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Blatt für Blatt entsteht güldener Glanz

11.02.2016 | 10:00 Uhr
Blatt für Blatt entsteht güldener Glanz
Christus König in Schultendorf.Foto: Ulla Michels

Gladbeck.   Der Förderverein der Kirche Christus König läst den Tabernakel restaurieren. Er wird mit frischem Blattgold verziert.

Er ist der Mittelpunkt des katholischen Glaubens in einer Kirche, stellt Segen und Leben dar: der Tabernakel (lateinisch Zelt). Hier wird das eucharistische Brot, das von der heiligen Messe übrig bleibt, verschlossen aufbewahrt. Für drei Tage bleibt dieser Tresor, in dem sonst immer der Kelch mit den geweihten Hostien seinen Platz hat, in der Christus-König-Kirche (erbaut 1928) geöffnet. Der Grund: Das Blattgold des edlen Aufbewahrungsortes muss komplett erneuert werden – um endlich wieder als Schmuckstück strahlen zu können.

Seit gestern arbeitet die selbstständige Diplom-Restaurateurin Natalie Dahlhaus an den beiden Flügeltüren des Schatzkästchens. Sie sorgt in fummeliger und intensiver Kleinarbeit dafür, dass die beiden Türen, in die jeweils ein Engel – einer mit Flügeln, einer ohne – als Relief eingearbeitet sind, bald wieder den alten Glanz zeigen.

Die Restaurierung des Prachtstücks war dringend nötig, erklärt Johannes Schulte-Kellinghaus, Vorsitzender des Fördervereins, der seit 2006 die Kirche baulich unterhält. „Das Gold war abgegriffen, auch durch Händeschweiß. Immerhin hat es über 35 Jahre gehalten, aber irgendwann geht das Blattgold eben ab.“ Für den rund 300 Mitglieder zählenden Förderverein war sofort klar, dass dringend etwas getan werden müsse. Denn, so Schulte-Kellinghaus weiter: „Wir hoffen ja, dass unsere Kirche noch einige Jahre geöffnet bleibt.“

Zu den Kosten will sich der Vorsitzende nicht konkret äußern. Er sagt jedoch, dass die Restaurierung aus Spendengeldern erfolgt und – ganz wichtig – nicht aus Mitgliedsbeiträgen. Die Restaurateurin wurde dem Förderverein übrigens vom Dombaumeister des Bistums Essen empfohlen. Sie ist eine Expertin, gerade auch für Sakrales. Erst kürzlich tauschte sie die Holzdübel am Essener Dom aus, restaurierte Kreuzweg, Altar und Tabernakel in einer Mülheimer Kirche. Jetzt steht sie halbhoch auf einer Leiter vor der riesigen, grundweißen Chorwand mit dem gewaltigen, farbigen, dachhohen Wandbild, das bei der Umgestaltung des Innenraums Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts vom Künstler Klaus Balke angefertigt wurde.

Benötigt wird eine ganz ruhige Hand

Das Bild zeigt Christus als Lebensbaum und lädt zur Meditation ein. Mehr als passend, dass der vor dem Umbau noch freistehende Tabernakel damals vom Künstler ans Fußende des Baumes mitten in die Wand gesetzt wurde. Schulte-Kellinghaus: „Der Betrachter braucht nur den Baumstamm nach unten zu verfolgen, so stößt er auf den Tabernakel als Baumwurzel des Lebens.“

Natalie Dahlhaus arbeitet konzentriert, hat neben sich auf der Leiter ein Papierheftchen mit Blattgold, ein Vergoldermesser zum Schneiden und einen flachen Pinsel zum Auftragen des Blattgoldes liegen. Als Grundierung dient ein sogenanntes Anlegeöl, das auf die alte Goldschicht aufgetragen wird und das Blattgold auf dem neuen Untergrund fixiert. Kompliziert ist diese Arbeit, setzt sich aus einer fein tarierten Mischung aus Abwarten und Anpacken zusammen. Dahlhaus: „Das Öl muss kleben, damit es das Gold festhält. Aber es muss auch soweit trocken sein, dass es nicht zu matschig ist.“ Denn sonst wird das neue Blattgold matt und nicht glänzend.

Deshalb reibt die Restaurateurin auch immer wieder vorsichtig mit dem Finger über den Ölauftrag. Ein Kunstgriff: „Hören Sie mal, es muss quietschen, dann passt es.“ Etwa 100 Goldblätter – jeweils acht mal acht Zentimeter groß – werden am Relief-Tabernakel von Dahlhaus verarbeitet. Dies erfolgt in Schichten von oben nach unten, Blatt für Blatt, in völliger Stille.

Hektik ist fehl am Platz, wenn die Restaurateurin das edle Material mit einem speziellen flachen Pinsel aufträgt. Nach jedem Blatt hält sie kurz inne, streicht sich mit dem Arbeitsgerät über die Wange. „Damit lade ich ihn auf, so hält das Gold am Pinsel.“ Klar, dass mit dem Gold-Pinsel nicht hektisch gewirbelt werden darf. So spricht Dahlhaus auch von einem geradezu meditativen Arbeiten. „Man benötigt eine ruhige Hand, sonst fliegt einem das Zeug um die Ohren.“

Bis zur Messe am Sonntag um 11.15 Uhr erstrahlt der Tabernakel dann wieder in neuem güldenen Glanz. Dann wird hinter den gut verschlossenen Türen auch wieder der Kelch mit den Hostien, der für die Restaurationszeit in einen profanen Tresor umziehen musste, seinen angestammten Platz erhalten.

Gerhard Römhild

Kommentare
11.02.2016
14:24
Blatt für Blatt entsteht güldener Glanz
von wowiki | #1

ups

neuer Beruf ? Restaurateurin ? !!

Restaurator , Restauratorin ! meine ich ;

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Blatt für Blatt entsteht güldener Glanz
Blatt für Blatt entsteht güldener Glanz
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http://www.derwesten.de/staedte/gladbeck/blatt-fuer-blatt-entsteht-gueldener-glanz-id11554048.html
2016-02-11 10:00
Gladbeck