Botox für die Blase

Experten am Telefon (von links unten): Dr. Alexander Paschedag (Oberarzt Chirurgie), Robina Meinhardt (Pysiotherapeutin), Dr. Gabriele Tichy-Voß (Oberärztin Urologie) und  (obere Reihe)  Dr. Rudolf Gossen (Chefarzt Gynäkologie) sowie Prof. Dr. Bernhard Planz (Chefarzt Urologie).
Experten am Telefon (von links unten): Dr. Alexander Paschedag (Oberarzt Chirurgie), Robina Meinhardt (Pysiotherapeutin), Dr. Gabriele Tichy-Voß (Oberärztin Urologie) und (obere Reihe) Dr. Rudolf Gossen (Chefarzt Gynäkologie) sowie Prof. Dr. Bernhard Planz (Chefarzt Urologie).
Foto: Michael Korte
Was wir bereits wissen
Viele Anrufe nutzen WAZ-Telefonaktion. Mediziner am Gladbecker St. Barbara-Hospital setzen modernste Methoden ein, um Inkontinenz zu beseitigen.

Die WAZ-Telefonaktion zum Thema Inkontinenz belegte erneut, dass der Leidensdruck bei den Betroffenen oft hoch ist. Die fachkundigen Empfehlungen und Informationen der Mediziner zeigten andererseits aber auf, dass vielfältige Therapien, teils auch ohne große operative Eingriffe, möglich sind, die gute Erfolgsaussichten haben. Überraschen dürfte dabei auch, dass das vielen Laien wohl eher als Schönheitsmittel und Faltenkiller bekannte Botox auch bei übermäßigem Harndrang helfen kann.

Den Fragen der WAZ-Leser stellte sich Prof. Dr. Bernhard Planz, Dr. Rudolf Gossen, Dr. Gabriele Tichy-Voß, Dr. Alexander Paschedag und Physiotherapeutin Robina Meinhardt.

„Die Behandlung mit Botulinum Toxin, kurz Botox, kann dazu beitragen, den starken Harndrang aufgrund einer überaktiven Blase zu lindern“, erklärt Prof. Planz. Das lähmende Nervengift werde an etwa zehn Stellen in die Blase gespritzt und sorge über ein halbes Jahr und länger dafür, „dass die Blase wieder mehr Flüssigkeit hält und sich die Toilettengänge deutlich reduzieren“, so der Chefarzt der Urologie. Bis zu 40 Prozent der überaktiven Blasen könne man aber mit Tabletten behandeln, auch homöopathische Mittel würden durchaus helfen. Bei Männern, wie dem anrufenden 90-Jährigen, könne der häufige Harndrang aber auch an einer vergrößerten Prostata liegen.

Was die Experten erstaunte: Dieses Mal befand sich der Großteil der Anrufer in einem recht hohen Alter von um die 80 Jahre und höher. Trotz allen Rates zu den via Telefon geschilderten Problemen, stellten die Mediziner klar, dass für eine genaue Diagnose der Arztbesuch mit fachgerechter Untersuchung erfolgen müsse. Sollte dann zum Beispiel eine Entfernung der Prostata unumgänglich sein, bieten sich auch hier moderne Verfahren an, „wie das Verdampfen der Prostata mit einem Greenlight-Laser“, so Prof. Planz.

Dass aber auch schon in jungen Jahren enormer Leidensdruck bestehen kann, schilderte Oberärztin Gabriele Tichy-Voss im Fall einer berufstätigen Frau Ende 30. „Sie musste im Halbstundentakt zur Toilette und schaffte es dabei oft nicht, den Urin zu halten. Zudem litt sie unter starken Schmerzen.“ Ein Schrittmacher für die Blase habe schließlich neue Lebensqualität zurückgebracht. „Hierbei wurden über implantierte Elektroden im unteren Rückenmark die Nerven so stimuliert, dass die Blase wieder normal funktionierte.“

Beckenboden stabilisieren

Chefarzt Dr. Rudolf Gossen (Gynäkologie) telefonierte derweil mit einer 81-Jährigen, die schilderte, beim Husten oder Niesen Urin zu verlieren. Das Problem einer Harninkontinenz bei Belastungen, das bereits bei vielen deutlich jüngeren Frauen durch eine Blasen-oder Gebärmuttersenkung auftritt. „Hier wird in der Regel zur Behebung zunächst eine Senkungs-Operation durchgeführt, um den Beckenboden zu stabilisieren.“ Dies sei oft mit wenig belastender, so genannter Schlüsselloch-Operation und durch das Einbringen stützender Bänder erfolgreich möglich.

Eine Seniorin (82) bat Oberarzt Dr. Alexander Paschedag für ihren Mann um Rat. Der 84-Jährige habe oft Blähungen und könne dann den Stuhl nicht halten. „Dies kann der Hinweise auf Hämorrhoiden sein“, so der Experte, der zur proktologischen Untersuchung riet.

Physiotherapeutin Robina Meinhardt verwies einige Anrufer auf die von ihr ehrenamtlich geleitete Selbsthilfegruppe Inkontinenz, die sich jeden zweiten Donnerstag um 16.30 Uhr im Kompetenzzentrum am St. Barbara-Hospital trifft (Kontakt 27 84 59 26).