Caritas richtet Blick in die Zukunft

Wachsende Armut, zunehmende Vereinsamung und der Umgang mit Zuwanderung: 100 Experten berieten in Bochum über die Zukunft der Caritasarbeit im Bistum Essen. Unter dem Titel „Caritas unplugged“ stand das Verhältnis des katholischen Wohlfahrtsverbandes zur Kirche im Zentrum.

Der Münsteraner Domkapitular Dr. Klaus Winterkamp brachte es auf den Punkt. „Um gesellschaftliches Mitspracherecht zu behalten, braucht die Kirche institutionalisierte und professionelle Träger sozialer Arbeit. „In vielen Bistümern findet derzeit eine solche Neufindung von Kirche und ihrer Caritas statt“, so Winterkamp, der Caritas und Kirche vor den gleichen Zukunftsentwicklungen sieht. „Wir werden kleiner, vielfältiger und flexibler“, prognostiziert er. „Die Caritas wird sich noch lokaler, dezentraler und vernetzter mit den Pfarrei- und Gemeindestrukturen aufstellen müssen.“ Der Religionssoziologe Professor Dr. Hermann Steinkamp beklagte eine fehlerhafte Arbeitsteilung zwischen Gemeinden und Caritasverbänden. „Wenn der Gottesdienst ausfällt, kommt Panik auf. Wenn eine Gemeinde nicht diakonisch wirkt, fällt das kaum auf“, konstatierte er.

Steinkamp sieht die Caritas künftig nicht mehr nur als Träger von Einrichtungen wie Altenheimen, Kindergärten oder Krankenhäusern. „Caritas muss Betroffene mehr zur Selbstorganisation und Selbsthilfe befähigen und Hilfsangebote vernetzen“, argumentierte er.

„Wir müssen noch stärker in den Stadtteilen denken und handeln, lokal ansprechbar bleiben – eben nah am Menschen“, sagte Diözesan-Caritasdirektor Andreas Meiwes in der Podiumsdiskussion. Gleichzeitig stehe man vor der Herausforderung, in größeren Räumen denken und Strukturen anpassen zu müssen. „Beides müssen wir zusammen bekommen“, so Meiwes mit Blick auf die angekündigten Kürzungen der Kirchensteuerzuweisungen für die Caritas.