Biniam Welday aus Eritrea berichtet von seiner Flucht

Biniam Welday (26) erzählte an der Erich-Kästner-Realschule von seiner Flucht.
Biniam Welday (26) erzählte an der Erich-Kästner-Realschule von seiner Flucht.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Politik-Lehrstunde der besonderen Art an der Erich-Kästner-Realschule - ein junger Flüchtling aus Eritrea stand den Schülern Rede und Antwort.

Gladbeck..  Ein top-aktueller Politik-Unterricht für vier Klassen aus der 8. bis 10. Jahrgangsstufe der Erich-Kästner-Realschule in Brauck: Biniam Welday aus Eritrea war am Freitagvormittag an der Realschule im Gladbecker Süden zu Gast. Der 26-Jährige aus Ostafrika berichtete von seiner Flucht nach Europa, die im Jahr 2012 begann.

Mittlerweile ist der junge Mann als Flüchtling offiziell anerkannt; seine Verlobte (22) lebt derzeit in München; die beiden hoffen auf schnellstmögliche Familien-Zusammenführung. Biniam Welday hat zudem einen Bruder (16), der sich auf der risikoreichen Flucht aus Eritrea befindet und zu dem er derzeit keinen Kontakt hat.

Aufmerksam hörten die Realschüler am Freitag dem Bericht des 26-Jährigen zu. Es habe keine persönliche und politische Freiheit in Eritrea gegeben; er flüchtete also als aus politischen Gründen, erklärte der junge Mann den Schülerinnen und Schülern. „We have no freedom in our country“, sagt er. Und er ergänzt: „Live is good in Germany.“ Wobei er wohl weniger seine materielle Situation meint, als sein Leben in Deutschland mit gesicherten Grundrechten, wovon er in Eritrea nur träumen konnte.

Im Schleuserboot nach Sizilien

Vom Deutschen ins Englische wechselnd berichtete Biniam Welday von seiner lebensgefährlichen Flucht über den Sudan und Libyen an die Mittelmeerküste, von wo er mit einem Schleuserboot nach Sizilien übersetzte. Mehrere tausend US-Dollar hat ihn dieses risikoreiche Unternehmen alles in allem gekostet; Geld, das er zuvor über einen längeren Zeitraum auch von Verwandten, wie etwa einem Onkel in Kanada, erhalten hatte.

„Wir sind zehn Tage fast ohne Wasser durch die Wüste gelaufen“, sagt der 26-Jährige, der zugleich unterstreicht: „Ich hatte keine Angst, denn das Leben in meiner Heimat war schlecht. Ich war dort so gut wie tot.“ Immer wieder fragen die Schülerinnen und Schüler zu bestimmten Punkten seines Berichts nach. Die einzelnen Klassen haben sich zuvor im Politik-Unterricht auf die Visite des Mannes aus Eritrea vorbereitet, sie haben sich etwa mit dem Grundrecht auf Asyl und seine besondere Historie in Deutschland befasst; sie haben auch die aktuelle Situation in der Flüchtlingspolitik unter die Lupe genommen, die stetig steigenden Flüchtlingszahlen und die dramatische Situation im Mittelmeer.

Eine Politikstunde, die allen in Erinnerung bleibt

Biniam Welday lebt derzeit in Dorsten und wird bei seiner Visite in Brauck von Rolf Wagner begleitet, der sich in Dorsten als „Flüchtlings-Lotse“ engagiert und sich dort auch um den jungen Mann aus Eritrea kümmert.

Nach zwei Jahren wurde Biniam als Flüchtling offiziell anerkannt. Er hat jetzt sozusagen die Eintrittskarte für Europa offiziell in der Tasche, wie Rolf Wagner sagt. Nach acht weiteren Jahren kann er - bei Erfüllung weiterer Voraussetzungen - sogar eingebürgert werden. Doch nicht alle Fälle enden so positiv. Auch darüber berichtete Wagner im Detail. Eine Politikstunde, die allen in Erinnerung bleibt.