Braucker trotzen Regen und Streik

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Was wir bereits wissen
Im Südpark an der Horster- und Vehrenbergstraße fand am Samstag, 30. Mai, das 9. Stadtteilfest in Brauck für die Braucker statt.

Gladbeck..  Nein, unter einem guten Stern stand das diesjährige Stadtteilfest in Brauck wahrlich nicht. Wettergott Petrus meinte es nicht allzu gut mit dem Süden der Stadt und der aktuelle Streik der Erzieherinnen und Sozialarbeiter sorgte dafür, dass das Fest eine Nummer schmaler als gewohnt ausfiel. Doch Brauck wäre nicht Brauck, wenn es seinen Problemen nicht trotzen würde. Einmal mehr stellten die Braucker unter Beweis, dass sie nichts aufhalten kann.

1Farbpfeile-Schießen, Wasserspiele mit der Feuerwehr oder vielfältige Tanzvorstellungen: Das Stadtteilfest an der Vehrenbergstraße zeigt sich gewohnt facettenreich und kunterbunt. „Wir haben zehn bis zwölf Stände und trotz aller Widrigkeiten lohnt sich dieses Fest“, so Organisator Henning Puch mit bangem Blick gen Himmel. „Schon im letzten Jahr mussten wir es wegen des Wetters absagen. Aber wir müssen doch in den Köpfen der Menschen bleiben.“ Also, Regenjacke an und ‘raus ging es auf den Rasen.


2Die Menschen in Brauck lieben ihr Stadtteilfest. Das war hier in jeder Sekunde zu spüren: „Schon Jahre lang komme ich mit den Kindern hierhin“, erklärt Malte Weber (37). „Wir spielen hier richtig gerne“, freut sich Sohnemann Hendrik (12), der gerade erst die Graffiti-Dose aus der Hand legt. „Nun geht es weiter zum großen Vier-gewinnt.“


3Das Leben an der Stadtgrenze ist heimelig und familiär. Doch was macht es besonders? „Menschen mit Migrationshintergrund leben hier mit den Deutschen zusammen. Ich fühle mich hier wohl“, erklärt Sinan Acar vom Interkulturellem Bildungszentrum e.V. „Die Probleme, die es hier natürlich gibt, stören dieses Zusammenleben aber nicht.“


4Andreas Pappert ist Vorsitzender des Fußballvereins Schwarz-Blau Gladbeck. Ein echter Treffpunkt in Brauck. „Wissen Sie“, so sagt der Gladbecker, „ich habe da ein Beispiel parat.“ In Brauck gäbe es da nämlich einen ganz besonderen Menschenschlag. „Wenn ich nachts um zwei Uhr Hilfe brauche und einen Nachbarn anrufe, fragt dieser nicht warum. Er kommt einfach.“ Der Zusammenhalt stimme einfach. „Man hat Spaß miteinander und es passt. Es ist schwer, Worte dafür zu finden“, so Pappert.

5Ein Aushängeschild hier ist zweifelsfrei die Erich-Kästner-Realschule. Natürlich durfte Schulleiter Gerd Weggel auf dem Fest nicht fehlen. „Brauck ist das klassische Ruhrgebiet“, beschreibt es Weggel. „Bei Problemen wird miteinander geredet. Hier gilt das gesprochene Wort.“ Und die Realschule steht bei den Kids hoch im Kurs. Achmed Khodr kommt beim Erzählen richtig ins Schwärmen. „Wir haben ein vielfältiges Angebot an AGs.“ Von Tanzen bis hin zur Robotertechnik. Besonders wichtig sei jedoch etwas anderes. „Das Verhältnis zwischen Eltern, Lehrern und Schülern stimmt.“


6Brauck hat bekanntlich nicht den besten Ruf, doch Monika Suschka hält dagegen. „Wenn alles stimmen würde was gesagt wird, würde ich nicht schon über 20 Jahre hier arbeiten.“ Die Teestube ist ihr zweites Zuhause geworden, wenn man es so nennen darf. „Die Menschen sind offen und die Vielfalt macht das Leben besonders.“