„CDU hat sich nicht zu weit zur politischen Mitte geöffnet“

Der Gladbecker CDU-Fraktionschef Peter Rademacher.
Der Gladbecker CDU-Fraktionschef Peter Rademacher.
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Was wir bereits wissen
Die harte Kritik von Ex-Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Kurs von Kanzlerin Merkel sorgt für Aufsehen. Was sagt die Gladbecker CDU-Spitze?

Gladbeck..  Hat sich die CDU zu weit zur politischen Mitte hin geöffnet? Nach der deutlichen Kritik von Ex-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am politischen Kurs von Kanzlerin Angela Merkel („Merkel für Pegida mitverantwortlich“) prägt diese Frage derzeit bundesweit die innerparteiliche Diskussion in der Union.

„Ich glaube nicht, dass sich die CDU in den letzten Jahren zu weit zur Mitte hin bewegt hat“, sagte der Gladbecker CDU-Parteichef Christian Enxing am Montag auf WAZ-Anfrage. Die CDU müsse als Volkspartei mit den fortlaufenden Veränderungen in einer offenen Gesellschaft Schritt halten - und das hervorragende Bundestags-Wahlergebnis vom September 2013 zeige, dass dieser Kurs von Erfolg gekrönt sei und honoriert werde.

Enxing unterstreicht zugleich, dass es aus seiner Sicht gelte, auch im lokalen Umfeld sowohl das klassische CDU-Wählerklientel als auch neue, weiter links stehende Wählergruppen anzusprechen. Die CDU müsse etwa für die Menschen aus traditionellem und kirchlichem Umfeld genauso wählbar sein wie für junge Leute aus einem urban geprägten Milieu, in dem neue Lebensmodelle praktiziert würden. Enxing weist auch den Vorwurf zurück, dass Kanzlerin Merkel für das Entstehen der Pegida-Bewegung mitverantwortlich sei: „Bei Pegida sind aus meiner Sicht viele Leute mit einem recht schlichten Weltbild dabei. Oftmals sind das Menschen, die schlecht informiert sind und die vielleicht auch gar nicht besser informiert werden wollen.“

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In Gladbeck und in der Region, so Enxing weiter, gelingt es der CDU aus seiner Sicht gut, sowohl traditionelle Milieus als auch neue Wählergruppen anzusprechen. Das zeige etwa die erfolgreiche Arbeit der CDU-Mittelstandsvereinigung mit ihren zahlreichen Kontakten zu Unternehmern. Zugleich räumt Enxing aber ein, dass es immer schwerer werde, gerade junge Leute langfristig für die Parteiarbeit zu interessieren und in feste Parteistrukturen einzubinden: „Da müssen wir noch besser werden.“

Ist Merkel für Pegida mitverantwortlich, weil sie die CDU zu weit nach links geöffnet hat? Auch der Gladbecker CDU-Fraktionschef Peter Rademacher verteidigt grundsätzlich den Kurs von Merkel, da es Aufgabe einer Volkspartei sei, möglichst viele Teile der Gesellschaft an sich zu binden. Mit Pegida müsse sich nicht nur die CDU, sondern die gesamte Parteienlandschaft ernsthaft auseinandersetzen, ergänzt Rademacher, der vermutet, dass es auch in Gladbeck eine beträchtliche Anzahl von Menschen gibt, die mit Pegida-Positionen sympathisieren.