Bundesverdienstkreuz für Dieter Thierse

Dieter Thierse (86) erzählt von seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten mit seiner Ehefrau Josefine für seinen Geburtsort Neisse in Oberschlesien.
Dieter Thierse (86) erzählt von seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten mit seiner Ehefrau Josefine für seinen Geburtsort Neisse in Oberschlesien.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Dieter Thierse engagiert sich auf vielen Feldern ehrenamtlich. Am Donnerstag, 12. Februar, erhält er das Bundesverdienstkreuz.

Gladbeck..  Oberschlesien, Neisse – das war, das ist sein Heimatort, der Ort, in dem immer noch sein Elternhaus steht. Bewohnt von Polen, die ihn heute mit offenen Armen und freundlich aufnehmen. „Gerade im Alter erinnert man sich stark an die Heimat.“ Dies sagt Dieter Thierse, der sich seit Jahrzehnten auf vielen Feldern ehrenamtlich engagiert. Heute erhält der 86-Jährige aus den Händen von Landrat Cay Süberkrüb im Kreishaus das Bundesverdienstkreuz.

Seit dem Beginn seines Unruhestandes im Jahr 1990 engagierte sich der pensionierte Bergbauingenieur auf vielfältige Weise für Projekte in Neisse, in Indien und legte zusammen mit Rolfroderich Nemitz ein umfangreiches Buch über Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, vor. Nemitz, ein Geschäftspartner von Thierse und ebenfalls aus Schlesien stammend, hatte über Jahre Barbara-Figuren gesammelt. „Er fragte mich, ob ich die Texte dazu schreiben würde.“

Das Leben der Barbara rekonstruiert

Thierse dachte sich warum nicht und nahm Abschied von der Technik, dem Bereich, der bislang sein Leben ausfüllte. Bis zur Fertigstellung sollte es knapp fünf Jahre dauern. „Dabei dachte ich, es wäre in einem Jahr geschafft.“ Der Versuch, das Leben der Barabara zu rekonstruieren, war ein voller Erfolg. Heraus kam ein Standardwerk mit rund 250 Abbildungen auf ebensovielen Seiten, die den „Weg einer Heiligen durch die Zeit“ zeigen, wobei die älteste Abbildung der Barbara, ein italienisches Fresko, von 705 n. Ch. stammt.

Große Unterstützung fand und findet er bei all seinen Aktivitäten von seiner Frau Josefine (82), mit der er seit 56 Jahren verheiratet ist. Für sie ist es selbstverständlich, ihren Mann auch auf seinen Reisen ins ehemals deutsche Neisse (heute Polen) zu begleiten. Hier wurde er mit einer Stadtplakette geehrt, setzte er sich doch für den Ausbau der Schatzkammer im Glockenturm der dortigen St. Jakobuskirche ein.

Durch die Präsentation der wertvollen Schätze, die die Kriegswirren überstanden hatten, weil sie hinter dem Altar vom damaligen letzten deutschen Pfarrer, Prälat Dr. Wawra, rechtzeitig eingemauert wurden, wird nun dauerhaft Zeugnis vom kunstvollen Schaffen deutscher Gold- und Silberschmiede früherer Jahrhunderte in Neisse abgelegt.
Rund 230 000 Euro brachten Sponsoren, Organisationen und Stiftungen für die Ausstellung auf. Durchaus auch gegen internen Widerstand. Thierse: „Das war damals nicht gerade selbstverständlich, dass man den Polen ein Geschenk machte.“ Heute ist es ein Zeichen der Völkerverständigung.

Ein gutes Verhältnis zu den Polen

Versöhnung ist bei Thierse längst das große Stichwort. Bei ihnen sind die schmerzhaften Schatten der Vertreibung gewichen. „Wir haben ein gutes Verhältnis mit den Polen, ja sogar Freunde dort.“ Erst 2013 waren die Eheleute in Neisse auf Einladung des Bürgermeisters zu Gast. Zusammen mit 400 weiteren Besuchern. Josefine Thierse: „Die Stadt hat alle untergebracht und beköstigt. Das war beeindruckend.“

Genauso beeindruckend unterstützt Thierse seit Jahren ein Hospital im indischen Bundesstaat Kerala. Die Erlöse der Basare des heimischen Barbara-Hospitals und des Nikolausmarktes fließen an die Leiterin des indischen Hospitals, Chefärztin Dr. Berta, die übrigens in Gladbeck ihre Facharztausbildung machte. Den solidarischen Gedanken wollen Thierses beibehalten. So lange es gesundheitlich geht. Dazu gehört eine vernünftige Ernährung. „Das Essen bereiten wir gemeinsam zu. Es gibt Müsli, immer viel Gemüse und wenig Fleisch“, sagt Josefine Thierse.