Das aktuelle Wetter Gladbeck 1°C

Neuer Familienbericht

Brennpunkt Mitte 1

27.08.2008 | 08:45 Uhr
Brennpunkt Mitte 1

In der Untersuchung steht der Stadtteil rund ums Rathaus bei vielen Punkten an erster Stelle: Armut, Kinderreiche Familien, Jugendgerichtsfälle, Hartz-IV-Empfänger, alte Menschen.

Van Suntumhaus Foto: Ruhrkontrast / Peggy Mendel

Stadtmitte. Das klingt gut. Da wohnt das Bürgertum, da brummt der Cityhandel, da „tobt” das kulturelle Leben der Stadt. So dachte man bisher. Seit Erscheinen des Familienberichts Gladbeck (erstellt vom Institut Faktor Familie) muss neu gedacht werden. Denn in Mitte I, wie der Stadtteil eingerahmt von Hermann-, Mühlenstraße, Konrad-Adenauer-Allee, Zweckeler-, Graben-, Wilhelm und Gildenstraße genannt wird, hat über die Jahre ein gravierender Wandel stattgefunden. Nicht zum (noch) Besseren, viel eher zum Schlechteren. Bemerkt wurde diese Entwicklung offensichtlich nicht. Zumindest nicht von der Politik, die hatte Mitte 1 bisher nicht unbedingt auf der Agenda. Und auch dem Gladbecker Bürger fiel beim Stichwort „problematischer Stadtteil” bisher in der Regel als erstes Brauck, als zweites vielleicht Rentfort Nord ein.

City Center Gladbeck Foto: Ruhrkontrast / Peggy Mendel

Dabei hätte dem, der mit aufmerksamem Blick durch die Stadtmitte und angrenzende Straßen geht, einiges auffallen müssen. Die vielen armen Menschen zum Beispiel, die es in dem verhältnismäßig kleinen Stadtteil (siehe Grafik) mit relativ vielen Einwohnern (11 331, Stand 31.12.2006) gibt. 45 Prozent der Familien von Mitte I gelten als arm, sie müssen mit einem Nettoeinkommen von unter 750 Euro monatlich über die Runden kommen. Weitere zehn Prozent gelten als armutsnah, weil sie knapp über diesem Limit liegen. Damit ist mehr als jeder zweite Haushalt in Stadtmitte von Armut betroffen! Und die Stadtmitte ist deshalb auch einsame Spitze in der Zahl der Sozialhilfeempfänger unter 18 Jahren (21,4 %) und der Menschen, die von Hartz IV (27,2 %) leben. Noch ein trauriger Wert: Die Zahl der Jugendgerichtsfälle ist hier mit 134 % extrem hoch.

Natürlich wohnen die armen Menschen in Mitte I nicht in den schönen Häusern an der Gildenstraße, oder im neuen Van-Suntum-Gebäude gegenüber vom Rathaus. Diese Bereiche in Stadtmitte gibt es ja auch. Die Armen wohnen in den sozial gebundenen Wohnungen an der Schillerstraße, oder in den Mehrfamilienhäusern an der Hermann- und Friedenstraße, wo die Miete günstig ist, weil viele Hauseigentümer lange nichts getan haben an ihren Immobilien.

Hermannstrasse Foto: Ruhrkontrast / Peggy Mendel

Was außerdem auffällt in Mitte I: Es leben hier vergleichsweise viele Ältere, genauer gesagt, auch darin ist Stadtmitte spitze. 2814 Menschen über 64 Jahren machen ein Viertel der Gesamtbewohnerzahl des Stadtteils aus. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen liegt mit 21,7 % dagegen leicht unter dem Gladbecker Durchschnitt, die Zahl der kinderreichen Familien aber bei 28 %. Auf den ersten Blick ist der Anteil der Nichtdeutschen im Stadtteil nicht bemerkenswert, er entspricht dem Gladbecker Durchschnitt von 11,3 %. Zu berücksichtigen ist allerdings: Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund ist wesentlich höher, Tatsächlich liegt der Anteil in Mitte I bei 49 Prozent. Was auch in der Schule auffällt: In den Klassen der katholischen Lambertischule – die übrigens in diesem Jahr mit einer zusätzlichen vierten I-Dötzchenklasse startete - ist der Nationalitätenmix recht groß. Ein Vorteil: Bei vielen verschiedenen Muttersprachen müssen alle sich auf deutsch verständigen.

Das ist anders als in Brauck, wo die Kinder der vielen türkischen Zuwanderer in einer Sprache miteinander reden  können und daher oft große Probleme mit der deutschen Sprache haben.

„Erschreckend”, nennt SPD-Ratsherr Wendel vorm Walde, selbst Bewohner von Stadtmitte, die Daten über Mitte I im Familienbericht. „So hatte das niemand vorher gesehen”, sagt er und sieht dringenden Handlungsbedarf. Wie in Brauck (läuft noch) und Butendorf (abgeschlossen) sollte es in Mitte I ein Projekt „Soziale Stadt” geben, schlägt er in einem Schreiben an den Bürgermeister vor.

Maria Lüning-Heyenrath

Facebook
 
Kommentare
27.08.2008
22:15
Blockierter Kommentar.
von Thomas.Lau | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/974488/create

Umfrage

Soll sich die Stadt Gladbeck an der Finanzierung eines ca. 1,5 km langen Tunnels zwischen Phönixstraße und Graben-/Landstraße im Zuge des geplanten Baus der Autobahn A 52 mit rund 2 Mio Euro beteiligen, wenn die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden?

 
Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Die Stadt Informiert zur A 52
Bildgalerie
1 Kommentare 1
Aus dem Ressort
Debeka auf Expansionskurs
Niederlassung Gladbeck
Knapp 24 000 Versicherte in Gladbeck, Bottrop (mit Kirchhellen), Dorsten und Haltern betreut die Geschäftsstelle der Debeka (ursprünglich: Deutsche Beamten-Krankenkasse) von ihrer Geschäftsstelle am Marktplatz aus.
Ärgernis Leiharbeit und Aufstocker
NRW-Arbeitsminister
Guter Lohn für gute Arbeit - das ist oft gehörtes Mantra der Gewerkschaften, und auch die Überzeugung von NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider. Als Gastredner der Kreisdelegiertenkonferenz der AfA (SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmer) bekannte er aber auch die Probleme von Politik und...
1 Kommentare 1