Casting - Wer betritt die Bühne neben dem Reformator Luther?

Casting im Luther Forum - hier spricht Hauptdarsteller Dominik Hertrich (li.) die Gegenrolle für Kandidat Klaus-Dieter Salinga (re.),
Casting im Luther Forum - hier spricht Hauptdarsteller Dominik Hertrich (li.) die Gegenrolle für Kandidat Klaus-Dieter Salinga (re.),
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Kandidatenvorstellung an der Bülser Straße - Sprech- und Komparsenrollen für das „Luther“-Stück sind mit Laiendarstellern zu besetzen.

Gladbeck..  Wer sich ein Stück der Gladbecker Theatergruppe „glassbooth“ anschaut, der weiß in der Regel, was er bekommt. Oftmals geht es in den Stücken von Regisseur Jens Dornheim provokant zu, ein Hauch Fremdschämen ebenso wie eine oftms maßlose Überspitzung sind mit dabei.

Doch diesmal – im Stück „Luther“ – soll es ein wenig anders werden. Das verspricht der Gladbecker „seinen Schauspielern“, die am Samstag für das Stück des Dramatikers John Osborne gecastet wurden. Und wo hätte dies für das Stück besser sein können als an der Bülser Straße – eben im Luther Forum.

Es ist eine Art Experiment, das Jens Dornheim wagt. Das offene Casting, das der in der heimischen Kulturszene bekannte Regisseur zum ersten Mal für eine eigene Inszenierung organisiert, stellt den Regisseur vor eine Handvoll Hürden. Welche „Schauspieler“ kommen zu ihm? Bringen Sie Erfahrung mit? Möchten sie eine Sprech- oder eine Komparsenrolle? Und was ist eigentlich das Reizvolle daran, mit unbekannten Schauspielern zu arbeiten?

„Vermutlich bedeutet es ein wenig mehr Arbeit. Es wird eine Herausforderung“, so Dornheim, der jedoch gleichzeitig sagt: „Ich möchte dies unbedingt ausprobieren. Laien sind oftmals einfacher im Umgang, doch es ist auch schwerer, einen bestimmten Ausdruck ‚reinzubekommen’“.

Glänzender Auftritt vor der Jury

Vor dem Tisch stellen sich die Rollen-Anwärter den kritischen Augen und Ohren des Regisseurs und der Dramaturgin Tanja Brügger (42). „Sie sind der Papst. Sie sind die Nummer eins“, gibt Brügger Klaus-Dieter Salinga (64) mit auf den Weg. „Es war nicht unangenehm vorzusprechen. Die Rolle reizt mich sehr“, so der Gladbecker. Hier und da gibt es nach dem ersten Lauf ein paar Ratschläge. Brügger: „Bauen Sie Zäsuren ein. Als würden sie nach Wörtern ringen. Ungeduldig und weltmännisch soll es klingen.“ An all das zu denken ist beim ersten Lesen des Textes gar nicht so einfach. Doch Salinga glänzt nun vor der kritischen Jury. Mal schauen, ob es mit der Rolle klappt.

Fest steht, dass Dominik Hertrich (35) die Hauptrolle des Reformators übernimmt. Hertrich arbeitete schon bei den Inszenierungen von „Das Produkt“ und „Container Love“ mit Dornheim zusammen. Hat er sich mit der Rolle schon angefreundet? „Ob Luther mein Freund wird, weiß ich nicht“, so sein erster Kommentar. Hertrich schildert die Herausforderung so: „Zu begreifen, wie ein Mönch im 16. Jahrhundert denkt, fasziniert mich. Es gilt, seine Gedankenwelt, seine innere Zerrissenheit zu verstehen.“

Während im Luther Forum das Casting läuft, macht sich Dornheim schon über das „Gesamtpaket“ seine Gedanken. Wie könnte die Bühne aussehen? Welche Probleme birgt der große Saal? Auch hierfür gab es beim Casting schon gute Ideen und viele Helfer: Die Gladbecker Malerin Susanne Schalz wird das Ensemble beim Bühnenbild unterstützen. In Danny Tristan-Bombosch wurde ein junger Mann für die Musik gefunden.