CDU-Bürgermeister erteilt worden. Rademacher und Enxing unterstreichen: „Die Muslime brauchen ein repräsentatives Gebetshaus. ,Wenn es Probleme gibt, müssen wir diese gemeinsam lösen’, waren die Worte von Bürgermeister Schwerhoff 1995.“ Er habe den Prozess selbst moderiert und begleitet und die Sorgen der Nachbarschaft ernst genommen.

„Seinerzeit viel Vertrauensarbeit geleistet“

Weil die Moscheegemeinde öffentlich und auch gegenüber dem Bürgermeister erklärt habe, dass sie auf den Gebetsruf verzichten werde, seien damals die Widerstände gegenüber dem Moscheebauvorhaben besänftigt worden. Die Union: „Es ist Ihnen als Moschee-Gemeinde hoch anzurechnen, dass sie damals viel Vertrauensarbeit geleistet haben. Innerhalb der Moschee haben Sie schon immer zum Gebet gerufen, aber auch vom Minarett wurde Ihnen der Gebetsruf ohne Lautsprecher an besonderen Festtagen erlaubt.“

Die Unions-Spitze unterstreicht, dass in der Bundesrepublik die Religionsfreiheit verfassungsmäßig geschützt sei. Dieses Recht sei jedoch im Verhältnis zu anderen, ihm entgegenstehenden Rechten zu einem angemessenen Ausgleich zu bringen. Auch die christlichen Kirchen hätten sich im Hinblick auf das Glockengeläut gegenüber Nicht-Christen zur Rücksichtnahme bereitfinden müssen. Die Religionsgemeinschaften müssten laut Grundgesetz die Verkündigung so praktizieren, dass sie niemandem gegen seinen Willen aufgezwungen werde.

Die CDU: „Wir hätten uns eine einvernehmliche Lösung gewünscht. Es ist sehr schade, dass diese Chance nicht genutzt und dadurch viel Vertrauen zerstört wurde.“

In einer aktuellen Reaktion auf den am Freitag überraschend bereits erfolgten Muezzin-Ruf ergänzt Peter Rademacher: „Das ist nicht förderlich für die Akzeptanz, die fehlende Dialogbereitschaft ist sehr befremdlich.“